Geisterdorf

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Italien März 17

Sonntag, 4. Januar 2015

AFYON OPPIO (1972)














THE OPIUM CONNECTION
Frankreich, Italien 1972
Regie: Ferdinando Baldi
DarstellerInnen: Ben Gazzara, José Greci, Malisa Longo, Silvia Monti, Fausto Tozzi, Luciano Catenacci, Luciano Rossi, Corrado Gaipa, Romano Puppo, Bruno Corazzari, Omero Capanna u.a.


Inhalt:
Joseph Coppola, ein Amerikaner mit italienischen Wurzeln, zieht sich aus dem Nachtclub-Business zurück, um sich fortan großen Deals im Drogenmilieu zu widmen. Schnell begreift er, dass in diesem Geschäftsfeld nichts ohne Kontakte läuft. Mit seinem Assistenten Tony reist er zuerst nach Istanbul. Vor Ort knüpft er Kontakte mit einem Opium-Hersteller, der ihm hilft, die Ware nach Sizilien zu schmuggeln.
In Italien erbittet Coppola Protektion vom Mafia Oberhaupt Don Calogero, der ihm verspricht, die Ware sicher nach New York zu verschiffen. Bald zeigt sich, dass Coppola niemandem trauen darf und allen Feinden und Neidern immer einen Schritt voraus sein muss, um den großen Drogendeal nicht mit seinem Leben zu bezahlen...


Opium auf dem Feld


Don Calogero (Gaipa) und Joseph (Gazzara)


Regisseur Ferdinando Baldi, der neben dem superben Genre-Klassiker "Blindman, der Vollstrecker" einige andere sehenswerte Italowestern auf die große Leinwand gezaubert hat, widmete sich im Jahr 1972 mit "The Opium Connection" intensiv der Mafia Historie.

Wir verfolgen den mühsamen Weg Joseph Coppolas (Ben Gazzara) vom kleinen Fisch zum großen Hecht (was sein Verhältnis zu Frauen betrifft wäre der Begriff "Hengst" passender) im Drogengeschäft.
Offenbar stand für die Produktion etwas mehr Geld zur Verfügung als in Anbetracht der Entstehungszeit und des Genres üblich. Gefilmt wurde neben Istanbul, Kappadokien und Sizilien auch in New York City.
"Klotzen, nicht kleckern" lautete wohl die Devise Baldis. Das ist zugleich auch das Motto des Hauptprotagonisten Coppola, der im großen Stil Opium kauft und dieses später in James Bond Manier vom Transportschiff klaut.

Neben einem Einblick in mafiöse Strukturen, undurchsichtige hinterlistige Machenschaften und hierarchische Verhältnisse innerhalb der Onorata Società erfährt man in "The Opium Connection" Details über die Herstellung und Verarbeitung von Mohn zu Opium und letztendlich zur hochwirksamen Droge Heroin.
Der ganze Prozess ist mitunter leider ein bisschen zäh inszeniert und manche Charaktere (beispielsweise der türkische Inspektor, der Coppola genaustens beobachtet) verlaufen ins Leere oder wirken befremdlich unmotiviert.
Die famos inszenierten Gewaltszenen und die Darstellung subtiler und offensichtlicher Bedrohung von konkurrierenden Mafiosi wären bei einer etwas strafferen Inszenierung sicherlich aussagekräftiger gewesen. Hätte sich Baldi doch ein Beispiel an Fernando Di Leo nehmen können...

Glücklicherweise tut dies der Unterhaltung aber keinen besonders nachteiligen Abbruch.
Zu meiner Verzückung und Entschädigung für den ein oder anderen Leerlauf geben sich aber scharenweise populäre und legendäre DarstellerInnen des italienischen Genrekinos der Siebziger die Ehre.
Wer freut sich nicht über ein Wiedersehen mit Malisa Longo ("Der Clan der Killer"), Silvia Monti ("Una lucertola con la pelle di donna"), Corrado Gaipa (der schmierige Anwalt aus "Das Syndikat" gibt hier den großen Mafiaboss Don Calogero), Omero Capanna (der als der Taubenspucker in "Milano Kaliber 9" in die Filmgeschichte einging), Luciano Rossi (der sadistische Hans Krutzer in "La morte accarezza a mezzanotte"), Romano Puppo (der Amokläufer von Mailand in "Racket"), Bruno Corazzari (wirkte in 63 Filmen mit, u.a. als dubioser Rotzkopf in "Der Mann ohne Gedächtnis") oder Luciano Catenacci (der glatzköpfige Bürgermeister in "Die toten Augen des Dr. Dracula")?
Bei dieser Besetzung würde ich mich von keinem Genre abschrecken lassen. Nicht einmal von einer seichten Liebeskomödie. Oder vielleicht doch? Egal.

"The Opium Connection" hat neben einem ernsten und realitätsnahen Grundtenor auch Originelles zu bieten.
Neben dem sehr eigentümlichen Soundtrack der De Angelis Brüder (nicht der Prog-Rock, sondern die undefinierbare Musik, die mit männlichem Grunzen oder Stöhnen unterlegt wurde) delektiert man sich an Absonderlichem (z.B. die Sahne-Szene...) und Amüsantem (z.B. die Mafiosi aus Marseille, die lieber eine französische Sauce gehabt hätten...).

Baldi zeigt dem geneigten Publikum auf realistische und zugleich dennoch leicht naive Weise den Werdegang (Aufstieg oder Untergang?) des Joseph Coppola.
Dieser ergötzliche Mafia-Film ist auf jeden Fall mehr als einen Blick wert und hätte definitiv eine Veröffentlichung verdient!