Geisterdorf

Geisterdorf
Italien März 17

Freitag, 30. Januar 2015

LA VERGINE DI NORIMBERGA (1963)














DAS SCHLOSS DES GRAUENS
Italien 1963
Regie: Antonio Margheriti
DarstellerInnen: Rossana Podestà, Georges Rivière, Christopher Lee, Jim Nolan, Anny Degli Uberti, Luigi Severini u.a.


Inhalt:
Mary Carson begleitet ihren Mann Max zum ersten Mal zu dessen Schloss in Deutschland, das er ein Mal jährlich besucht, um nach dem Rechten zu sehen.
Dort lernt sie nicht nur den mit mittelalterlichen Folterinstrumenten gut ausgestatteten Schlosskeller, sondern auch den unheimlichen Schlossverwalter Erich kennen.
Mary erfährt, dass Erich einst an der Seite ihres im Krieg gefallenen Schwiegervaters gegen die Nazis kämpfte. Seither entstellen Narben sein Gesicht. Und weil der Folterkeller und der einsilbige, verunstaltete Erich noch nicht unheimlich genug sind, verschwindet schließlich eine Hausangestellte, deren Leiche Mary in der Nacht findet. Die arme Frau wurde offensichtlich in der „Eisernen Jungfrau“ zermatscht.
Als die neugierige Mary dann auch noch einem Mann in mittelalterlicher Henkerkostümierung begegnet, fällt sie in Ohnmacht.
Wieder genesen, macht sie sich auf den Weg, das Rätsel um die Identität des Mörders zu lösen. Max scheint sie daran hindern zu wollen. Hat er etwas damit zu tun?


Mary im Nachthemd und eine Angestellte im Schlossgarten


Kein schöner Anblick: Hausverwalter Erich (Lee) 


Der oftmals unter dem Pseudonym "Anthony M. Dawson" in den Credits seiner Werke erscheinende Regisseur Antonio Margheriti lieferte stets gut verdauliche und ansehnliche Filmkost ("Satan der Rache", "Asphalt Kannibalen") und experimentierte mit den unterschiedlichen populären Genres.

"Das Schloss des Grauens" stellt eine gelungene, unterhaltsame Mischung aus Gotik-Horror, aufgepeppt mit einer Prise "Giallo" dar und läutete das Zeitalter des etwas brutaleren italienischen Kinos ein.
Warum der Henker, dessen Identität erst gegen Ende offenbart wird, ausgerechnet junge Frauen foltert, wird zwar nicht hinreichend aufgeklärt, liefert aber zumindest den Ansatz einer Erklärung für misogyne Folterszenen, die in der gezeigten Brutalität unter Filmen dieser Zeit ihresgleichen suchen.
Vor allem die Szene, in der eine unschuldige Frau von einer Ratte die halbe Nase weg gefressen wird, ist regelrecht ekelerregend.

Was soll man dazu sagen? Die Geschichte lässt keine Wünsche offen und Margheriti wollte in seinem Werk wohl für jeden ZuschauerInnen-Geschmack etwas einbauen.
Denn auch Gotik- bzw. Hammer-Fans kommen auf ihre Kosten. Die pompöse Innenausstattung des Schlosses und die meist nur wenig, aber gezielt beleuchteten Szenerien zählen zu den ästhetisch geschmackvollsten der Gruselfilme des italienischen Kinos.

"Das Schloss des Grauens" wirkt aufgrund der schrägen Geschichte insgesamt herzig naiv, wie manche Hammer-Filme zu ihren besten Zeiten. Das Schloss, das angeblich in Deutschland steht, ist umgeben von  einem pittoresken Garten mit Palmen, Pinien und anderer interessanter deutscher Flora.
(Gedreht wurde tatsächlich in der Villa Sciarra in Rom, die ebenfalls Schauplatz von Mario Bavas Giallo "Blutige Seide" war.)

Das Einzige, was im bzw. am Film eindeutig nicht naiv ist, ist die blendend aussehende Protagonistin Mary (Rossana Podestà). Sie traut nichts und niemandem und lässt sich auch von ihrem schmierigen Ehemann nicht täuschen. Denn auch ihr Gatte verhält sich suspekt und scheint mehr über die Vorgänge im Schloss zu wissen, als er zugeben möchte. Die Schlaftabletten, die er Mary verabreichen will, lässt sie in einem unbeobachteten Moment elegant unters Bett fallen und nutzt die erstbeste Gelegenheit, sich unbemerkt aus ihrem Zimmer zu schleichen.
Ihre weiteren Ermittlungen stellt sie dann geschätzte zwei Drittel der Laufzeit in einem langen wallenden Nachthemd an.
Sogar als sie einen verdächtigen älteren Mann im Garten der Villa trifft, der herumzuspionieren scheint, gerät die tapfere Mary kein bisschen in Verlegenheit ob ihrer Gewandung.
Im Gegenteil – sie redet mit dem Mann, als ob es das Normalste der Welt wäre. Es sieht eben stylisch aus und passt zu ihrer Rolle als Schlossherrin.

