Samstag, 12. Juli 2014

UNA FARFALLA CON LE ALI INSANGUINATE (1971)














BLUTSPUR IM PARK
DAS MESSER (Alternativtitel)
Italien 1971
Regie: Duccio Tessari
DarstellerInnen: Carole André, Helmut Berger, Lorella De Luca, Wendy D'Olive, Ida Galli (aka Evelyn Stewart), Dana Ghia, u.a.


Inhalt
Bergamo, Italien. Eine erst 17 Jahre alte französische Studentin wird in einem öffentlichen Park brutal ermordet. Der vermeintlich Schuldige, ein Fernsehmoderator namens Alessandro Marchi, wird in einem Indizienprozess verurteilt und landet im Gefängnis. Seine Frau vergnügt sich derweil mit einem Freund der Familie, der vor Gericht als Anwalt Marchis fungierte.
Bald darauf werden erneut junge Frauen in besagtem Park ermordet. Wer ist der wahre Mörder und was ist das Motiv für diese Serie?


Im Gericht: Tochter, Frau und Anwalt von Marchi


sagt auch aus: Giorgio (Berger)


Liest man die Kommentare und Reviews im Internet, stellt man fest, dass sich "Blutspur im Park" nicht bei allen Giallo-Fans großer Beliebtheit erfreut.
Mich faszinierte der Film beinahe von Beginn an. Ohne Umschweife landet man direkt im Geschehen. Bereits während des Vorspanns werden die Hauptfiguren vorgestellt und nach wenigen Minuten findet eine Frau die erste Leiche im Park.
In relativ kurzer Zeit wird auch der Sportreporter Marchi von der Polizei als Täter entlarvt und in Gewahrsam genommen.
Regisseur Amadeo "Duccio" Tessari, der übrigens neben Chemie auch Jura studierte, hat dem Gerichtsprozess Einiges an Platz in der Erzählung eingeräumt und Wert auf die Details gelegt.
Folgt man den anfänglichen Ausführungen des Staatsanwalts ensteht der Eindruck, dass der Fall ganz klar ist und die hieb- und stichfesten Beweise unweigerlich nur zu einer Verurteilung führen können.
Hört man aber die anschließenden Gegenargumente von Marchis Anwalt, kommen doch einige Zweifel an der Täterschaft des Reporters auf.
Das Verhalten Marchis, aber auch das seiner Frau und Tochter wirkt verstörend. Es ist anhand seiner Mimik nicht abzulesen was in ihm vorgeht, oder korrekter: in keinem von ihnen.
Dieser Umstand und die hartnäckige und sture Verschlossenheit des Angeklagten führt schlussendlich doch zu einem Schuldspruch.

"Blutspur im Park" verströmt eine bedrückende Aura. Die Familie Marchi, aber auch der befreundete Anwalt sowie der Liebhaber der Tochter, Giorgio, (grandios: Helmut Berger) irritieren durch eine gewisse Kälte und spürbare Distanz, mit der sie sich begegnen.
Sämtliche Charaktere wirken einsam und zwischen den Menschen herrscht eine Art Beziehungslosigkeit. Über die wichtigen Dinge und Gefühle wird nicht gesprochen, das Offensichtliche bleibt unausgesprochen und wird umgangen, es gibt viele Tabuthemen.
Aus diesem Grund wirken auch alle Beteiligten suspekt. Jedem und jeder traut man getrost eine Verschwörung zu. Vielleicht ist Marchi doch zu Unrecht im Gefängnis?
Bis zum bitteren (im wahrsten Sinne des Wortes) Ende zweifelt man an seinen eigenen Hypothesen bezüglich dem Täter und dem Motiv der Verbrechen, stellt eine Theorie auf, um sie alsbald wieder über Bord zu werfen. 
Manchen wird dieser Giallo vielleicht etwas zu langsam erzählt sein. Andere mokieren sich über den Gerichtsprozess, dessen Inszenierung relativ viel Zeit einnimmt.
Weniger die Morde an sich stehen im Zentrum des Geschehens, sondern vielmehr die Skizzierung des Beziehungsgeflechts zwischen den Hauptcharakteren. Dies behagt nicht jedem. Vor allem nicht jenen, die beim Giallo-Genre Wert legen auf nackte Frauenkörper und besonders viele spektakuläre Rasiermessermorde.

Mich hat "Blutspur im Park" gefesselt und begeistert. Nicht nur wegen der nachvollziehbaren und hervorragend erzählten Geschichte, sondern auch wegen Helmut Berger.
Der Österreicher, der früher als einer der schönsten Männer der Welt galt, spielt den psychisch labilen Musiker, der aus (bis zum Ende) nicht nachvollziehbaren Gründen seine Beziehung zum ersten Mordopfer verschweigt.
Dennoch - oder vielleicht deshalb - leidet er, kämpft mit sich und scheint hin- und hergerissen zwischen intensiven Emotionen wie Trauer und Wut.
Seine Gefühle entladen sich in einer sichtbaren heißen, manchmal aber auch kalten und berechnenden Aggression.
Meiner Meinung nach ist diese neben "Der Tollwütige" und "Das Bildnis des Dorian Gray" eine der besten schauspielerischen Darbietungen Helmut Bergers in einem Genrefilm.

Duccio Tessari ist es bei "Blutspur im Park", ähnlich wie in "Das Grauen kam aus dem Nebel" gelungen, eine spannungsgeladene Atmosphäre zu erzeugen, was sicher auch wieder einmal dem brillianten melancholischen Soundtrack von Gianni Ferrio zu verdanken ist.
Ob der Film in euer Beuteschema passt, erschließt sich hoffentlich aus diesem Text.




Foto: VÖ vom Label Eyecatcher und die spanische DVD