Sonntag, 30. Juni 2019

PERCHE' QUELLE STRANE GOCCE DI SANGUE SUL CORPO DI JENNIFER? (1972)














DAS GEHEIMNIS DER BLUTIGEN LILIE

Italien 1972
Regie: Giuliano Carnimeo
DarstellerInnen: Edwige Fenech, George Hilton, Paola Quattrini, Giampiero Albertini, Franco Agostini, George Rigaud u.a.

Inhalt:
In einem Hochaus werden nach und nach Mieterinnen ermordet. Alles deutet auf einen Serienkiller hin. Kommissar Encis Ermittlungen gestalten sich als mühsam bis er Hilfe von dem Fotomodell Jennifer erhält...


Architekt Andrea (Hilton)


Verängstigte Jennifer (Fenech)


Wenn es draußen lange hell ist und sommerliche Temperaturen herrschen, ist im Schattenlichter-Heimkino eher etwas weniger Betrieb. Es gibt Filme, die ich nie im Sommer ansehen würde – zum Beispiel "Die drei Gesichter der Furcht", "Wenn die Gondeln Trauer tragen", oder klassische Winter-Filme wie "The Shining" und "Leichen pflastern seinen Weg".
Tierhorror und Filme, die auf Inseln oder generell im Sommer spielen sind bei uns hingegen zwischen Juni und Oktober meist ganz hoch im Kurs. Und natürlich Thriller aus Italien.
Besonders die Kategorie von Giallo, die in brütend heißen Metropolen spielt oder diverse Urlaubsdestinationen auf vergnügliche Weise schön in Szene setzt.

Empfehlen kann man "Das Geheimnis der blutigen Lilie" freilich nur hart gesottenen Genre-FreundInnen. Für gut gelaunte Gemüter, die sich cineastisch gerne auch mal sanft auf den Wogen der Trivialität hin und her wiegen lassen, braucht es kein schlüssiges Drehbuch oder eine besonders aufwändige Inszenierung.
Jedem und jeder, der gerne der attraktiven Edwige Fenech dabei zusieht, wie sie sich nackt auf dem Boden liegend mit Lilien bewerfen lässt, mit Body Painting Trikot auf einem Motorrad herumrutscht oder sich mit George Hilton auf einem flauschigen Teppich räkelt, wird Carnimeos frivoles Filmchen Freude bereiten.
Wirr, bizarr, überdreht und äußerst kurzweilig ist dieser Giallo von Italowestern Regisseur Carnimeo. So als hätte er "A lizard in a woman's skin", "Der Killer von Wien" und einige andere Gialli gesehen und sich gedacht "so mache ich das auch". Allerdings auf eine etwas weniger stilvollere Art als die genannten Filme. Manche Szenen wie zum Beispiel der erotische Kampf-Tanz (oder wie auch immer man das nennen will) des schwarzen Models wirken etwas deplatziert bis unsinnig und sind handlungstechnisch absolut entbehrlich. Aber um eine schlüssige Geschichte geht es in "Das Geheimnis der blutigen Lilie" auch nicht.


Giallo Schönheit Fenech und die Blumen


Giallo Königin Edwige spielt die etwas zu vertrauensselige Jennifer, die sich vom Architekten Andrea (gespielt von George Hilton) nach dem Mord an einer Model-Kollegin beschwatzen lässt, in deren Wohnung einzuziehen. Ähnlich wie in den Filmen von Sergio Martino (dessen Bruder Luciano hier als Produzent fungierte) spielt Fenech wieder mal eine Frau, die sich sehr schutzbedürftig gibt und relativ wenig Eigeninitiative zeigt.
Im Gegensatz zu den meist selbstbewussten, unabhängigen Charakteren, wie sie von Susan Scott (z.B. als wehrhafte Valentina in "La morte accarezza a mezzanotte") gespielt werden oder den Femme fatale-Rollen, die Rosalba Neri (z.B. in "Amuck") auf den Leib geschneidert wurden, wirkt Edwige in der Regel eher passiv. Auch wenn sie in "Das Geheimnis der blutigen Lilie" einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Morde leistet, ist sie dennoch immer sehr auf fremde Hilfe angewiesen. Sie war mehr im traditionellen Rollenbild verhaftet, was natürlich das männliche Publikum ansprechen sollte.