Christopher Lee erscheint als Erich ein bisschen blass. Er stakst hin und wieder hölzern und unbeholfen durch das Bild und lässt ein wenig bedrohliche Stimmung aufkommen.
Sein Schauspiel war nicht nur durch die wenige Screen-Zeit, sondern auch durch seine Maske eingeschränkt. Mit nur einer beweglichen Gesichtshälfte lässt sich eben schlecht eine besondere Mimik darstellen.

Lieblingszitat (der ominöse Henker zu seinem Opfer):
"Sieh dir diesen Käfig an. So einen hast du noch nie im Leben gesehen. Vor 400 Jahren ist er zum ersten Mal benutzt worden. Es ist die teuflischste Foltermethode, die je ein Menschenhirn sich ausgedacht hat. (…)
Heute hat man zwar mit Hilfe der Wissenschaft erstaunliche Fortschritte gemacht. Aber die alten Martermethoden sind immer noch die besten."

Auch wenn die Handlung zugunsten von Ästhetik und Effekten in den Hintergrund rückt und insgesamt als lose zusammengeschustertes Flickwerk erscheint, zählt "Schloss des Grauens" aufgrund der Ausstattung der Kulissen, der sympathischen Charaktere, des stimmigen Soundtracks von Riz Ortolani und des gesamten Unterhaltungswerts und Niedlichkeitsfaktors zu meinen persönlichen Lieblingsfilmen des Antonio Margheriti.




Foto: Das schöne Digipak von Koch Media und die DVD von Shriek Show




Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)



Freitag, 23. Januar 2015

LA RAGAZZA CHE SAPEVA TROPPO (1963)














THE GIRL WHO KNEW TOO MUCH
Italien 1963
Regie: Mario Bava
DarstellerInnen: Letícia Román, John Saxon, Valentina Cortese, Titti Tomaino, Robert Buchanan, Luigi Bonos, Milo Quesada u.a.


Inhalt:
Die Amerikanerin Nora Davis reist zu einer Bekannten nach Rom. Doch die schöne junge Dame wird von einer unglaublichen Pechsträhne verfolgt. Zuerst wird ihr im Flugzeug eine Packung mit Marihuana versetzten Zigaretten angedreht, die sie am Flughafen vor dem Zoll vergeblich versucht loszuwerden. In ihrem Feriendomizil angekommen, muss sie erfahren, dass ihre Gastgeberin ernstlich krank ist. Kurz darauf stirbt die sympathische ältere Frau in einer Unwetter-Nacht quasi unter Noras Augen weg, das Telefon versagt seinen Dienst und Nora rennt panisch auf die Straße, um Hilfe zu holen.
Nur wenige Schritte vom Haus entfernt wird sie von einem Taschendieb überfallen, niedergeschlagen und verliert das Bewusstsein. Als sie wieder zu sich kommt, findet gerade vor ihren Augen ein Mord statt.
Nora wird abermals schwarz vor Augen und als sie erwacht, findet sie sich im Krankenhaus wieder, wo sie wie eine Verrückte behandelt wird und ihr niemand Glauben schenken will, dass sie Zeugin eines Mordes ist.
Also ermittelt sie auf eigene Faust und gerät dabei ins Visier eines psychopathischen Serien-Killers...


Nora verwirrt im Krankenhaus


Nora und Marcello bei ihren Ermittlungen


Mario Bavas eindrucksvoll ästhetisch fotografierter Ur-Giallo hat im deutschsprachigen Raum offenbar nicht viele Bewunderer. Ob es daran liegt, dass der Film nie synchronisiert wurde oder daran, dass Interessierte sich lange Zeit mit einer französischen DVD begnügen mussten?
Im November letzten Jahres ist jedenfalls endlich die langersehnte Blu Ray vom Label Arrow erschienen und für alle Bava-Aficionados und FreundInnen des Giallo Genres lohnt sich der Kauf definitiv.

"La ragazza che sapeva troppo" nimmt bereits wichtige Elemente des Genres vorweg und war nicht nur wegweisend für die Werke Argentos (vgl. "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" oder "Inferno"), sondern auch anderer wichtiger italienischer Populärkino-Regisseure der 60er und 70er Jahre.

Der Filmtitel kann als Hommage an Alfred Hitchcocks "The Man who knew too much" verstanden und in zweifacher Weise interpretiert werden. Einerseits weiß Nora zu viel, weil sie einen Mord beobachtet hat. Andererseits weiß sie (vielleicht) auch zu viel, weil sie eine begeisterte Leserin der Giallo Literatur (die gelb eingebundenen Kriminalromane, die in Italien vom Verlagshaus "Mondadori" erscheinen) ist.


Noras Flugzeug-Lektüre


Gialli aus meinem Bücherregal


Es ist über eine lange Zeitspanne nicht klar, ob Nora, beeinflusst von den vielen Romanen und beeinträchtigt von der gerauchten Droge, halluziniert oder ob sie den Mord tatsächlich gesehen hat. Geschickt spielt Bava mit dieser Unsicherheit und der Option des "unzuverlässigen Erzählers", da wir den Mord ausschließlich aus der Perspektive Noras sehen (und das auch noch leicht verschwommen).

