Donnerstag, 23. April 2015

SETTE UOMINI D'ORO (1965)














SIEBEN GOLDENE MÄNNER
Italien 1965
Regie: Marco Vicario
DarstellerInnen: Rossana Podestà, Philippe Leroy, Gastone Moschin, Gabriele Tinti, Giampiero Albertini, Dario De Grassi, Manuel Zarzo, Maurice Poli, Ennio Balbo, Renzo Palmer u.a.


Inhalt:
Ein Engländer namens Albert, "Professor" genannt, führt eine internationale Gruppe von sechs Spezialisten im Bereich des Einbrechertums an.
Nach einem verpatzten Auftrag in London geht es nun an die Schweizer Goldreserven, vermeintlich sicher verwahrt in einer Bank in Genf.
Doch der Professor ist sich des Erfolgs gewiss, denn er verfügt über einen minutiös ausgeklügelten Plan. Bekanntermaßen sind auch die besten Konzeptionen nicht vor menschlichen Fehlern gefeit.
Wird der Coup gelingen oder werden die Profis doch noch in der letzten Minute scheitern?


Der Professor lenkt seine Leute aus der Ferne...


...und da sitzen sie


"Heist-Movies" bilden eine kleine Unterkategorie innerhalb des Thrillers. In Filmen dieser Art geht es zumeist um die Planung und Durchführung spektakulärer Verbrechen, vor allem Einbrüche, die den als sympathisch dargestellten Ganoven großen Reichtum bringen sollen.
Im goldenen Zeitalter des italienischen Kinos wurde bekanntlich kein Genre ausgelassen und so kam es, dass sich Regisseur Marco Vicario im Jahre 1965 dieses vorzüglich unterhaltenden Stoffes annahm.
Dabei legte er ein bemerkenswert feines Gespür für die Auswahl der Darsteller an den Tag.
Denn zum damaligen Zeitpunkt waren Philippe Leroy ("Yankee", "Femina Ridens"), Gastone Moschin (der als Ugo Piazza in "Milano Kaliber 9" in die Filmgeschichte einging), Maurice Poli (der "Dottore" in "Wild Dogs"), Renzo Palmer ("Ein Bürger setzt sich zur Wehr"), Gabriele Tinti (Mascaranti in "Das Grauen kam aus dem Nebel") vergleichsweise noch relativ kleine Nummern im großen Filmgeschäft.
Das hohe Niveau der schauspielerischen Darbietung dieser Männer trägt nicht unwesentlich auch zur Qualität dieses Films bei.

"Sieben goldene Männer" ist eine wahre Entertainment-Kanone.
Sobald klar ist, wer die Protagonisten sind und welchen Plan sie verfolgen, fiebert man automatisch mit den kauzigen Verbrechern mit. Jede noch so kleine Panne lässt den Pulsschlag ein bisschen beschleunigen und was sich der Professor (respektive der Drehbuchautor) so alles einfallen lassen hat, versetzt einen wahrlich in Verzücken.
Als Straßenarbeiter getarnt tauchen der Deutsche Arthur, im O-Ton Adolf genannt (Moschin), der Italiener Aldo (Tinti), der Portugiese Augusto (Albertini), der Irländer Anthony (De Grassi), der Spanier Alfonso (Zarzo) und der Franzose Alfred (Poli) am helllichten Tag auf einem viel befahrenen Platz in Genf in die Trinkwasser-Kanalisation ab.
Ein Empfänger, dessen Peilsender kurz zuvor von der schönen Giorgia in der Bank, nahe des Tresors postiert wurde, weist ihnen dabei den Weg.
Sie müssen tauchen, bohren und überhaupt ordentlich körperlich schuften.
Währenddessen überwacht ihr Boss Albert die ganze Operation von einem Fenster mit guter Aussicht auf den Ort des Geschehens und gibt per Funk Anweisungen.

