Samstag, 20. Dezember 2014

LA BELVA COL MITRA (1977)














DER TOLLWÜTIGE
Italien 1977
Regie: Sergio Grieco
DarstellerInnen: Helmut Berger, Marisa Mell, Richard Harrison, Nello Pazzafini, Vittorio Duse, Marina Giordana, Claudio Gora u.a.


Inhalt:
Der psychopathische Berufskriminelle Nanni Vitale bricht mit ein paar anderen Häftlingen aus dem Gefängnis in Ancona aus. Als Geisel haben sie einen Gefängniswärter dabei, der übelst misshandelt wird, bevor sie ihn während der Verfolgungsjagd mit der Polizei aus dem Auto werfen.
Kommissar Santini, der Vitale und seine Komplizen verfolgte und leider nicht aufhalten konnte, macht es sich fortan zu seinem vorrangigen Ziel, Vitale wieder hinter Gitter zu bringen. Während Nanni Vitale und seine Kumpane eine scheußliche und brutale Tat nach der anderen begehen und eine Spur der Gewalt durch das Land ziehen, unternimmt die Polizei unter der Anleitung von Santini mehrere erfolglose Versuche, die Kriminellen zu stellen.
Zwischen Vitale und Santini entwickelt sich so eine persönliche Feindschaft, die darin gipfelt, dass Vitale die Familie des Polizeikommissars entführt. Kann Santini seinen Vater und seine Schwester rechtzeitig aus den Fängen des unberechenbaren Verbrechers befreien?


Nanni bedroht Giulianas Mann


Nanni piesackt Giuliana


Bei "Der Tollwütige" bekommt man genau das geboten, was der Titel verspricht. Helmut Berger ("Blutspur im Park") wütet wie von Sinnen über die Leinwand und zeigt in der Rolle des narzisstischen, kaltblütigen und unberechenbaren Nanni Vitale ein intensives und fesselndes Schauspiel.
Sein Irrsinn und seine jähzornigen Gewaltausbrüche machen sogar Obergangster Giulio Sacchi (man denke an den den legendären Tomas Milian in "Der Berserker") Konkurrenz.
Dabei wirkt Nanni Vitale auf abstoßende Weise faszinierend. Es irritiert, dass dieser Mörder und Vergewaltiger nicht das hässliche Antlitz eines pockennarbigen Klischeeverbrechers hat, sondern die markanten und unbestreitbar attraktiven Gesichtszüge von Helmut Berger.

"Der Tollwütige" zählt zwar zum Genre des Poliziottesco und wurde von einem italienischen Regisseur vor Ort gedreht, ist aber in den Hauptrollen mit Helmut Berger (geboren als Helmut Steinberger in Bad Ischl) und Marisa Mell (geboren in Graz als Marlies Theres Moitzi; ua. bekannt aus "Nackt über Leichen") sowie Richard Harrison als Kommissar Santini mit zwei Österreichern und einem Amerikaner besetzt.
Helmut Berger behauptete später öffentlich, er habe seiner Kollegin Mell, die sich zum damaligen Zeitpunkt karrieretechnisch auf dem absteigenden Ast befand, zu dieser Rolle verholfen.
Genaues weiß man aber nicht.

Auf die oft grimmige Ernsthaftigkeit manch anderer italienischer Polizeifilme wurde von Regisseur Sergio Grieco hier zugunsten von reichlich vorhandenen exploitativen und sleazigen Gewaltszenen verzichtet.
Im Grunde genommen ist der Film eine einzige Gewaltorgie, in der unser Helmut unter vollem Körpereinsatz mal so richtig die Sau rauslassen konnte, da Nanni Vitale sich an sadistischen Fiesheiten von einer Szene zur nächsten regelrecht selbst überbietet.

Richard Harrison macht als Kommissar Santini eine gute Figur. Der unter anderem aus Western und Sandalenfilmen bekannte Amerikaner geht getrost als Bruder oder Cousin von Maurizio Merli durch.
Er ist vielleicht sogar etwas athletischer und attraktiver.
Wenn Kommissar Santini seinen Dienst mit einem beinahe bis zum Bauchnabel aufgeknöpften Hemd und lässiger Sonnenbrille verrichtet, scheint das spezielle Flair der Siebziger regelrecht von der Leinwand zu strömen, um die Herzen der VerehrerInnen dieser speziellen Dekade zu erwärmen.

Einige Drehbuchschwächen und denkbar komische Dialoge gehören zu solch einem Film wie das Salz in der Suppe. Und natürlich werden wir auch in diesem Punkt nicht enttäuscht.
Begebenheiten wie die, dass Kommissar Santini die von Vitale bedrohte und vergewaltigte Giuliana (Marisa Mell) mit dem Ratschlag, alles zu tun, was Vitale von ihr verlangt, wieder zurückschickt zu dem wahnsinnigen Täter, bringen uns genauso zum Schmunzeln wie manch markanter Spruch von Vitale:

"Es gibt ein Sprichwort. Niemand wird zu einem so großen Trottel wie ein alter Trottel."


Die ohrwurmverdächtige Musik, die eigens für den Film komponiert wurde und an den Sound von Stelvio Cipriani erinnert, begleitet in verschiedenen Variationen den ganzen Film und verleiht den Bildern zusätzliche Dramatik.

Und bei so mancher Zeitlupenszene scheint sich Grieco von Maestro Enzo Castellari ("Ein Bürger setzt sich zur Wehr", "Racket") inspirieren lassen zu haben. Diese Sequenzen steigern die Spannung und spielen mit der Erwartungshaltung der Zuschauer.
Besonders in Erinnerung bleibt die Szene, in der Vitale mit seinem Komplizen (logisch: einer davon ist niemand Geringerer als Oberschurke Nello Pazzafini) in einem Auto sitzt, auf der Rückbank zwei Geiseln. Sie geraten in eine Polizeikontrolle. Das Bild wechselt von den in Zeitlupe auf das vollbesetzte Auto zulaufenden Verkehrspolizisten zu den Insassen im Wagen und dem Gesichtsausdruck Nanni Vitales.
An dieser Stelle bleibt genug Zeit, die Musik zu genießen und sich mehrfach zu fragen, was jetzt wohl passieren wird und wie Vitale mit der Situation umgeht. Das Ende dieser Episode ist zwar wenig überraschend, fast schon banal, aber dennoch so inszeniert, dass es auch nach Ende des Films im Gedächtnis bleibt.

Nanni Vitale ist nach Giulio Sacchi einer der kultigsten, weil fiesesten und skrupellosesten Übeltäter, die das Poliziottesco-Genre je hervorgebracht hat. Die Szenen, in denen Nanni seine wehrlosen Opfer malträtiert, erzeugen sogar bei eingefleischten Genre-Fans ein flaues Gefühl in der Magengrube.

Wer eine Schwäche hat für Exploitation, Sleaze und Terrorkino à la "Wild Dogs" könnte mit "Der Tollwütige" ebenfalls seine Freude haben. Unterhaltung und Spannung garantiert! 




Foto: DVD von NEW


Das links soll MM sein