Samstag, 28. Februar 2015

L'ALDILA'... E TU VIVRAI NEL TERRORE! (1981)














ÜBER DEM JENSEITS
DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES (Alternativtitel)
Italien 1981
Regie: Lucio Fulci
DarstellerInnen: Catriona McColl, David Warbeck, Cinzia Monreale, Antoine Saint-John, Veronica Lazar, Al Cliver, Maria Pia Marsala u.a.


Inhalt:
Der Maler Schweick, der sich in Zimmer 36 eines Hotels niedergelassen hat, wird von ein paar fackelschwingenden Dörflern der Hexerei bezichtigt, gefoltert und auf grausame Weise ermordet.
50 Jahre später.
Die New Yorkerin Liza zieht nach New Orleans, wo sie ein altes Hotel geerbt hat. Ihr Plan ist es, die Villa zu renovieren und die Herberge wieder zu eröffnen. Bereits während der Renovierungsarbeiten geschehen Unfälle und unerklärliche Phänomene. Alsbald wird Liza von einer mysteriösen blinden jungen Dame namens Emily vor dem Verbleib im Hotel gewarnt und inständig gebeten, wieder wegzuziehen.
Der Arzt John versucht der zunehmend verwirrten Liza zur Seite zu stehen und die Vorkommnisse rational zu erklären. Ein fataler Fehler...


Liza und ihre suspekte Haushälterin im Keller


Das einladende Hotel


"Über dem Jenseits" ist wohl atmosphärisch der herausragendste Film der "Gates of Hell-Trilogie" rund um das Buch Eibon und die Tore zur Hölle (hierzu gehören des Weiteren "Ein Zombie hing am Glockenseil" und "Das Haus an der Friedhofmauer").
Lucio Fulci erweckt in diesem Werk nicht annähernd den Anschein, tatsächlich eine kohärente Geschichte erzählen zu wollen. Vielmehr erscheint die Szenenabfolge bei "Über dem Jenseits" wie eine Aneinanderreihung alptraumhafter, mystischer und ekelerregender Szenen. Die Gesetzmäßigkeiten der Realität werden aus den Angeln gehoben und unsere Hauptcharaktere befinden sich in einem nie enden wollenden Nachtmahr der übelsten Sorte.

Genau dafür wird der kreative Filmemacher bei seinen treuen (Splatter-)Fans auch geschätzt. Für die unheilvollen Bilder, die erschreckend und manchmal malerisch erscheinen. Für den Eindruck einer nahenden Apokalypse, die uns der Film vermittelt.
Leider hat sich meines Erachtens auch der ein oder andere zu gut gemeinte Gore-Effekt in die Gesamtkomposition eingenistet wie eine Made im Speck. Einige der Szenen, wie zum Beispiel die deutlich erkennbaren unbeweglichen Fake-Vogelspinnen, die neben den echten „herlaufen“ und so dezent deplatziert wirken, die Hunde-Szene und die ein oder andere Wachsmaske wirken etwas zu hastig improvisiert.
Natürlich finden sich genug andere SFX, die dafür entschädigen. Doch leider büßt die schön-schauerliche Atmosphäre dadurch ein Quäntchen ihres Reizes ein. Etwas weniger wäre hier doch mehr gewesen.

Improvisation war aufgrund des niedrigen Budgets und der zeitlichen Knappheit wohl an allen Ecken und Enden nötig.
Da nicht genügend Statisten für die "Höllen-Szene" vorhanden waren, engagierte man kurzerhand einige Obdachlose von der Straße, die herumliegende Leichen mimen sollten. Um sie ruhig zu halten, sei vom Produktionsleiter großzügig Fusel an die Männer verteilt worden.
So zumindest berichtete einst der sympathische, leider recht jung verstorbene David Warbeck in einem Interview mit der Zeitschrift "Fangoria".

Seit "Die sieben schwarzen Noten" hatte Fulci sein gut eingespieltes Team kaum mehr verändert. Auch dieses Mal setzte er auf altbewährte kreative Wegbegleiter wie Kameramann Sergio Stivaletti (u.a. "Das Syndikat des Grauens", "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies"), FX-Meister Giannetto De Rossi und Fließband-Drehbuchautor Dardano Sacchetti.
Letzterer hat das Drehbuch, das auf einer seiner Kurzgeschichten basiert, zwar begonnen, aber aufgrund eines ihm damals wichtiger erscheinenden Engagements und seiner abrupten Abreise nicht vollendet.
Fulci fühlte sich von ihm im Stich gelassen und habe ihm, laut Aussage Sacchettis, diese Aktion nie ganz verzeihen können. Das Drehbuch sei dann vom Regisseur selbst vollendet worden.

Über ein Wiedersehen mit der charismatischen Catriona MacColl ("Ein Zombie hing am Glockenseil") als Liza und dem sympathischen Neuseeländer David Warbeck ("Draculas Hexenjagd") darf man sich ebenso freuen wie über den Auftritt von Al Cliver (die "Rothaut" in "Woodoo") als Arzt und den mit hohem Wiedererkennungswert ausgestatteten Gianpaolo Saccarola (der eigenartige Bibliothekar in "Das Haus an der Friedhofmauer").

Die vernachlässigbaren technischen Ausrutscher (die prinzipiell nicht nur negativ gesehen können werden, da sie dem Film eine schrullige Liebenswertigkeit verleihen) werden ausgebügelt durch einen der besten Horrorfilmsoundtracks aller Zeiten aus der Feder von Fabio Frizzi.
Eine Melodie für die Ewigkeit.

"And you will face the sea of darkness and all therein may be explored."


Eine der Lieblingsdiskussionen in diversen Internetforen ist, ob "Über dem Jenseits" oder "Ein Zombie hing am Glockenseil" der bessere Film ist.
Ich kann und möchte mich an dieser Stelle gar nicht entscheiden und bekenne, dass ich alle Filme der "Gates of Hell-Trilogie" verehre und je nach Stimmung mal den einen, mal den anderen favorisiere.
Tipp: die englische Synchronisation erhöht auch hier den Düsterkeits-Faktor.

Tritt auch du ein in Zimmer 36, aus dem es keine Wiederkehr gibt!




Foto: Astro (links unten), NoShame IT, XT Hartbox, Arrow BD, XT Mediabook BD




Foto: Ausgabe von "Creepy Images", die den italienischen Aushangsatz beinhaltet




Foto: Vinyl-Soundtrack vom Label "Mondo" mit wunderschönem Gatefold





Foto: OST von Beat Records (CD)