Donnerstag, 28. Dezember 2017

SPECIAL: UNTERWEGS MIT FRANK WYLER - STOSS DAS TOR ZU BRIXEN AUF

Joe D'Amato hat anno 1979 im beschaulichen Südtirol einen Film gedreht, der die Gemüter spaltet. Manche schätzen ihn, manche verdammen ihn und es soll sogar Menschen geben, die sich wünschen, ihn nie gesehen zu haben.
Es geht um die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Frank Wyler und seiner Verlobten Anna Völkl. Eine große Liebe, die sogar über den Tod hinaus geht...
Mehr über den Film hier.

Im Spätsommer 2017 machten wir uns auf den Weg zu den Drehorten dieses Exploitation Klassikers.
Wir hatten dabei interessante Begegnungen mit Einheimischen - Menschen und Tieren.
Ähnlich wie das Werk selbst ist jedoch nicht alles davon für die breite Öffentlichkeit bestimmt und über so manches Erlebnis breiten wir lieber den Mantel des Schweigens und lassen einfach mal die Bilder für sich sprechen...

Linksbündig wie immer die Screenshots, zentriert unsere Fotos.


Das Krankenhaus, in dem Anna liegt...
















... wurde zwar zum Teil abgerissen, aber dieser alte Trakt ist erhalten


Rückansicht vom Sanatorium


Anno 1979
















2017

















Dieser Teil des Brixener Friedhofs...
















... wurde offenbar renoviert. Nun sieht man die Umgebung besser


Kapelle mit markantem Kreuz im Vordergrund
















Das selbe Motiv heute



















Diese Szenen wurden im Zentrum gefilmt
















Heute ist hier Fußgängerzone


Rechterhand ist die Architektur...
















... auch heute noch unverkennbar


Die Tür, vor der Frank steht...
















... gibt es noch


Etwas ordentlicher war es damals schon
















Heute ist die Stelle etwas verwildert


Frank verfolgt die Joggerin auf einer Bergstraße
















Wir verfolgen ebenfalls eine Joggerin auf derselben Straße


Rechts die Kirche im Hintergrund, links ein Gehöft
















Hier ist die Zeit stehen geblieben


Schöne Aussicht...
















... ins Tal



















Frank joggt am Fluß Eisack entlang
















Ja, der Fluß heißt wirklich so. Wir waren auch da.
















































Sonntag, 17. Dezember 2017

I QUATTRO DELL'APOCALISSE (1975)















VERDAMMT ZU LEBEN - VERDAMMT ZU STERBEN

Italien 1975
Regie: Lucio Fulci
DarstellerInnen: Fabio Testi, Lynne Frederick, Michael J. Pollard, Harry Baird, Tomas Milian, Adolfo Lastretti, Bruno Corazzari, Donal(d) O' Brien u.a.


Inhalt:
Der Spieler und Betrüger Stubby Preston, die schwangere Prostituierte Emanuelle "Bunny" O'Neill, der Alkoholiker Clem und der Schizophrene Bud lernen sich im Gefängnis von Salt Flat kennen und entkommen durch ihren Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen einer "Selbsthilfeaktion", bei der alle EinwohnerInnen der Stadt mit Hang zur Delinquenz von einem vermummten Mob gelyncht werden. Mit einer Kutsche zieht das Quartett von dannen und begibt sich auf die Suche nach einer neuen Heimat. Alles könnte sich noch zum Guten wenden, wäre da nicht die schicksalhafte Begegnung mit dem bösartigen Chaco, die das Leben dieser vier Menschen nachhaltig beeinflussen  wird...


Der Beginn einer Reise...