Die umtriebige neugierige Amerikanerin macht gleich nach ihrer Ankunft Bekanntschaft mit dem adretten jungen Arzt Marcello Bassi (John Saxon), der ihr bei den weiteren Ermittlungen helfend und beschützend zur Seite stehen möchte, von ihr aber immer wieder zurückgewiesen wird.
John Saxon, der gebürtige Amerikaner mit italienischen Wurzeln, wurde als Carmine Orrico in Brooklyn geboren und dürfte sowohl Eurocult-Fans als auch KennerInnen des amerikanischen Horrorfilms ein Begriff sein.
Mich beeindruckte er bereits in meiner Jugendzeit als Vater von Nancy in "Nightmare on Elm Street". Seine sportliche Statur (er ist übrigens Träger eines schwarzen Gürtels in Karate), sein südländisches Aussehen und sein Charisma lassen ihn besonders glänzen, wenn er einen Polizisten (vgl. "Die Killer der Apokalypse", "Jessy - Die Treppe in den Tod") oder einen Uniformträger (wie in "Asphalt Kannibalen") mimt.
Seinem für "La ragazza che sapeva troppo" ersten Ausflug nach Cinecittà sollten noch viele weitere folgen.

Unheimliches und Unerklärliches


Ähnlich wie in Pupi Avatis "Haus der lachenden Fenster" sind die Grenzlinien zwischen Giallo und Horrorfilm leicht unscharf, die Geschichte enthält Elemente aus beiden Genres.
Bereits der Tod der Gastgeberin ist dramatisch und unheimlich inszeniert - sie stirbt qualvoll in einer Gewitternacht und ihre Leiche wird vom flackernden Licht gespenstisch beleuchtet.
Besonders deutlich erscheint mir der Grusel-Aspekt in der Szene, in der Nora von einem anonymen Anrufer in ein verlassenes Gebäude gelockt wird, in dem in mehreren Räumen an langen Kabeln von der Decke herabhängende Glühbirnen wie von Geisterhand geführt hin- und her schwingen und eine gespenstische Stimme zu ihr spricht.
Der Themenkomplex "Parapsychologie" und "Außersinnliche Wahrnehmung" ist ebenfalls kunstfertig in die Erzählung eingewoben. Nora führt ein Gespräch mit einem Arzt und Bekannten Marcellos, der die Theorie aufstellt, dass der von Nora beobachtete Mord eine Vision aus der Vergangenheit gewesen sein könnte.
Immerhin gab es in den letzten Jahren bereits mehrere Morde an exakt der Stelle auf der spanischen Treppe, an der Nora das Bewusstsein verloren hat.


Nora im verlassenen Gebäude


Das Tonband, das Nora und Marcello an diesem mysteriösen Ort finden, erklärt zwar die Herkunft der Stimme, dennoch bleiben einige Sequenzen des Films nicht eindeutig entschlüsselbar.
Welch formvollendete Bildkompositionen Bava mittels Schwarz-Weiß-Aufnahmen imstande war auf die Leinwand zu zaubern, hat der Maestro bereits im Jahre 1960 bei seinem ersten eigenen Werk "Die Stunde wenn Dracula kommt" unter Beweis gestellt.
Für "La ragazza..." kamen Bavas perfektionierte Techniken abermals zum Einsatz.


Der bedrohliche Schatten


Was man dem Film ankreiden kann, aber vermutlich schlichtweg dem damaligen Zeitgeist geschuldet ist, sind die für die Handlung unnötigen Ausflüge Noras mit Marcello zu diversen römischen Touristenzielen und die kurzen Ausflüge in die seichten Gewässer der commedia all'italiana.

Das Bemerkenswerte an "La ragazza che sapeva troppo" ist nicht nur, dass er quasi als Genre-Prototyp gilt, sondern, dass er zugleich ein schönes Beispiel für Meta-Kino darstellt.
Ein Muss für Bava-Fans sowie für alle, die dem Giallo-Genre nicht abgeneigt sind!




Foto: DVD in der Bava Box, Blu Ray von Arrow




Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)



Samstag, 17. Januar 2015

MANNEN PA TAKET (1976)














DER MANN AUF DEM DACH
Schweden 1976
Regie: Bo Widerberg
DarstellerInnen: Carl-Gustaf Lindstedt, Sven Wollter, Thomas Hellberg, Håkan Serner, Ingvar Hirdwall, Brigitta Valberg u.a.