Doch zurück zu Fenech. Auch wenn man sie in ihren Rollen zunächst etwas unterschätzt, tut sie dennoch meist das Richtige und sucht sich hilfreiche Verbündete. In "Das Geheimnis..." findet sie die lebensrettende Unterstützung in Kommissar Enci, der von Giampiero Albertini ("Sieben goldene Männer", "Gangster sterben zweimal") gespielt wird.
Der etwas gedrungene Kerl mit seinen treuherzigen Froschaugen verkörpert einen absolut verschrobenen Polizisten, der sich bisweilen lieber mit seiner Briefmarkensammlung beschäftigt als mit den aktuellen Mordfällen.
Aber skurril sind in diesem Film alle Akteure. Auch Jennifers Freundin Marilyn (gespielt von Paola Quattrini), die sich benimmt als wäre sie geistig im Alter von 12 stecken geblieben, ist eine Nummer für sich.
Und dann wäre da noch Jennifers stalkender (Ex-)Gatte, der anscheinend der Guru einer Hippie-Sex-Sekte ist und gerne mit Blumen wirft, die alte Nachbarin, die beim Kiosk um die Ecke Fumetti Neri und Sexheftchen kauft und ihren entstellten Sohn versteckt, der dubiose Architekt Andrea, der beim Anblick von Blut beinahe aus den Latschen kippt, der senile ältere Herr, der ständig Violine spielt oder der Fotograf, der jedes üble Homosexuellen Klischee erfüllt. Niemandem kann und darf man in diesem Fall über den Weg trauen.

Dieser Giallo besteht aus einer Aneinanderreihung kreativer verrückter Ideen, die nicht alle Sinn ergeben, ähnlich wie der Filmtitel im Original. Dennoch lassen die exzentrischen Charaktere und die schrullige Geschichte sich doch zu einer unterhaltsamen und belustigenden Erzählung vermengen.
Am besten, man fängt gar nicht erst an, sich Gedanken über eine mögliche Auflösung der Morde zu machen, sondern lässt sich verzücken vom Ideenreichtum und dem wunderbaren Easy Listening Soundtrack Bruno Nicolais.
"Das Geheimnis der blutigen Lilie" ist Terza Visione Kino vom Feinsten und bringt vermutlich auch Außentemperatur Resistente zum Dahinschmelzen.




Foto: X-Rated und Anchor Bay Veröffentlichungen




Foto: Blu Ray von Shameless



Sonntag, 16. Juni 2019

LE FOTO PROIBITE DI UNA SIGNORA PER BENE (1970)














FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT

Italien, Spanien 1970
Regie: Luciano Ercoli
DarstellerInnen: Dagmar Lassander, Pier Paolo Capponi, Nieves Navarro (aka Susan Scott), Simón Andreu u.a.

Inhalt:
Minou versucht ihren Gatten (reicher Geschäftsmann) vor dem Gefängnis zu bewahren, indem sie sich auf die Erpressung durch einen mysteriösen Fremden einlässt und tappt dabei selbst in eine Falle. Doch als sie erkennt, dass sie hinters Licht geführt wurde, kann sie es nicht beweisen. Weder ihr Mann noch ihre beste Freundin und nicht einmal die Polizei schenken ihr Glauben. Nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben sind in Gefahr...


Minou (Lassander) im Zwielicht


Lebefrau Dominique (Scott)


Die schöne und sympathische Minou (Dagmar Lassander, u.a. bekannt aus "Femina Ridens" oder "Sonne, Sand und heiße Schenkel") hat leider ein Problem. Sie ist nicht gerade das, was man als eine selbstbewusste, stabile Persönlichkeit bezeichnen könnte.
Der kontinuierliche Missbrauch von Beruhigungsmitteln in Kombination mit hochprozentigen Alkoholika ist außerdem ihrer allgemeinen Verfassung sowie ihrer psychischen Gesundheit nicht zuträglich. Den mit jedem erneuten Konsum von Rauschmitteln unweigerlich verknüpften Vorsatz, dieses Mal wirklich mit allem aufzuhören (nicht um ihrer selbst willen, sondern um ihrem Gatten eine Freude zu machen!), wirft sie alle paar Minuten kurzerhand wieder über Bord.
Generell wirkt die arme Minou sehr beeinflussbar und vor allen Dingen abhängig – nicht nur von Substanzen, sondern auch von der Aufmerksamkeit und Zuneigung ihres oft abwesenden Mannes Pier und ihrer Freundin Dominique.
Ihre Dependenzen und ihre Unselbständigkeit machen die gutgläubige Minou besonders vulnerabel. Aus diesem Grund wird sie auch zum perfekten Opfer des perversen Erpressers. Wie es das grausame Schicksal so will, passiert dies gerade in dem Moment, als sie endlich einmal etwas selbst in die Hand nehmen möchte und glaubt, ihren Angetrauten heldinnenhaft vor einem üblen Erpresser zu retten.