Chaco (Milian) stellt sich vor


Innerhalb des Italowestern Kanons gibt es zwei wesentliche Arten der Erzählung, die mir persönlich besonders interessant erscheinen. In der einen Kategorie von Genre Produktionen geht es um einen (namenlosen) Antihelden, dessen handlungsleitendes Motiv in der Vergangenheit liegt (ein Ereignis, das quasi schon passiert ist zu dem Zeitpunkt als der Film beginnt). Es geht unter anderem um die späte Rache eines traumatisierten Kindes (siehe "Leichen pflastern seinen Weg" oder "Von Mann zu Mann") oder den Vergeltungsdrang eines Mannes, dem auf irgendeine Weise großes Unrecht widerfahren ist (wie z.B. in "Satan der Rache" oder "Töte, Django").
Ebenfalls sehr reizvoll ist die Kategorie von Geschichten, die eine Art persönliche Transformation des Protagonisten, die durch äußere Umstände und Erfahrungen, die er im Umgang mit anderen Menschen macht, in Gang gesetzt wird und die man On Screen mitverfolgt. Hierzu zählt auch "Verdammt zu leben - verdammt zu sterben."
Dieser Film kratzt zwar im Vergleich zu detailliert dargestellten Charakter-Entwicklungen wie man sie bei Sergio Sollimas großartigem "Von Angesicht zu Angesicht" oder einem "Der Tod ritt Dienstags" beobachten kann, etwas stärker an der Oberfläche.
Dennoch gelingt es Fulci, Stubby (Fabio Testi) zu einem Sympathieträger zu machen, der vom Falschspieler zum verantwortungsbewussten Mann und schließlich zu einem einsamen und traurigen Rächer wird, der sich durch einen (ebenso sinnlosen) verzweifelten Akt der Gewalt von der leidvollen Vergangenheit zu lösen versucht. Ein Antiheld, wie er im Buche steht.

Fabio Testi, der seine Filmkarriere als Stuntman begann, wird ja landläufig gerne unterstellt, dass er mehr "Schönling" als ernstzunehmender Schauspieler ist. In "Verdammt zu leben - verdammt zu sterben" stellt er jedoch wie bereits an der Seite von Romy Schneider in Zulawskis Drama "Nachtblende" oder neben Franco Nero in "Die Rache der Camorra" zum wiederholten Male unter Beweis, dass er mehr zu bieten hat als ein adrettes Erscheinungsbild.

Die odysseehafte Reise von Stubby, Bunny, Clem und Bud führt durch vertrocknetes, ödes Land, Staub, Dreck, in ein verlassenes Dorf und die karge schneebedeckte Stadt Altarville.
Das gemeinsame Schicksal schweißt die ungleichen Charaktere, die sich ohne die dramatischen Ereignisse in jener Nacht wohl nie kennen gelernt hätten, zusammen.
Das zufällige Zusammentreffen mit einer Gruppe von Pilgern scheint eine weitere Annäherung zwischen der inhomogenen Gruppe und im Besonderen zwischen Bunny und Stubby in Gang zu setzen, die durch das Auftauchen von Chaco (Tomas Milian) hart auf die Probe gestellt wird.
Chaco ist ein manipulativer, sadistischer und skrupelloser Outlaw. Begegnungen mit ihm entwickeln sich zum schlimmsten Alptraum. Gesetzt den Fall, dass man sie überhaupt überlebt.
Da Fulci für "Verdammt zu leben - verdammt zu sterben" durch die Bank hervorragende SchauspielerInnen besetzte, stehen weniger die plakativen Gewaltszenen an sich im Vordergrund, sondern mehr die Reaktionen der Protagonisten auf die mit unvorstellbarer Grausamkeit verübten Taten Chacos.

Was ich an diesem Italowestern besonders schätze, ist die bewegende Geschichte über die Sonnen- und Schattenseiten der Gesellschaft. Das Auf und Ab der Emotionen. Einerseits fesselt mich diese düstere und desperate Stimmung, das Verstörende und Unheimliche, die Hoffnungslosigkeit und Ziellosigkeit. Der Tod ist ein ständiger Begleiter der Vier.
Andererseits gibt es trotz Dunkelheit Lichtblicke. Ein optimistischer Blick in die Zukunft, die herzerweichenden Gesten von Güte und Menschlichkeit an Orten, wo sie niemand erwarten würde. Zeichen von Liebe, Freundschaft, Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit und Solidarität.

Der etwas unkonventionelle Psychedelic Rock Soundtrack verfügt zwar nicht über die Grandiosität und den Wiedererkennungswert eines Morricone, Bacalov oder Ortolani Western Themas, aber passt zur Entstehungszeit und lockert die Dramatik und den nicht zu verleugnenden Hang zum Pathos der Geschichte angenehm auf.
"Verdammt zu leben..." gehört trotz manch kleiner Schwächen zu meinen favorisierten Italowestern, ist definitiv einer meiner  Lieblings-Fulcis und wird deshalb in regelmäßigen Abständen im "Schattenlichter-Heimkino" aufgeführt.




Foto: X Rated Hartbox und Mediabook