Geisterdorf

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Italien März 17

Montag, 3. Februar 2014

LA LEGGE VIOLENTA DELLA SQUADRA ANTICRIMINE (1976)














DIE KILLER DER APOKALYPSE
Italien 1976
Regie: Stelvio Massi
DarstellerInnen: John Saxon, Renzo Palmer, Rosanna Fratello, Lino Capolicchio, Lee J. Cobb u.a.

Inhalt
Schauplatz Bari (Apulien): Polizeikommissar Jacovella liefert sich eine Privatfehde mit dem Journalisten Maselli.
Der junge und noch recht unerfahrene Gangster Antonio Blasi erschießt bei einem Geldtransporter-Überfall einen Polizisten. Während der Flucht klaut er ausgerechnet das Auto eines mächtigen Mafia-Mitglieds und gelangt so (in Form eines Schriftstücks mit pikantem Inhalt) zu Informationen, die nicht nur der Mafia, sondern auch einem hochrangigen Politiker gefährlich werden können.
Und auch der desillusionierte Polizist Jacovella ist eher bekannt für einen "nervösen Finger" am Abzug als dafür, kriminelle Individuen dem Richter vorzuführen.
Ist das Blasis Todesurteil?






Ein interessanter und sehenswerter Poliziottesco mit einem John Saxon, wie er mir eindeutig am besten gefällt: in der Rolle eines Polizisten.
Egal ob in "Jessy - Die Treppe in den Tod", "Nightmare on Elm Street" oder hier - der breitschultrige und südländisch aussehende Saxon macht als gewissenhafter Gesetzeshüter einfach eine gute Figur.
Der Film beginnt mit einer enttäuschenden Niederlage Jacovellas. Er hat einen Mord im Mafia-Milieu aufgeklärt und der Hauptangeklagte, Mitglied des berüchtigten Ragusa-Clans, wird am Ende in allen Punkten freigesprochen.
Der Grund dafür ist (wie man es von realen Mafia-Prozessen kennt), dass die wichtigsten Zeugen aufgrund von Bedrohungen vor dem Kadi plötzlich alle bisher getätigten Aussagen widerrufen und nichts gesehen haben wollen.

Ein harter Schlag für den engagierten Jacovella.
Journalist Maselli (sympathisch wie immer: Renzo Palmer) trägt mit seinen Negativ-Schlagzeilen über Jacovella auch nicht gerade zur Verbesserung seiner Stimmung bei.
Maselli hängt der Überzeugung an, dass die Polizei, insbesondere Jacovella, unethisch handelt, auf Gesetze pfeift und wegen der Unkontrollierbarkeit ihrer Handlungen eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt.
Bei jedem Polizeieinsatz, bei dem ein Delinquent umkommt, unterstellt Maselli der Exekutive niedrige Rache-Instinkte und das vordergründige Motiv der Selbstjustiz.

Völlig geblendet von seiner persönlichen Wahrheit handelt Maselli in der irrigen Annahme, Gutes zu tun und den jungen Verbrecher (vor der Polizei) zu beschützen, als er den Namen und das Foto von Antonio Blasi (Lino Capolicchio) veröffentlicht.
Immerhin ist dieser als Polizisten-Mörder in höchster Gefahr. Wie so oft bewährt sich hier das Sprichwort "Das Gegenteil von 'gut' ist 'gut gemeint'.
Durch seine Aktion bringt er nun nämlich auch die Mafia auf die Fährte des Mannes.
Bis zum Schluss unterschätzt Maselli die Gefahr und sieht einzig und allein Jacovella als potentiellen Mörder von Blasi.

Der Poliziottesco von Stelvio Massi ist im Vergleich zu seinen ansonsten sehr actionlastigen Werken eher ruhiger und nachdenklicher.
Ich würde sogar so weit gehen und ihn als Polizei-bzw. Mafia-Drama bezeichnen.
Klar gibt es einige Szenen, in der mit der Darstellung von Gewalt nicht gerade gegeizt wird, aber alles in allem dümpelt die Geschichte etwas gemächlicher dahin, als man es von Massi gewohnt ist.

Zur Zeit seines Erscheinens kam "La legge violenta della squadra anticrimine" bei der italienischen Presse mehr schlecht als recht weg.
Vermutlich war die Rolle der Medien als machtvolle und von eigenen Vorstellungen verblendete Stimmungsmacher nicht gerade unwesentlich für die schlechten Kritiken.
Man kann dem Film durchaus ankreiden, dass er nicht besonders innovativ und im Grunde genommen in seiner Darstellung relativ oberflächlich ist.
Aber er greift die üblichen Hauptthematiken vieler Poliziotteschi charmant auf und muss sich, was den Unterhaltungswert betrifft, nicht vor anderen Genre-Filmen verstecken.
Besonders die Figur des Kommissar Jacovella wirkt wie eine gelungene Mischung zwischen ultrahartem Bullen à la Maurizio Merli und rechtschaffenem, aber missverstandenen Kommissar Bertone (Salerno in "Das Syndikat").

Sehr lobenswert ist übrigens auch der Soundtrack, der in einigen Szenen nicht dominiert, sondern seine Wirkung auf angenehme Weise dezent im Hintergrund entfaltet.
Der Titelsong "Amare senza mai pensare" (und die Küstenbilder) lässt das Herz von Italien-LiebhaberInnen um einige Takte höher schlagen.


Einen kleinen Bildvergleich mit zwei Screenshots aus dem Film und Fotos von mir gibt es hier.




Liebe Leserinnen und Leser, lasst uns auf eine deutschsprachige digitale Veröffentlichung hoffen!




Foto: DVD von Cecchi Gori