Inhalt:
Ein Mann liegt des Nächtens allein in seinem Krankenhauszimmer. Auf seinem Gesicht bilden sich immer mehr Schweißperlen, er hat Schmerzen und kann nicht schlafen. Als er nach der Schwester klingelt, erhält er von dieser Medikamente und sie begleitet ihn zur Toilette.
Der Mann kommt zurück ins halbdunkle Zimmer, irgendetwas erregt seine Aufmerksamkeit.
Er geht Richtung Vorhang und trifft auf seinen Mörder...
Wenige Stunden später ist die Polizei vor Ort. Der Killer hat ein wahres Blutbad angerichtet und den Mann regelrecht ausgeweidet.
Es handelt sich bei dem Opfer um einen Polizisten namens Stig Nyman, der sich zu Lebzeiten nicht gerade für Korrektheit im Dienst berühmt gemacht hat.
Kommissar Beck und seine Kollegen ermitteln zuerst in alle Richtungen.
Und schon bald finden sie heraus, dass es sich bei dem Mörder um eine sehr gefährliche Person handelt, der es um Rache geht.
Schwer bewaffnet verschanzt sich der Amokläufer auf einem Dach und schießt auf alle Polizisten, die eine Uniform anhaben oder die ihm persönlich bekannt sind.
Wer ist er, was ist sein Motiv und - die dringendste Frage - wie kann man ihn stoppen?


Kommissar Beck


Polizisten unter Beschuss


Es gibt Filme, bei denen man ab einer gewissen Laufzeit versucht ist, mal auf die Uhr zu schielen oder sich zumindest zu fragen, wie lange man jetzt schon vor der Leinwand sitzt. Bei mir ist es besonders dann der Fall, wenn sie über die "magische Grenze" von eineinhalb Stunden hinausgehen.
Es gibt aber auch Filme, die eine fast unheimliche Sogwirkung besitzen - man fühlt sich in die Handlung regelrecht hineingezogen und schaltet Gedanken an Nebensächliches einfach ab.
Letzteres ist bei dem schwedischen Polizei-Thriller aus dem Jahr 1976, der stolze 107 Minuten Laufzeit hat, der Fall.

"Der Mann auf dem Dach" verfügt über diesen beißenden schonungslosen Realismus und Minimalismus, den skandinavische Filme oft an sich haben.
Das triste Stockholm, die kargen Lichtverhältnisse, die fahlen Farben der Wohnungen und der Gesichter der Protagonisten - dies alles erzeugt diese ganz spezielle Atmosphäre, die man entweder sofort fühlt und begreift, oder eben nicht.
Der Mord am wehrlosen Nyman, die Tatwaffe übrigens ein Bajonett, wird drastisch dargestellt und erinnert an Szenen aus Reportagen über Schlachthöfe. So realistisch hat das Blut in Italien zu dieser Zeit bei Weitem nicht ausgesehen.

Manche der ermittelnden Kommissare werden zu Beginn als "gewöhnliche Männer", in zivil, zuhause im Kreis ihrer Familie gezeigt.
Nein, sie sind keine Superbullen, die nie eine Pause brauchen und ihre menschlichen Bedürfnisse für die Zeit der Ermittlungen abstellen.
Auch im weiteren Verlauf der Geschichte wirken sie stets menschlich und authentisch. Als Beck müde wird und die Motivation etwas nachlässt, gönnt er sich eine Auszeit in einem Wellness-Bereich. Einer seiner überarbeiteten Angestellten nickt kurz ein während einer Befragung und muss dann wieder mithilfe des "grässlichen Spülwasser-Kaffees" belebt werden.

Generell fällt das starke Bemühen auf, streng nach Polizeiprotokoll vorzugehen und die Abscheu gegenüber der Befragungsmethoden des verblichenen Kollegen Nyman und eine daraus resultierende Art kollektive Scham.
Das verleiht den Beamten einen zusätzlichen Sympathie-Punkt.

Die Dialoge wirken ebenso aus dem Leben gegriffen wie die Mimik der Schauspieler und die Charakter-Gesichter.
Als Beck bei einer anderen Polizeidienststelle nach einem dort arbeitenden Beamten fragt und die Auskunft erhält, man habe ihn heute noch nicht gesehen, bittet er den Polizisten am Telefon, doch mal die anderen zu fragen. Etwas widerwillig kommt aus dem anderen Ende der Leitung: "Welche anderen?"
Nun erhebt Beck seine Stimme und flucht, sie werden doch wohl mehr als einen Polizisten auf der Wache haben. In der Leitung wird es plötzlich leise und man hört gedämpft, wie sich der Gefragte in unmotiviertem Tonfall an seinen Kollegen wendet und erklärt, der arrogante Beck von der Mordkommission wolle wissen...
Beck verzieht bei diesem unbeabsichtigt hörbaren Dialog keine Miene.
Solche Szenen klingen banal, wirken aber grandios in ihrer Zurückhaltung und sind an Realismus nur schwer zu übertreffen.

Wenn gesprochene oder fotografierte Nebensächlichkeiten nachhaltig beeindrucken, wenn sie wie selbstverständlich in die Handlung eingebettet sind und mit dem Plot verschmelzen, dann hat der Regisseur, in diesem Fall ein Mann namens Bo Widerberg, Feinfühligkeit und sein künstlerisches Talent eindeutig unter Beweis gestellt.