Die Rolle der labilen Minou ist nicht nur mit viel Feingefühl und Verständnis für den Charakter der Protagonistin konzipiert, sondern auch mit einer erstaunlichen Eleganz und Leichtigkeit von Dagmar Lassander gespielt. Dieser wahrlich großartigen Schauspielerin gelingt es, die gutgläubige Minou trotz ihrer vermeintlichen Schwächen so darzustellen, dass man gerne Anteil nimmt an dem Schicksal dieser Frau.
Trotz schlimmer Erlebnisse kippt sie nie in diese schier unerträgliche und überzogene Form schriller weiblicher Hysterie, mit der viele Filmemacher früher sehr unreflektiert und klischeehaft arbeiteten.
Das Rollenverständnis und das Talent von Dagmar Lassander ist meiner Meinung nach einer der großen Pluspunkte dieses Thrillers.

Während sich der chronisch überarbeitete und anderweitig beschäftigte Ehemann Pier (Pier Paolo Capponi, u.a. "Note 7 - Die Jungen der Gewalt" und "Das Rätsel des silbernen Halbmonds") gerne etwas aus der Affäre zieht und durch (emotionale und tatsächliche) Abwesenheit glänzt, steht Minou vor allem ihre selbstbewusste Freundin Dominique zur Seite. Letztere wird gespielt von der wie immer erfrischend temperamentvollen und charakterstarken Susan Scott. Dominique kostet das Leben und ihre Sexualität in vollen Zügen aus und scheint tendenziell in erster Linie hedonistischen Prinzipien zu folgen.
Sie wartet nicht wie Minou auf ihren Beschützer, der für sie "Ehemann, Freund und Vater" (Minou über ihren Mann) in Personalunion verkörpert. Dominique nimmt sich, wen sie will und wann sie will. Sie lässt sich nichts vormachen und hat zu allem eine eigene Meinung.
Diese beiden ungleichen Frauen verbindet dennoch eine enge und liebevolle Freundschaft. Doch wird diese auch hart auf die Probe gestellt, als Minou merkt, dass ihre engste Vertraute sich bisweilen nicht so deutlich bei ihr positioniert, wie es notwendig wäre.

Die Rolle der Dominique ist neben anderen etwas dubios erscheinenden Personen als roter Hering angelegt. Ebenso wie die Figur des Ehemanns, der einerseits ja tatsächlich - wie vom Erpresser behauptet - ein Mörder sein könnte, andererseits nicht in angemessener Form beunruhigt wirkt über die Schilderungen seiner Frau.
Das Motiv des Erpressers (gespielt von Simón Andreu), der Minou zu sexuellen Handlungen zwingt und zuerst ihre Würde, dann ihr Leben bedroht, bleibt ebenfalls bis zum Ende nebulös.
Dadurch entwickelt sich die spannendste Dynamik bei Minou selbst – sie wird zum Opfer ihrer eigenen psychischen Instabilität und steht vor allen anderen als unglaubwürdig da. Dies führt sogar so weit, dass selbst beim Zuschauer oder der Zuschauerin ab und an Zweifel an gewissen Wahrnehmungen Minous aufflammen.
Man fragt sich, ob die Protagonistin gerade ihren Verstand verliert oder zum Spielball in einem besonders perfiden Plan eines unbekannten Täters geworden ist.

Das Spiel mit der Wahrnehmung, Verzerrungen und das Phänomen des sogenannten "unzuverlässigen Erzählers/der unzuverlässigen Erzählerin" ist ein klassisches Motiv in vielen Gialli. Dadurch, dass gezielt Indizien für eine geistige Störung der Protagonistin angedeutet werden und diese Person oft die einzige ist, die gewisse Erlebnisse schildert, entsteht die Unsicherheit, ob eventuell eine paranoide Wirklichkeitsverzerrung die Ursache von den mysteriösen Vorkommnissen ist oder ob jemand gerade absichtlich in den Wahnsinn getrieben wird. Beispielhaft hierfür sind Genrefilme wie "A lizard in a woman's skin", "Der Killer von Wien" oder "Die Grotte der vergessenen Leichen".

