Sonntag, 27. Juli 2014

SENTENZA DI MORTE (1968)














DJANGO – UNBARMHERZIG WIE DIE SONNE
Italien 1968
Regie: Mario Lanfranchi
DarstellerInnen: Robin Clarke, Enrico Maria Salerno, Richard Conte, Adolfo Celi, Tomas Milian, Lilli Lembo, Luciano Rossi, Eleonora Brown, Monica Pardo u.a.


Inhalt
Diaz, Montero, Bruder Baldwin und O'Hara. Das sind die Namen, die auf der Todesliste von Django (im Originalton: "Cash") stehen. Sie haben einst seinen Bruder ermordet und jetzt soll einer nach dem anderen dafür mit seinem Leben bezahlen...


Die Sonne - unbarmherzig zu Django


Gegner leben nicht lange


Regisseur Mario Lanfranchi wollte nach eigenen Angaben einen Western drehen, da ihn "die Poesie der Gewalt" thematisch faszinierte und er sich auf theoretischer und praktischer Ebene damit befassen wollte.
Der unter seiner Federführung (er war nicht nur verantwortlich für die Regie, sondern auch für Drehbuch und Casting) im Jahr 1968 entstandene Film ist augenscheinlich keiner der beliebtesten Italowestern und eignet sich mehr für alteingesessene Fans des italienischen Kinos als für Genre-Neulinge.
Zugegebenermaßen kann er sich nicht mit einem "Leichen pflastern seinen Weg", "Satan der Rache" oder "Friedhof ohne Kreuze" messen. Für mich zählt er aber dennoch zu den besseren Rache-Western.
Der treffende und nihilistische Originaltitel "Sentenza di morte" (Todesstrafe) passt hervorragend. Leider wurden aber seit Sergio Corbuccis Kultwestern "Django" viele deutsche Italowestern durch Synchronisation und deutschen Titel "ver-djangot", um einen Zusammenhang mit dem Erfolgsfilm zu suggerieren.

Bei "Django – unbarmherzig wie die Sonne" wurde zugunsten der sorgfältig choreographierten und detailreichen Konfrontationen unseres Antihelden mit seinen Gegnern auf Nebensächliches wie beispielsweise die Suche nach den Bösewichten oder der Ritt von einem Ort zum anderen gänzlich verzichtet.
Deshalb wird der Film häufig als "episodenhaft" bezeichnet, obwohl er eine an sich stringente Story erzählt.

Django wirkt unnahbar und unantastbar. Seine Gedankenwelt und Emotionen scheinen unergründlich. Nicht nur, dass er keine Gnade kennt, er weist auch jegliche Annäherungsversuche von Frauen zurück und scheint weder Freundschaften noch Bindungen eingehen zu wollen.
Alles, was ihm auf irgendeine Art gefährlich werden und ihn an der Umsetzung seines Racheplans hindern könnte, weist er von sich und seine Gegner eliminiert er ohne zu zögern mit seinem schnellen Finger am Abzug.
Eindeutig im Vordergrund stehen die Duelle, die nicht nur mit dem Schießeisen ausgetragen werden, sondern auch psychologischer Natur sind. Wie Django seine Widersacher aus ihren Verstecken hervorlockt, demütigt und peinigt ist nämlich auf's Genauste ausgeklügelt.

Lanfranchi hat sich für seinen Western vier der professionellsten und ausdrucksstärksten Schauspieler, die das italienische Kino zur damaligen Zeit zu bieten hatte, ans Set geholt.
Alle verkörpern eindringlich ihre Rolle als Bösewicht und einer scheint dabei den anderen übertrumpfen zu wollen.


Diaz (Richard Conte)

Diaz – gespielt von Richard Conte, (u.a. bekannt als Mafiapate in "Der Teufel führt Regie"), liefert sich einen gnadenlosen Kampf auf seinem Grundstück, bevor der Unterlegene in die Wüste fliehen muss wo er einen qualvollen Tod erleidet.


Montero (Enrico M. Salerno)

Den eitlen und skrupellosen Spieler Montero verkörpert niemand Geringerer als Enrico Maria Salerno (u.a. zu sehen als Kommissar in "Das Syndikat" oder "Fango Bollente").
Montero geht es weniger um den Geldgewinn beim Pokern. Es befriedigt ihn, seine Gegner zu erniedrigen.
Django lässt sich mit ihm nicht nur auf ein Pokerspiel, sondern auch auf ein zermürbendes Psychoduell ein. Es geht um alles oder nichts.
Der letzte von ihm geforderte Einsatz ist das eigene Leben.


Baldwin (Adolfo Celi)

"Du trägst das Gewand eines Priesters, aber du bist der Teufel!" (Ein zum Tode Verurteilter zu Baldwin)

Der äußerst scheinheilige und gefürchtete Bruder Baldwin wird von Adolfo Celi (auch grandios in "Yankee" und sehr lässig in "Der Mafiaboss") dargestellt. Celi beeindruckt in dieser Rolle durch sein theatralisch-pathetisches Geschwätz und die dazu passenden Gesten.
Bruder Baldwin bastelt sich eine eigene Welt zurecht, in der seine kruden Moralvorstellungen seine Gewalttätigkeit (vor Gott) rechtfertigen.
Er ist aufgrund seiner Skurpellosigkeit ein harter Gegner für Django.


O'Hara (Tomas Milian)

Und wenn man nach den ersten Duellen denkt, dass sich kein gemeinerer und verrückterer Gegner mehr finden lässt, so hat man die Rechnung ohne Tomas Milian (u.a. bekannt aus "Der Berserker" oder "Der Todesengel") gemacht.
Milian ist(!) O'Hara, ein neurotischer und fanatischer Albino, der ebenso irre und gefährlich wie unberechenbar scheint. Milians Schauspiel ist wie immer intensiv und authentisch.
Der psychisch gestörte O'Hara ist einzig durch seine zwei Fetische angreifbar: Gold und blonde Frauen.
Und beide bringt Django gezielt zum Einsatz. Es kommt zum Showdown in einer verlassenen Ruine einer Kirche inmitten der Wüste. Die Abend und Nachtszenen erzeugen eine fast apokalyptische Stimmung.
O'Hara lässt Django sein eigenes Grab schaufeln - wer von beiden wird darin enden?

Wen die klingenden Namen sowie die Erscheinung von Parade-Bösewicht Luciano Rossi erfreut, der macht mit "Django – unbarmherzig wie die Sonne" einen guten Griff.
Der passende Soundtrack von Gianni Ferrio (u.a. komponierte er für "Blutspur im Park" oder "Das Grauen kam aus dem Nebel") ist eine nette Untermalung und wird zum Ende hin regelrecht düster, kann sich aber qualitativ nicht deutlich genug von anderen Western Soundtracks hervorheben.




Foto: schönes Digipack von Koch Media