"Der Mann auf dem Dach" zeigt nicht nur akribisch durchgeführte polizeiliche Ermittlungen, sympathische Charaktere und die tristen Straßen Stockholms, sondern präsentiert in der zweiten Hälfte des Films (als sich der Amokläufer auf dem Dach in Position begibt) Action und Spannung auf hohem Niveau.

"Der Mann auf dem Dach", ist eine Art Poliziottesco mit schwedischer Mentalität, angenehm zurückhaltend und in der Darstellung doch stechend scharf und außerdem ein spannender Kriminalfilm mit sorgfältiger Zeichnung der Charaktere.
Die vom Label Motion Picture veröffentlichte DVD hat eine Bild- und Tonqualität, dass es eine Freude ist.
Wer einen hierzulande weitestgehend unbekannten und wahrscheinlich auch unterschätzten cineastischen Klassiker erstehen möchte, sollte sich gleich um den Erwerb der DVD kümmern.
Wer sich für die literarische Vorlage des Films interessiert, suche nach den Romanen der Autoren Maj Sjöwall und Per Wahlöö.


Foto: Die Hartbox von Motion Picture



Samstag, 10. Januar 2015

CASTLE FREAK (1995)














CASTLE FREAK
USA 1995
Regie: Stuart Gordon
DarstellerInnen: Jeffrey Combs, Barbara Crampton, Jonathan Fuller, Jessica Dollarhide, Massimo Sarchielli u.a.


Inhalt:
Der amerikanische Familienvater John Reilly reist mit Frau Susan und Tochter Rebecca nach Italien. Das alte umbrische Schloss, das John geerbt hat, soll verkauft werden. Vorher möchte er es allerdings inspizieren und ein bisschen Urlaub dort machen. Einzig die derzeit vorherrschenden Familienverhältnisse vermögen das Glück des Neo-Schlossbesitzers zu trüben. Seine Frau verweigert ihm jegliche körperliche Annäherung und macht ihm permanent Vorwürfe. Dies obendrein schon seit etlichen Monaten. Genauer gesagt, seitdem der Unglückselige in betrunkenem Zustand einen Autounfall zu verantworten hatte, bei dem der gemeinsame Sohn ums Leben kam und Tochter Rebecca erblindete.
Dass im Kellerverlies ein entarteter Verwandter von John haust, weiß zu Beginn nur der Zuschauer. Rebecca ist die Erste, die die Bedrohung spürt und als der "Castle Freak" sich seiner Ketten entledigt, überschlagen sich die Ereignisse...






Während Stuart Gordon's bekannter und unter Horror-Fans viel gerühmter "Re-Animator" heute noch als "Meilenstein des Splatter-Genres" gefeiert wird, fristet der eine Dekade später entstandene "Castle Freak" ein unverdientes Schattendasein.
Für die einen "zu unblutig" und ein "zu niedriger Bodycount", für die anderen "zu viel Familiendrama", kommt Gordons Film in den Augen der Internetcommunity mehr schlecht als recht weg.

So Manchen von euch wird es nicht besonders verwundern, wenn ich an dieser Stelle eine etwas abweichende Meinung vertrete...
Vielleicht hätte ich zu "Re-Animator" einen anderen Bezug, wenn ich ihn (wie viele Filme aus den 80er Jahren) schon als Jugendliche gesehen hätte.
Aber als ich den Streifen vor ein paar Jahren zum ersten Mal sichtete, war ich etwas enttäuscht. Und auch beim zweiten "Annäherungsversuch" wurde der Film in meinen Augen nicht besser. Weder Jeffrey Combs, der als der "legendäre Herbert West" in die Annalen der Horrorfilmgeschichte eingegangen ist, noch die Effekte konnten mich sonderlich beeindrucken.
Vielmehr vermisste ich so etwas wie eine stimmige Atmosphäre, eine Art "Seele" des Films.
Aus diesem Grund hat es mir bislang innerlich widerstrebt, "Castle Freak" anzusehen.
Verantwortlich dafür war allerdings nicht nur meine ernüchternde Erfahrung mit "Re-Animator" oder der furchtbar unsympathische Combs, sondern auch der Umstand, dass die Neunziger Jahre bis auf wenige Ausnahmen filmtechnisch so überhaupt nicht meine Zeit waren bzw. sind.
Wie gut, dass nicht meine Vorurteile, sondern meine Neugier gesiegt hat.

Um Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich an dieser Stelle gleich einräumen: "Castle Freak" ist keine Offenbarung, definitiv keine unterschätzte Perle des Genres, aber meiner Meinung nach ein sehenswertes und gut bei Laune haltendes Horror-Spektakel.
Besonders italophile FilmliebhaberInnen kommen auf ihre Kosten - nicht nur das italienische Schloss (gedreht wurde in Umbrien), die Landschaft und die Charaktere, sondern auch die Thematik, die im italienischen Giallo und Gotik-Kino häufig verwendet wurde (zumeist englischsprachige Touristen, die in "Bella Italia" in Not geraten), schaffen eine heimelig-vertraute Atmosphäre.

