Geisterdorf

Geisterdorf
Italien März 17

Sonntag, 16. Februar 2014

UNA VITA LUNGA UN GIORNO (1973)














FÜNF RÄTSEL ZUM TOD
Italien 1973
Regie: Ferdinando Baldi
DarstellerInnen: Philippe Leroy, Ewa Aulin, Mino Reitano, Nello Pazzafini, Franco Ressel, Luciano Catennaci u.a.


Inhalt
Der bereits nicht erst seit gestern dem Jugendalter entwachsene Andrea ist zum ersten Mal richtig verliebt. Die Schwedin seines Herzens - Anna - scheint dieselben Gefühle für ihn zu hegen. Doch leider hat sie einen (erst kürzlich diagnostizieren) Herzfehler.
Damit sie nicht nach Schweden zurück muss und die notwendige OP in Italien finanziert werden kann, lässt sich Andrea auf das Angebot eines schwerreichen Snobs ein, der eine Menschenjagd quer durch San Remo veranstalten will.
Sollte Andrea überleben, winkt eine Belohnung von 30.000 Dollar...


Ein "unmoralisches" Angebot


Angriff der Killerquallen?


Ich sitze immer noch ein bisschen geplättet da, grinse und denke: "Ja, was war denn das?"
Ein abgefahrener italienischer Krimi mit einer absolut abstrusen Geschichte!
Hier passt so gar nichts zusammen, dass man das Drehbuch schon fast wieder als künstlerisch ambitioniert betrachten kann.
"Fünf Rätsel zum Tod" (was für ein herziger deutscher Titel) ist genau diese Art von italienischem Kino, bei dem ich mich immer frage, ob da wirklich irgendjemand irgendetwas ernst gemeint hat.
Der wohlhabende Philippe (kein Witz: Philippe Leroy) wird von seiner Freundin und seinen von Sexorgien und anderen Parties gelangweilten Bekannten genötigt, wieder einmal eine Menschenjagd zu organisieren.
So schön, so gut. Er beginnt auch gleich mit den Vorbereitungen, für die ihm der böse Bube Luciano Catennaci (der in jedem dritten Italo-Film der Siebziger eine Rolle zu haben scheint) zur Verfügung steht.

Anna, die aus Schweden anreist, nachdem sie die Pension ihrer Tante geerbt hat, wird des Nächtens von Bösewicht Nello (kein Witz: Nello Pazzafini) überfallen und beinahe vergewaltigt.
Man denkt sich vielleicht noch, dass es wohl keine so gute Idee war, zwischen den zwielichtigen Gestalten im Restaurant mit einem dünnen Top ohne BH rumzuhüpfen und bis zur Sperrstunde Wein nachzuschenken.
Aber das Mädel kann nichts dafür. In Wahrheit steckt natürlich der Schelm Philippe dahinter, der Nello eigens für diese Aktion engagiert hat. Aber das weiß niemand. Außer den Personen, die vor dem Bildschirm hocken.
Jedenfalls kann sich die gute Anna gerade noch durch einen waghalsigen Sprung aus dem Fenster retten.
Aufgrund eines verstauchten Knöchels (!) und einer kleinen Schramme am Kopf (!!), die aussieht, als hätte sich eine Qualle an ihrer Stirn festgesaugt, muss sie einige Tage stationär im Krankenhaus bleiben.
Da sie als erst kürzlich eingereiste Schwedin nicht versichert ist, wird's finanziell ein bisschen prekär für unseren verliebten Andrea, der natürlich heldenhaft und ungefragt für sämtliche Kosten aufkommen will.

Nach der überraschenden Herzfehler-Diagnose hüpfen die beiden durch das malerische Bergdorf Cervo und kommen sich (nachdem sie sich im Krankenhaus gegenseitig ihre Liebe gestanden haben) auch das erste Mal richtig näher.
Das sind die letzten fröhlichen Stunden der beiden, denn kurz darauf stellt sich Andrea seiner lebensgefährlichen Aufgabe...

Apropos Cervo: Falls ihr schon einmal (oder wie ich sehr häufig) an der Riviera dei Fiori (Blumenriviera) gewesen seid, dürft ihr euch über Bilder von San Remo, Imperia und dem malerischen mittelalterlichen Bergdorf Cervo freuen.



Das berühmte Casino in San Remo


Cervo


Aber wieder zurück zur Geschichte des testosterongesteuerten Andrea. Dieser wird - wie bereits von Philippe prophezeit- an verschiedenen Orten mehr oder weniger halbherzig attackiert.
Besonders lustig an der Geschichte ist, dass es für die Mordversuche kein Publikum gibt und es sich uns ZuschauerInnen nicht wirklich erschließt, welche Art von Amusement sich Philippe und KollegInnen von der ganzen Veranstaltung versprechen.
Der gesamte Film ist gespickt mit solchen eigentümlichen Ideen und konsequent herrlich blödsinnig konzipiert.
Die deutsche Synchro trägt noch ein Quäntchen mehr Unsinn zur Unterhaltung bei:

Andrea: "Die Pension bringt keinen Gewinn, Anna. Das ist nichts für dich. Und die wenigen Gäste, die kommen, das sind größtenteils Penner oder Verbrecher."
Anna: "Mag sein. Aber das stört mich nicht."

Eine Granate ist dann noch der gialloeske Soundtrack. Ich habe mir an dieser Stelle extra die Mühe gemacht, den Text abzutippen. Nach mehrmaligem Hören kam ich auf:
"Patibida bajaiiih daiiiiiih dajata" und "Dai du dai du dai dajaj dubadai..."
Das Ganze von einer schönen Frauenstimme gesungen bzw. gehaucht und von einer Melodie begleitet, die einen beim Hören schlagartig in die Siebzigerjahre katapultiert.

Ein Film zum Lachen, zum "Sich-am-Kopf-kratzen", zum Wundern und nochmal zum Lachen.
Meine Konsumempfehlung: Am besten in guter Gesellschaft (sprich: toleranten Leuten mit Humor) zu genießen.