Samstag, 18. Oktober 2014

UN POLIZIOTTO SCOMODO (1978)














CONVOY BUSTERS
Italien 1978
Regie: Stelvio Massi

DarstellerInnen: Maurizio Merli, Olga Karlatos, Massimo Serato, Nello Pazzafini, Luigi Casellato, Roberto Messina u.a.


Inhalt:
Francesco Olmi arbeitet bei der römischen Mordkommission. Er ist nicht nur ehrgeizig, sondern auch schießwütig und darum als Polizist wohl etwas umstritten. Böse Zungen würden vielleicht sogar behaupten, er sei eine tickende Zeitbombe. Als er versucht einen Schmugglerring aufzudecken, dessen Drahtzieher in höchsten gesellschaftlichen Kreisen verkehren, gerät er selbst in die Schusslinie der Gangster und wird von einem korrupten Richter gnadenlos ausgebremst.
Olmi lässt sich "ans Meer" versetzen und begegnet dort alten Bekannten. Hier wird illegaler Handel mit Diamanten und Waffen betrieben.
Kann er den Fall doch noch lösen und den Schmugglerring entlarven?


Olmi verbissen


Olmi romantisch


Zweifelsohne war unser "Kommissar Eisen" aka Maurizio Merli ("Verdammte, heilige Stadt") im Jahre 1978 auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Zumindest, was die Quantität seiner Werke betrifft. Immerhin erschienen in diesem Jahr ganze sechs Filme mit ihm in einer tragenden Rolle.
Und genau das ist es, was Merli in "Convoy Busters" macht – er trägt den Film über die gesamte Laufzeit.
Die Handlung wirkt etwas lose zusammengeschustert. Manche Episoden verlaufen ins Leere und manche Charaktere verschwinden kommentarlos ins Nirvana, aber das ist nicht weiter schlimm.
Denn Kommissar Olmi unterhält bestens – zumindest, wenn man (wie ich) auch gerne mal Filme ohne besonders tiefschürfende Thematik genießt.

"Wenn der nicht redet, schlägt der Kommissar immer fester zu."

"Naja, der verliert leicht die Beherrschung."

Dialog zwischen zwei Polizisten, die zusehen, wie Olmi einen Zeugen "bearbeitet".

Der in seiner Radikalität unübertroffene Olmi pflegt nicht nur seine Zeugen (und sogar Zeuginnen!) zu verprügeln, sondern auch keine Festnahmen zu machen.
Am Ende seines Einsatzes sind nämlich immer alle Verbrecher tot. Sie werden erschossen, vom Hubschrauber aus in Moorhuhnjagd-Manier abgeknallt oder samt Auto in die Luft gesprengt.
Im Eifer des Gefechts kann es auch schon mal vorkommen, dass ein Unschuldiger vor die Kugel des Kommissars läuft, was allerdings nicht geahndet wird. Wie Olmi das bewerkstelligt, bleibt wohl auf ewig sein Geheimnis.
Die Vorgehensweise des Kommissars missfällt nicht nur dem Schmugglerring (der ihn eines Nachts vor seiner Haustür sogar offen attackiert), sondern auch der Presse, die Olmi's "Hau drauf, bevor du fragst"-Methode gar nicht gut heißt.

"Hat der Kommissar von der Mordkommission schon seinen neuen Posten übernommen?"

"Der kann jeden Moment hier sein."

"Der Schlendrian ist zu Ende. Man sagt ja, er ist eine harte Nummer."

Dialog auf einer Polizeistation in Civitanova Marche

Als ihm dann alles zu blöd wird, räumt er seinen Schreibtisch und fährt in die Marken, wo er in einer kleinen Polizeistation in Civitanova Marche (übrigens der Heimatstadt des Regisseurs) seinen neuen Kollegen etwas Dampf macht und zeigt, wie seiner Meinung nach gearbeitet werden muss.
Hier geht man die Dinge allgemein etwas gemütlicher an und ab Mitternacht entspannt man sich bei der erotischen Serie namens "Goldene Träume", die auf dem lokalen Privatsender über den Bildschirm flimmert.
Ab diesem Zeitpunkt reduziert sich das Tempo des Films merklich und geht von eher actionlastigen und kompromisslosen Szenen über zu mehr gesetzeskonformer polizeilicher Ermittlungsarbeit.

Die vorangegangenen Ereignisse in Rom scheinen an Olmi nicht spurlos vorüber gegangen zu sein. Er wirkt beinahe geläutert, scheint seine eigene Gewalttätigkeit ablegen zu wollen und bemüht sich offensichtlich um konventionellere Methoden bei der Verbrechensbekämpfung.
In dem beschaulichen Küstenort lernt der nun etwas gelassenere Kommissar schließlich die sympathische Anna (Olga Karlatos) kennen, die auf seine Beschützer-Nummer abfährt und treu ergeben zu ihm aufblickt.
Die schöne Olga Karlatos ("Keoma", "Woodoo") hat natürlich eine etwas undankbare Rolle als Olmis Gespielin, in der sie definitiv unterfordert ist.
Aber um sie geht es ja nicht. Olmi muss immer und überall im Mittelpunkt stehen.

Der Film bot Maurizo Merli, der oft als ausnahmslos knallhart agierender Superbulle besetzt wurde, jedenfalls Gelegenheit, sich auch mal von einer sanfteren Seite zu zeigen.
Die Romanze mit Anna ist geschickt in die Handlung eingebaut und bietet eine Art Überleitung zu zwei Schlüsselszenen, eine davon im furiosen Finale des Films.
Erwähnenswert ist auch der coole Score von Stelvio Cipriani, der zwar ebenfalls in "Blutiger Schatten" verwendet wurde, aber auch in "Convoy Busters" nicht unpassend wirkt.

Der Film bietet sogar den ein oder anderen (nicht ganz ernst gemeinten) Lerneffekt:
1. Gewalt kann nicht mit Gewalt bekämpft werden - oder vielleicht doch?!?
2. Für die Beendigung einer Geiselnahme benötigt man kein Sondereinsatzkommando.
    Es reicht ein einziger Olmi!

"Convoy Busters" lohnt sich - für Fans von Maurizio Merli und alle, die das unkonventionelle, temporeiche und nicht immer ganz bierernste italienische Kino der Siebziger lieben.

Das Label FilmArt hat unlängst eine tolle Veröffentlichung von "Convoy Busters" auf den Markt gebracht und das nette Bonusmaterial von NoShame, das uns den Schauspieler und Menschen Maurizio Merli, der leider sehr jung (im Alter von 49 Jahren) verstarb, anhand von Interviews mit Familie, Freunden und Wegbegleitern aus dem Showgeschäft näher bringt, dazugepackt.
Mit der kultigen deutschen Synchro macht "Convoy Busters" erst so richtig Spaß!




Foto: DVD von NoShame und FilmArt