Als das blutrünstige Treiben des Castle Freak seinen Anfang nimmt, gerät John schnell als einzig Tatverdächtiger ins Visier der örtlichen Carabinieri.
Wenn man diverse amerikanische Horrorfilme vor seinem geistigen Auge Revue passieren lässt, fällt auf, dass es eine Art kollektive Urangst der Amerikaner zu sein scheint, im fremden, mysteriösen, geschichtsträchtigen und teils rückständigen Europa in vertrackte Situationen verwickelt und wie im Falle von John Reilly auch noch unschuldig des Mordes bezichtigt zu werden.
Dieser Plot funktionert immer wieder prächtig.

Optisch wirkt der Film irgendwie "retro" und relativ zeitlos, man ist fast versucht zu sagen, eher untypisch für die Neunziger.
Jeffrey Combs ist - entgegen meiner vorgefassten Meinung, die an dieser Stelle revidiert wird - ein recht überzeugend wirkender Schauspieler. Für die ebenfalls aus "Re-Animator" bekannte Barbara Crampton gilt das Selbe.
Der titelgebende Castle Freak ist natürlich der heimliche Star des Films. Seine monströse Gestalt ist gruselig, einprägsam und hebt sich im Vergleich zu anderen Horrorfilm-Monstern von den gängigen Gestalten ab. Er ist kein durch und durch böses und seelenloses Monster, sondern wird als arme geschundene Kreatur, deren Handlungsmotive nicht eindeutig als "kaltblütig und böse" zu kategorisieren sind, dargestellt. Das verleiht unserem bemitleidenswerten Freak und der Story eine zusätzlich mysteriöse Komponente.

Natürlich wird - wie in vielen Horrorfilmen üblich - während des gesamten Handlungsverlaufs nicht mit Klischees gegeizt. Das weibliche Geschlecht tritt als Inbegriff von Hilflosigkeit in Erscheinung und erreicht seinen tragischen Höhepunkt durch die Figur der Rebecca. Was könnte hilfloser und schutzbedürftiger sein als eine erblindete heranwachsende Frau? Die Italiener sind (nett ausgedrückt) einfachen Gemüts, sündige Prostituierte müssen zuallererst und auf grausamste Art sterben, Alkohol ist böööse, da er die Familie zerstört und so weiter.

Die handgemachten Effekte sind qualitativ hochwertig, die Filmmusik ist stimmig und auch sonst hat Gordon eigentlich nicht viel falsch gemacht.

Tipp: Besonders reizvoll ist der Film im Originalton. Nicht nur wegen der höheren Authentizität der amerikanischen Schauspieler, sondern auch, weil die italienischen Mimen ihre Landessprache sprechen und diese Dialoge nicht untertitelt sind. So hat man eher die Möglichkeit, nachzuvollziehen, wie das von den Einheimischen Gesprochene auf John wirkt und es wird insgesamt einfach glaubwürdiger.

"Castle Freak" ist zwar kein bahnbrechendes Meisterwerk, aber ein unterhaltsames Horrorfilmchen mit Splattereinlagen, das sich bestens für einen Popcorn-und Bierchen-Filmabend im Kreis gleichgesinnter Genrefreunde eignet.
Lohnenswert ist die englische Blu-Ray, die im Frühjahr 2014 in sehr guter Qualität erschienen ist.




Foto: Blu Ray von "88 Films"



Sonntag, 4. Januar 2015

AFYON OPPIO (1972)














THE OPIUM CONNECTION
Frankreich, Italien 1972
Regie: Ferdinando Baldi
DarstellerInnen: Ben Gazzara, José Greci, Malisa Longo, Silvia Monti, Fausto Tozzi, Luciano Catenacci, Luciano Rossi, Corrado Gaipa, Romano Puppo, Bruno Corazzari, Omero Capanna u.a.


Inhalt:
Joseph Coppola, ein Amerikaner mit italienischen Wurzeln, zieht sich aus dem Nachtclub-Business zurück, um sich fortan großen Deals im Drogenmilieu zu widmen. Schnell begreift er, dass in diesem Geschäftsfeld nichts ohne Kontakte läuft. Mit seinem Assistenten Tony reist er zuerst nach Istanbul. Vor Ort knüpft er Kontakte mit einem Opium-Hersteller, der ihm hilft, die Ware nach Sizilien zu schmuggeln.
In Italien erbittet Coppola Protektion vom Mafia Oberhaupt Don Calogero, der ihm verspricht, die Ware sicher nach New York zu verschiffen. Bald zeigt sich, dass Coppola niemandem trauen darf und allen Feinden und Neidern immer einen Schritt voraus sein muss, um den großen Drogendeal nicht mit seinem Leben zu bezahlen...


