Geisterdorf

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Italien März 17

Freitag, 23. Oktober 2015

GLI ORRORI DEL CASTELLO DI NORIMBERGA (1972)














BARON BLOOD
Deutschland, Italien 1972
Regie: Mario Bava
DarstellerInnen: Elke Sommer, Joseph Cotten, Antonio Cantafora, Massimo Girotti, Rada Rassimov, Umberto Raho, Luciano Pigozzi, Nicoletta Elmi u.a.


Inhalt:
Es waren düstere Zeiten, als der sadistische Baron Otto von Kleist noch  in seinem Schloss hauste und seine Folter- und Mordwerkzeuge an unschuldigen Bürgern testete. Doch diese sind schon lange vorbei. Peter Kleist, seines Zeichens ein Nachfahre des berüchtigten Barons, reist aus Amerika nach Österreich, um seinen Onkel zu besuchen und das Schloss seines berüchtigten Ahnen zu besichtigen. Im Gepäck hat er eine Beschwörungsformel der Hexe Elisabeth Holly, die den blutrünstigen Baron einst ins Jenseits befördert haben soll.
Da Peter ein experimentierfreudiger junger Mensch ist, schleicht er sich mit seiner neuen Bekannten Eva des nächtens ins Schloss, um die magischen Worte vor Ort auszusprechen. Fortan geschieht Unheimliches und die Morde rund um das Schloss mehren sich. Wurde der bösartige Baron durch die magischen Worte tatsächlich wiedererweckt?


Die HauptdarstellerInen in einem Bild


Angst


"Baron Blood" ist im Vergleich zu "Die Stunde wenn Dracula kommt" und anderen gotischen Gruselfilmen des Meister-Regisseurs Mario Bava nur wenig populär. Während andere seiner Filme mittlerweile Kultstatus erlangt haben, wird "Baron Blood" selbst unter Genre-Kennern eher marginal, wenn überhaupt, erwähnt.
Auch ich war von diesem Film über den wiedererweckten bösen Vorfahren bei der ersten Sichtung etwas enttäuscht. Und doch habe ich ihn über die Jahre und bei wiederholtem Ansehen immer mehr zu schätzen gelernt und möchte ihn in meiner persönlichen Film-Schatzkiste nicht missen.
Lieb gewonnen habe ich "Baron Blood" als ich gelernt habe, über schwache Drehbücher augenzwinkernd hinweg zu blinzeln und als ich endlich die Erkenntnis erlangte, dass es der Sache nicht dienlich ist, diese DVD nach 20 Uhr in den Player zu schieben... Es sei denn, man hat Einschlafprobleme - was bei mir ganz eindeutig nicht der Fall ist.

Heute sehe ich den Film mit anderen Augen und erfreue mich an der sympathischen Elke Sommer, die in aufreizenden kurzen Röcken und mit kunstvollem Augen-Make Up durch die Kulissen stolziert und die drollige Angewohnheit hat, sich vor Angst mehrere Finger in den Mund zu schieben und ihr Gesicht dadurch zu einer lustigen Grimasse zu verzerren.
Joseph Cotten, dessen Tendenz zum Over-Acting in diesem Film deutlich weniger ins Gewicht fällt als in "Insel der neuen Monster" beeindruckt durch seine bedrohliche Aura. Der amerikanische Schauspieler befand sich in dieser Phase seiner Karriere nicht gerade am Höhepunkt, und soll sich laut Insidern am Set sehr arrogant und zickig verhalten haben. Vermutlich benötigte er gerade etwas Geld, was erklären würde, weshalb er in den Siebzigern so manchem europäischen B-Movie auftaucht.
Rada Rassimov, die Schwester ihres ungleich bekannteren Bruders Ivan, gibt ihrer Rolle durch ihre enorme Leinwandpräsenz eine Glaubwürdigkeit, von der sich alle anderen Mitwirkenden mehr als eine Scheibe abschneiden könnten.


Faszinierend: Rada Rassimov


Das unheimlichste rothaarige Mädchen, das Italien zu bieten hatte, war ohne Zweifel Nicoletta Elmi. Die augenscheinlich sehr begabte Kinderdarstellerin, die von einer Minute auf die andere von einem einnehmenden kindlichen Charme zu einem geheimnisvollen dämonischen Gesichtsausdruck wechseln konnte, mimt ein übersinnlich begabtes Mädchen mit einer sinistren Aura.
Ähnlich wie in "Profondo Rosso" und "Il medaglione insanguinato" gibt Elmi ihren überzeugenden finsteren Blick zum Besten und trägt einen wesentlichen Teil zur schaurigen Atmosphäre von "Baron Blood" bei.

Einige im Vergleich zu anderen Bava-Filmen blutrünstige, gut gemachte Effekte und geschickt platzierte Eigenzitate (man vergleiche zum Beispiel das vermeintliche Ende der bösen Hexe Asa Vajda in "Die Stunde wenn Dracula kommt" mit der Eisernen-Jungfrau-Szene Pigozzis in "Baron Blood") bewahren den Film vor allzu vielen Belanglosigkeiten.
Dass "Baron Blood" stilistisch nicht ganz so exakt durchkomponiert ist wie beispielsweise "Blutige Seide" oder "Die drei Gesichter der Furcht" wird wiederum durch die besonders schöne österreichische Burg Kreuzenstein als Kulisse wieder etwas ausgeglichen. (Fotos von der Burg findet ihr hier).
Wie man in der "Bava-Bibel" des Experten Tim Lucas nachlesen kann, soll der Maestro den Produzenten Alfredo Leone vor Freude über die Wahl des Drehorts sogar umarmt und geküsst haben. Kein Wunder beim Anblick dieses die Phantasie anregenden Bauwerks.

Äußerst gelungen sind besonders die trippigen Töne des Soundtracks (besonders der Song "Black Magic"), komponiert vom vielseitigen Komponisten Stelvio Cipriani.

"Baron Blood" ist der letzte Gotik-Film dieses Meisterregisseurs. Zugegeben kein Meisterwerk, aber im Vergleich zu dem meines Erachtens in vielen Szenen peinlicheren "Shock" ein sehenswerter Gruselfilm. Empfohlen für fortgeschrittene Bava KennerInnen.


Aktuelle Fotos des Drehorts Burg Kreuzenstein und Screenshots findet ihr hier




Foto: Die Sammlung eines Fanatikers




Foto: Wunderschöne VÖ von Koch Media






Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)