Geisterdorf

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Italien März 17

Montag, 10. Februar 2014

IL SUO NOME FACEMA TREMARE... INTERPOL IN ALLARME (1973)














LA PISTOLA - THE GUN
Frankreich, Italien 1973
Regie: Michele Lupo
DarstellerInnen: Lee van Cleef, Tony Lo Bianco, Edwige Fenech, Adolfo Lastretti, Nello Pazzafini, Romano Puppo, Fausto Tozzi u.a.


Inhalt
Nachdem einige seiner Männer von einem rivalisierenden Mafia-Clan ermordet wurden, reist der berüchtigte und gefürchtete Frankie "Dio" Diomede zwecks vendetta persönlich von Amerika nach Italien.
Doch seine Pläne werden vom gegnerischen Boss Annunziata mehr als ein Mal vereitelt und Dios Leute liegen schon bald unter der Erde oder sind auf die andere Seite übergelaufen.
Dummerweise sitzt Dio nun auch noch im Gefängnis fest.
Der Einzige, der ihn aus seiner misslichen Lage befreien möchte und durchgeknallt genug ist, den vom Thron gestoßenen Boss noch zu unterstützen, ist sein fanatischer und etwas zurückgebliebener Fan Tony.
In Ermangelung anderer Optionen greift Dio auf die Unterstützung Tonys zurück. Und so begibt sich das ungleiche Gespann auf einen Rachefeldzug...






In den ersten Szenen stellt man sich auf einen beinharten und brutalen Mafia-Film ein.
Doch spätestens mit dem Auftreten der Figur des Fanboys Tony wird man gezwungen, gedanklich innezuhalten und seine Erwartungshaltung etwas zu modifizieren.
Tony ist nämlich nicht mehr ganz jung, zieht sich lächerlich an und benimmt sich wie ein 14- jähriger Teenager, was die Verehrung seines Idols Diomede angeht.
Er spricht nicht nur ständig von dem Mafia-Boss oder versucht, ihn zu imitieren. Es ist ihm nicht einmal zu peinlich, ein riesiges Dio-Poster in seiner Küche aufzuhängen.
Auch seine "Annäherungsversuche" an sein Vorbild wirken absolut wie eine unbeholfen-kindliche Schwärmerei.
Das Ganze wird dann story-technisch noch unbegreiflicher, weil er für Dio sogar seine Freundin (gespielt von der schönsten Frau der Siebziger: Edwige Fenech) sitzen lässt.
Also wirklich! Wenn man die Fenech daheim hat, rennt man doch keinem abgehalfterten Gangsterboss nach...
Nun gut. Wenn man sich an den Charakter des Tony gewöhnt hat, macht der Film wirklich Laune.

"La Pistola" ist durchgängig unterhaltsam. Nicht nur wegen dem stoisch wirkenden Lee van Cleef  in der Rolle des Dio (der Charakter des Gangsters ist ähnlich angelegt wie in "Der Tod ritt dienstags"), sondern auch wegen seinen skurrilen Wendungen und den Auftritten unserer Genre-Helden.
Ich kann mich immer noch nicht entscheiden, ob mir Romano Puppo mit seiner Elvis Presley-Sonnenbrille im rosaroten Anzug oder Nello Pazzafini im schwarzen Netzhemd besser gefallen hat.

Der Film ist in machen Szenen etwas brutal und die ein oder andere Wendung tragisch, aber im Grunde genommen nimmt er sich selbst überhaupt nicht ernst.
Dio und Tony klauen einen Lastwagen, der mit Ölkanistern beladen ist, und versuchen so, über die italienisch-französische Grenze (Annunziata hält sich in Marseille auf) zu kommen.
Hierauf folgt eine Verfolgungsjagd, bei der immer wieder Polizisten mit ihren Autos die Straße blockieren, sich davor stellen und verzweifelt winken, um Dio zum Anhalten zu bewegen, bevor sie schließlich in letzter Minute zur Seite springen.
Die französische Polizei versucht ebenso erfolglos, das ungleiche Gespann aufzuhalten und ruft dann jedes Mal kurz vor einem Beinahe-Zusammenstoß noch "mon dieu!"
Ein paar "mon dieus" und ein in der Mitte zerteiltes Polizeiauto später kapern die Flüchtigen ein Boot und entkommen so doch noch den Fängen der Gesetzeshüter.
Das Finale in der Fischfabrik kann vom Actiongehalt her schon fast mit einem Castellari-Film mithalten.
Sehr schön ist der Soundtrack vom leider kürzlich verstorbenen Riz Ortolani, der sich so schnell einprägt, dass manche Leute (die sich an dieser Stelle auch angesprochen fühlen dürfen) meinen, ihn schon woanders gehört zu haben...

"La Pistola" ist ein ironisch-humoriger Poliziottesco, der bestimmt nicht bei allen Genre-Fans gut ankommt, mir aber wirklich viel Spaß gemacht hat.