Opium auf dem Feld


Don Calogero (Gaipa) und Joseph (Gazzara)


Regisseur Ferdinando Baldi, der neben dem superben Genre-Klassiker "Blindman, der Vollstrecker" einige andere sehenswerte Italowestern auf die große Leinwand gezaubert hat, widmete sich im Jahr 1972 mit "The Opium Connection" intensiv der Mafia Historie.

Wir verfolgen den mühsamen Weg Joseph Coppolas (Ben Gazzara) vom kleinen Fisch zum großen Hecht (was sein Verhältnis zu Frauen betrifft wäre der Begriff "Hengst" passender) im Drogengeschäft.
Offenbar stand für die Produktion etwas mehr Geld zur Verfügung als in Anbetracht der Entstehungszeit und des Genres üblich. Gefilmt wurde neben Istanbul, Kappadokien und Sizilien auch in New York City.
"Klotzen, nicht kleckern" lautete wohl die Devise Baldis. Das ist zugleich auch das Motto des Hauptprotagonisten Coppola, der im großen Stil Opium kauft und dieses später in James Bond Manier vom Transportschiff klaut.

Neben einem Einblick in mafiöse Strukturen, undurchsichtige hinterlistige Machenschaften und hierarchische Verhältnisse innerhalb der Onorata Società erfährt man in "The Opium Connection" Details über die Herstellung und Verarbeitung von Mohn zu Opium und letztendlich zur hochwirksamen Droge Heroin.
Der ganze Prozess ist mitunter leider ein bisschen zäh inszeniert und manche Charaktere (beispielsweise der türkische Inspektor, der Coppola genaustens beobachtet) verlaufen ins Leere oder wirken befremdlich unmotiviert.
Die famos inszenierten Gewaltszenen und die Darstellung subtiler und offensichtlicher Bedrohung von konkurrierenden Mafiosi wären bei einer etwas strafferen Inszenierung sicherlich aussagekräftiger gewesen. Hätte sich Baldi doch ein Beispiel an Fernando Di Leo nehmen können...

Glücklicherweise tut dies der Unterhaltung aber keinen besonders nachteiligen Abbruch.
Zu meiner Verzückung und Entschädigung für den ein oder anderen Leerlauf geben sich aber scharenweise populäre und legendäre DarstellerInnen des italienischen Genrekinos der Siebziger die Ehre.
Wer freut sich nicht über ein Wiedersehen mit Malisa Longo ("Der Clan der Killer"), Silvia Monti ("Una lucertola con la pelle di donna"), Corrado Gaipa (der schmierige Anwalt aus "Das Syndikat" gibt hier den großen Mafiaboss Don Calogero), Omero Capanna (der als der Taubenspucker in "Milano Kaliber 9" in die Filmgeschichte einging), Luciano Rossi (der sadistische Hans Krutzer in "La morte accarezza a mezzanotte"), Romano Puppo (der Amokläufer von Mailand in "Racket"), Bruno Corazzari (wirkte in 63 Filmen mit, u.a. als dubioser Rotzkopf in "Der Mann ohne Gedächtnis") oder Luciano Catenacci (der glatzköpfige Bürgermeister in "Die toten Augen des Dr. Dracula")?
Bei dieser Besetzung würde ich mich von keinem Genre abschrecken lassen. Nicht einmal von einer seichten Liebeskomödie. Oder vielleicht doch? Egal.

"The Opium Connection" hat neben einem ernsten und realitätsnahen Grundtenor auch Originelles zu bieten.
Neben dem sehr eigentümlichen Soundtrack der De Angelis Brüder (nicht der Prog-Rock, sondern die undefinierbare Musik, die mit männlichem Grunzen oder Stöhnen unterlegt wurde) delektiert man sich an Absonderlichem (z.B. die Sahne-Szene...) und Amüsantem (z.B. die Mafiosi aus Marseille, die lieber eine französische Sauce gehabt hätten...).

Baldi zeigt dem geneigten Publikum auf realistische und zugleich dennoch leicht naive Weise den Werdegang (Aufstieg oder Untergang?) des Joseph Coppola.
Dieser ergötzliche Mafia-Film ist auf jeden Fall mehr als einen Blick wert und hätte definitiv eine Veröffentlichung verdient!



Freitag, 2. Januar 2015

LUCA IL CONTRABBANDIERE (1980)














DAS SYNDIKAT DES GRAUENS
Italien 1980
Regie: Lucio Fulci
DarstellerInnen: Fabio Testi, Ivana Monti, Guido Alberti, Venantino Venantini, Ofelia Meyer, Saverio Marconi, Salvatore Billa, Romano Puppo, Luciano Rossi, Nello Pazzafini u.a.


Inhalt:
Luca und sein Bruder Michele gehören einem neapolitanischen Zigarettenschmugglerring an.
Als sie bei der Abholung einer Lieferung plötzlich von der Zollwache verfolgt werden, dämmert ihnen, dass es in ihrem direkten Umfeld einen Verräter geben muss.
Michele hat bereits einen Verdacht und wendet sich damit an den Nachtclubbesitzer und Schmuggler Perlante. Kurz darauf wird Michele im Beisein seines Bruders Luca auf offener Straße hingerichtet.
Luca, der sich an den Verantwortlichen für den grausamen Mord an seinem geliebten Bruder rächen möchte, findet heraus, dass es sich bei den Übeltätern um Konkurrenten handelt, aber auf einem ganz anderen Gebiet: dem "Mann aus Marseille" geht es um Drogenhandel im großen Stil und es gibt keine brutale Methode, die er nicht kennt.
Eine Nummer zu groß für Luca?