Wer das Giallo Genre ausschließlich mit schwarzen Handschuhen und blutbesudelten Rasierklingen verbindet, ist mit "Le foto proibite..." eindeutig falsch beraten.


Zeit für einen Drink!


Wer italienische Thriller mit viel Stil, Eleganz und offen zur Schau gestellter Lasterhaftigkeit der High Society zu schätzen weiß, muss diesen Film einfach in sein Herz schließen.
Minou, Dominique und Pier hangeln sich von einem Whiskey zum nächsten. Das Einzige, was in diesem Film absolut vorhersehbar ist, sind die jeweils folgenden Drinks. Jede neue Szene scheint begossen werden zu müssen, es finden sich erstaunlich viele Anlässe, um sich ein Gläschen zu genehmigen. Dies wirkt herrlich belustigend und so typisch für die damalige Zeit.
Extravagante Kleidung und 70er Jahre und eine Inneneinrichtung wie aus einem Designerkatalog vervollständigen die beinahe karikaturistische Darstellung des gesellschaftlichen Besitzbürgertums.
Der wunderbare Easy Listening Soundtrack von Maestro Ennio Morricone unterstreicht das Lebensgefühl der Reichen und Schönen und suggeriert trotz an sich schwerer Thematik eine gewisse Lockerheit und Leichtigkeit.

Fazit: Luciano Ercoli vermochte es, bereits bei seinem Erstlingswerk beim geneigten Publikum einen wunderbares cineastisches Flow-Erlebnis zu erzeugen. Die etwas triviale Auflösung am Ende, die sich in bester Giallo Tradition befindet, gerät dabei eher ins Hintertreffen. Die Lösung des Rätsels driftet dabei in die Marginalität, denn "Der Weg ist das Ziel".
Habe ich schon mal geschrieben, dass ich fast alle Regiearbeiten Luciano Ercolis liebe? Ja, es ist so.




Foto: Blue Underground DVD, Camera Obscura DVD



Arrow Blu Ray aus U.K.

Foto: Vinyl Soundtrack von Dagored



Sonntag, 2. Juni 2019

ROSSO SANGUE (1981)














ABSURD
ANTROPOPHAGUS II (Alternativtitel)

Italien 1981
Regie: Joe D'Amato
DarstellerInnen: George Eastman, Annie Belle, Charles Borromel, Katya Berger, Kasimir Berger, Hanja Kochansky, Ian Danby, Michele Soavi u.a.

Inhalt:
Ein hünenhafter Grieche, der von einem Priester verfolgt wird, terrorisiert und meuchelt auf grausame Art jeden, der ihm über den Weg läuft. Er selbst scheint unverwundbar zu sein. Was stimmt nicht mit ihm und wie kann er gestoppt werden?


George Eastmans Grimassen-Spiel


Katia (Katya Berger) ist ans Bett gefesselt


Als ausgesprochen amüsant entpuppen sich meist die Filme, bei denen die Inhaltsangabe mit drei Sätzen auskommt. Vorausgesetzt natürlich, dass man sich für diese thematische Bescheidenheit in der richtigen Stimmung befindet.
"Absurd" ist allerdings mit Vorsicht zu Genießen, denn zu fortgeschrittener Stunde könnte er etwas ermüdend wirken. So ging es mir zumindest beim ersten Versuch, mir dieses wahrlich absurde (ja, der Name ist Programm!), dreckige Splatter-Kleinod zu Gemüte zu führen. Schon bei den ersten Zirkel-Kreisen, die die kleine Katia zeichnet, wurden meine Augenlider bereits etwas träge.
Der Film hat vor allem bevor die Splatter-Orgie so richtig losgeht, etwas Hypnotisches. Der eingängige Synthie Soundtrack wirkt ebenfalls dezent hypnagogisch. Sollte ich mal Probleme mit dem Einschlafen bekommen, könnte sich diese schöne Melodie vermutlich als förderlich erweisen.

In etwas munterer Verfassung entpuppt sich "Absurd" als abgründiger Exploitationfilm, der unverkennbar die krakelig-schmierige künstlerische Handschrift Joe D'Amatos ("Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf", "Man-Eater") trägt.
George Eastman, der den großen grausamen Griechen Mikos Stenopolis verkörpert, gefällt mir in "Absurd" sogar besser als in "Man-Eater". Vielleicht deshalb, weil es manchmal vorteilhafter ist, gar kein Make-Up einzusetzen als mit eher schlecht fixierten Gummi Applikationen im Gesicht sein Unwesen zu treiben. Natürlich ist der Vorgänger-Film das beliebtere, gemeinhin auch als Klassiker deklarierte Splatter-Opus. Dennoch bin ich der Meinung, dass "Man-Eater" im Vergleich nicht so gut gealtert ist und die mittlerweile verfügbare Top-Bildqualität den Effekten eher wenig zuträglich ist.