Dialog zwischen Polizist und einem Arbeiter, der vom Portugiesen bewusstlos geschlagen wurde:
"Würden Sie ihn wiedererkennen?"
"Natürlich, dieses Ganoven-Gesicht, das er hatte! Ein kleiner Dicker. Hatte stechende Augen, wie ein Verrückter!"


Der Portugiese


Es wäre wünschenswert gewesen, dass der ursprünglich in der Theaterwelt beheimatete Giampiero Albertini in mehr als einer Handvoll Poliziotteschi, B-Western und einigen TV-Serien mitgespielt hätte. Wirklich ein Mann mit Format.
In seiner Rolle überzeugt und er auf ganzer Linie und versprüht besonders viel Witz und Charme. Der Portugiese im international besetzten Handlanger-Sextett beweist Humor und Bauernschläue und schafft es, die Truppe aus der ein oder anderen brenzligen Situation zu retten.

Albert zu Giorgia:
"Ich habe dich vorhin beobachtet, wie du zur Bank gegangen bist. Es hat mir einen höllischen Spaß gemacht, zu wissen, dass du unter dem Pelz fast nackt warst. Fast nackt! Und nur ich habe das gewusst."


Eines der vielen Gesichter Giorgias


Giorgia wird gespielt von Rossana Podestà. Die in der damaligen italienischen Kolonie in Tripolis (Libyen) aufgewachsene Schauspielerin war eine Leinwand-Diva par excellence und wurde bereits in den Fünfzigern als Femme fatale besetzt.
In "Das Schloss des Grauens" wirkte die Mimin in ihrem Nachthemd dagegen relativ brav und beinahe unscheinbar.
In "Sieben goldene Männer" ist sie wahrlich eines der Glanzstücke des ganzen Films.
Giorgia hat die Rolle der durchtriebenen Verführerin inne, die es versteht, sich schnell ihrer Umgebung anzupassen und in eine der Situation angemessene neue Rolle zu schlüpfen. Die abwechslungsreichen, zum Teil kaum ihre Blöße verdeckenden Outfits, ihr Make-Up und die unterschiedlichen Perücken bringen ihre Schönheit immer wieder auf andere Art zur Geltung.
Anfangs betritt sie mit schwarzblauer Kurzhaarperücke, leichenblassem Teint und dunkel geschminkten Augen, die Bank. Ihre vampirhafte Aura würde sogar Erzebeth Bathory vor Neid erblassen lassen.
Kurz darauf räkelt Giorgia sich im durchsichtigen schwarzen Catsuit vor Alberts Nase auf der Couch, um dann wenige Zeit später in eine Art mintfarbene Federstola gewickelt einen Polizisten, der an der Tür klopft, beinahe um den Verstand zu bringen.

Dialog über Funk:
"Hallo Professor, hallo Professor. Der Idiot von Portugiese hat das Gas zu früh aufgemacht!"
"Beruhigt euch! Der Idiot von Portugiese hat den Schieber schon wieder geschlossen."

"Sieben goldene Männer" ist mehr action- denn dialoglastig, aber wenn gesprochen wird, dann in deutlichen Worten mit kultigen Sprüchen. Die deutsche Synchro ist sagenhaft gut gelungen und erzeugt (neben dem zähflüssig von der Stoßstange tropfendem "Schnee") zwangsläufig den ein oder anderen Schmunzler oder ein breites Grinsen.
Zum Ende hin wird es dann nochmal richtig rasant, sodass einem vor lauter atemberaubender Wendungen beinahe schwindlig werden könnte, bevor die Handlung in ein furioses und spaßiges Finale mündet.

"Sieben goldene Männer" kann es sowohl von der Besetzung als auch vom Unterhaltungs-Faktor her locker mit dem populäreren "Top Job - Diamantenraub in Rio" aufnehmen.

Leider ist der Film bislang im deutschsprachigen Raum nur auf Video (in Japan auf Blu Ray) erschienen.
Dieser Film hätte eine würdige Veröffentlichung absolut verdient.