Abschied für immer? Luca und seine Frau


Der charismatische Perlante


Verantwortlich für "Das Syndikat des Grauens" ist niemand Anderer als der umstrittene exzentrische italienische Regisseur Lucio Fulci, verrufen wegen seiner Neigung zum Morbiden, zu Gewaltexzessen und seinem angeblichen Hass auf männliche Schauspieler (hartnäckigen Gerüchten zufolge soll seine Frau ihn für einen Mimen verlassen haben).

Fulcis Hang zum Extremen hat der Maestro mit seinen Horror-Klassikern "Woodoo - Schreckensinsel der Zombies", "Über dem Jenseits", "Ein Zombie hing am Glockenseil" und "Haus an der Friedhofmauer" (von manchen Kollegen auch "Die vier Evangelien des Fulci" genannt) unter Beweis gestellt. Jeder, der seine Filme kennt, weiß, dass der gute Mann nicht nur Effekte mit viel Blut, sondern auch Nahaufnahmen von Verstümmelungen und Wunden besonders schätzte.

Fulci, der sowohl für Gialli der höchsten Güteklasse ("Non si sevizia un paperino", "Una lucertola con la pelle di donna") als auch den herausragenden Spät-Italowestern "Verdammt zu leben, verdammt zu sterben" verantwortlich war, hat mit "Das Syndikat des Grauens" einen Exploitation-Poliziottesco nach bewährter Manier geschaffen.
Mit einer Einschränkung allerdings: der Film fällt eher in die Kategorie "nicht zu empfehlen für Zartbesaitete". Ein radikaler Fulci-Film eben. Einige Szenen sind etwas härter und brutaler als man es sich gemeinhin vom Genre erwartet.

Es handelt sich bei "Das Syndikat des Grauens" um ein Spätwerk (1980), genauer gesagt um einen der letzten wichtigen Vertreter des italienischen Polizei- bzw. Mafiafilms, bevor das Genre mehr und mehr verflachte und schließlich ganz in den Sümpfen des Zelluloid-Friedhofs versank.

"Das Syndikat des Grauens" wirkt beinahe so, als ob sich alle Genre-Schauspieler (das "Who is Who" des italienischen Polizeifilms) noch einmal zu einem letzten großen Treffen versammelt hätten.
Die Besetzungsliste spricht für sich - Fabio Testi in der Hauptrolle, zahlreiche "prominente Schurken" wie Romano Puppo, Nello Pazzafini, Luciano Rossi, Guido Alberti -um nur einige wenige zu nennen- waren ebenfalls mit von der Partie.

Die Geschichte um den Schmuggler Luca, der nach dem Mord an seinem Bruder zum verzweifelten Einzelkämpfer mutiert, bietet nicht nur actionreiche Unterhaltung, sondern auch inhaltlich realitätsnahe Aspekte.
Manche Zigarettenschmuggler in Neapel, deren Organisation eher familiären Charakter hatte, waren tatsächlich gegen illegale Rauschmittel und verweigerten den Drogenbaronen die Zusammenarbeit.
(Anmerkung: Gerüchten zufolge sollen Schmuggler nach dem Tod des Produzenten sogar einen finanziellen Beitrag zur Fertigstellung des Films geleistet haben.)

Einige Szenen in "Das Syndikat des Grauens" sind wirklich herausragend, wie zum Beispiel die Anfangssequenz, in der sich Testi und Co. eine wilde Boot-Verfolgungsjagd mit der Zollwache liefern.
Die Inszenierung des Begräbnisses von Michele auf dem Wasser, für das sich alle in der Organisation wichtigen Männer und deren engste Angehörige versammelt haben und Blumenkränze ins Wasser gleiten lassen, ist wahrlich eindrucksvoll.
Einen weiteren Pluspunkte sammelt dieser storytechnisch ausgeklügelte Mafia-Thriller klarerweise durch die überraschende Wendung am Ende, die sich zwar schon durch kurze Einblendungen während der gesamten Laufzeit langsam ankündigt, aber dennoch unvorhersehbar und dafür umso wirkungsvoller ist.

Alles in allem ist "Das Syndikat des Grauens" ein Film, der in das obere Drittel der Qualitäts-Klassifizierung des Genres gehört, aber zu stark in die Exploitation-Schiene abrutscht, als dass er sich mit einem "Das Syndikat" oder einem "Milano Kaliber 9" messen könnte.
Dennoch handelt es sich hierbei um einen der wirklich sehenswerten Poliziotteschi.




Foto: XT und Blue Underground VÖ