Sehr gut funktioniert bei "Absurd" die Konstellation der ProtagonistInnen. Dadurch, dass sich die potentiell gefährdeten Hauptpersonen alle in einer Villa befinden und die arme Katia aufgrund einer Verletzung auch noch ans Bett gefesselt ist, baut sich spätestens als der beeindruckend große und komplett irre Mikos sich Zugang zu dem Haus der Familie Bennet verschafft, eine dem Film sehr zuträgliche Spannung auf.
Auch die Tatsache, dass beinahe alle halbwegs sympathisch wirken, ist dem Unterhaltungsfaktor zuträglich. Der jüngste Spross der Familie (Kasimir Berger) ist zwar augenscheinlich ein erbärmlicher Schauspieler, doch sorgen seine Zornausbrüche und sein angestrengtes Mimik-Spiel sowohl für Stirnrunzeln als auch Schmunzeln.
Vergleichbare Reaktionen ruft auch das Drehbuch, das Hauptdarsteller George Eastman selbst verfasst hat, hervor. Ein Priester, der Menschen-Experimente gemacht hat und dessen "Versuchskaninchen" Mikos bei einem nuklearen Test aus den Fängen des Frankenstein-Pfarrers fliehen konnte? So eine Geschichte sucht ihresgleichen! Diese kreative Waghalsigkeit muss an dieser Stelle auch mal lobend erwähnt werden.


Amerikanische Inneneinrichtung?


Selten wurde Amerika in einem Film italienischer dargestellt. Abgesehen davon, dass weder die Kleidung noch die Menschen, die darin stecken, irgendwie nach authentischen Einwohnerinnen der Vereinigten Staaten aussehen, sind auch die zur Schau gestellten Sitten herrlich unamerikanisch.
Zum abendlichen gemeinsamen Football Spiel gucken werden statt Burgern "Spaghetti all'italiana" kredenzt. Bei Familie Bennet stehen mittelalterliche Ritter-Rüstungen als Deko im Haus und überhaupt erinnert das gesamte Interieur mehr an ein europäisches Heimatkunde Museum denn als an ein Familiendomizil in den USA.

Ungemein wichtig für die Effektivität des Gesamtwerks sind neben Eastmans imposantem Erscheinungsbild und seiner exzessiven Grimassen-Performance selbstverständlich die drastischen Gewalt- bzw. Splatterszenen. Letztere sind so geschmacklos, dass sie die in Deutschland allseits beliebte Bundesprüfstelle veranlassten, "Absurd" bis zum heutigen Tag auf die Liste der beschlagnahmten Filme zu setzen. (Ein Schelm, wer denkt, dies könnte bei einem Genrefilm mit dem Prädikat "sehenswert" gleichgesetzt werden...)
Glücklicherweise wurde im Zuge einer lobenswerten Crowdfunding Aktion von 88 Films in England nun erstmalig eine Blu Ray auf den Markt gebracht, bei der man sämtliche Frivolitäten der Maskenbildner mittels gestochen scharfem Bild bestaunen kann.
In bester Joe D'Amato-Tradition vergrößert sich der kleine Klumpen, der sich während der Operationsszene am Anfang des Films im Hals manifestiert, mithilfe weiterer ekelerregender Effekte bis zum bitteren Ende zu einem ordentlichen Kloß, an dem so leicht kein Popcorn mehr vorbeirutscht.

Zugegeben ist "Absurd" nicht unbedingt Joe D'Amatos bester Film.
Doch wer ein Faible für Exploitationkino hegt und hartgesotten genug ist, sich ab und an besondere Widerwärtigkeiten zu Gemüte zu führen, wird trotz der anfangs etwas holprigen, gedehnten Handlung spätestens im letzten Drittel des Films bestimmt auf seine Kosten kommen. Eine Tendenz zu leicht morbidem Humor kann selbstverständlich auch förderlich sein.




Foto: DVDs von Laser Paradise, Astro und XT Video 




Foto: Die schöne BD von 88 Films aus England