Geisterdorf

Geisterdorf
Italien März 17

Freitag, 2. Januar 2015

LUCA IL CONTRABBANDIERE (1980)














DAS SYNDIKAT DES GRAUENS
Italien 1980
Regie: Lucio Fulci
DarstellerInnen: Fabio Testi, Ivana Monti, Guido Alberti, Venantino Venantini, Ofelia Meyer, Saverio Marconi, Salvatore Billa, Romano Puppo, Luciano Rossi, Nello Pazzafini u.a.


Inhalt:
Luca und sein Bruder Michele gehören einem neapolitanischen Zigarettenschmugglerring an.
Als sie bei der Abholung einer Lieferung plötzlich von der Zollwache verfolgt werden, dämmert ihnen, dass es in ihrem direkten Umfeld einen Verräter geben muss.
Michele hat bereits einen Verdacht und wendet sich damit an den Nachtclubbesitzer und Schmuggler Perlante. Kurz darauf wird Michele im Beisein seines Bruders Luca auf offener Straße hingerichtet.
Luca, der sich an den Verantwortlichen für den grausamen Mord an seinem geliebten Bruder rächen möchte, findet heraus, dass es sich bei den Übeltätern um Konkurrenten handelt, aber auf einem ganz anderen Gebiet: dem "Mann aus Marseille" geht es um Drogenhandel im großen Stil und es gibt keine brutale Methode, die er nicht kennt.
Eine Nummer zu groß für Luca?


Abschied für immer? Luca und seine Frau


Der charismatische Perlante


Verantwortlich für "Das Syndikat des Grauens" ist niemand Anderer als der umstrittene exzentrische italienische Regisseur Lucio Fulci, verrufen wegen seiner Neigung zum Morbiden, zu Gewaltexzessen und seinem angeblichen Hass auf männliche Schauspieler (hartnäckigen Gerüchten zufolge soll seine Frau ihn für einen Mimen verlassen haben).

Fulcis Hang zum Extremen hat der Maestro mit seinen Horror-Klassikern "Woodoo - Schreckensinsel der Zombies", "Über dem Jenseits", "Ein Zombie hing am Glockenseil" und "Haus an der Friedhofmauer" (von manchen Kollegen auch "Die vier Evangelien des Fulci" genannt) unter Beweis gestellt. Jeder, der seine Filme kennt, weiß, dass der gute Mann nicht nur Effekte mit viel Blut, sondern auch Nahaufnahmen von Verstümmelungen und Wunden besonders schätzte.

Fulci, der sowohl für Gialli der höchsten Güteklasse ("Non si sevizia un paperino", "Una lucertola con la pelle di donna") als auch den herausragenden Spät-Italowestern "Verdammt zu leben, verdammt zu sterben" verantwortlich war, hat mit "Das Syndikat des Grauens" einen Exploitation-Poliziottesco nach bewährter Manier geschaffen.
Mit einer Einschränkung allerdings: der Film fällt eher in die Kategorie "nicht zu empfehlen für Zartbesaitete". Ein radikaler Fulci-Film eben. Einige Szenen sind etwas härter und brutaler als man es sich gemeinhin vom Genre erwartet.

Es handelt sich bei "Das Syndikat des Grauens" um ein Spätwerk (1980), genauer gesagt um einen der letzten wichtigen Vertreter des italienischen Polizei- bzw. Mafiafilms, bevor das Genre mehr und mehr verflachte und schließlich ganz in den Sümpfen des Zelluloid-Friedhofs versank.

"Das Syndikat des Grauens" wirkt beinahe so, als ob sich alle Genre-Schauspieler (das "Who is Who" des italienischen Polizeifilms) noch einmal zu einem letzten großen Treffen versammelt hätten.
Die Besetzungsliste spricht für sich - Fabio Testi in der Hauptrolle, zahlreiche "prominente Schurken" wie Romano Puppo, Nello Pazzafini, Luciano Rossi, Guido Alberti -um nur einige wenige zu nennen- waren ebenfalls mit von der Partie.

Die Geschichte um den Schmuggler Luca, der nach dem Mord an seinem Bruder zum verzweifelten Einzelkämpfer mutiert, bietet nicht nur actionreiche Unterhaltung, sondern auch inhaltlich realitätsnahe Aspekte.
Manche Zigarettenschmuggler in Neapel, deren Organisation eher familiären Charakter hatte, waren tatsächlich gegen illegale Rauschmittel und verweigerten den Drogenbaronen die Zusammenarbeit.
(Anmerkung: Gerüchten zufolge sollen Schmuggler nach dem Tod des Produzenten sogar einen finanziellen Beitrag zur Fertigstellung des Films geleistet haben.)

Einige Szenen in "Das Syndikat des Grauens" sind wirklich herausragend, wie zum Beispiel die Anfangssequenz, in der sich Testi und Co. eine wilde Boot-Verfolgungsjagd mit der Zollwache liefern.
Die Inszenierung des Begräbnisses von Michele auf dem Wasser, für das sich alle in der Organisation wichtigen Männer und deren engste Angehörige versammelt haben und Blumenkränze ins Wasser gleiten lassen, ist wahrlich eindrucksvoll.
Einen weiteren Pluspunkte sammelt dieser storytechnisch ausgeklügelte Mafia-Thriller klarerweise durch die überraschende Wendung am Ende, die sich zwar schon durch kurze Einblendungen während der gesamten Laufzeit langsam ankündigt, aber dennoch unvorhersehbar und dafür umso wirkungsvoller ist.

Alles in allem ist "Das Syndikat des Grauens" ein Film, der in das obere Drittel der Qualitäts-Klassifizierung des Genres gehört, aber zu stark in die Exploitation-Schiene abrutscht, als dass er sich mit einem "Das Syndikat" oder einem "Milano Kaliber 9" messen könnte.
Dennoch handelt es sich hierbei um einen der wirklich sehenswerten Poliziotteschi.




Foto: XT und Blue Underground VÖ