Sonntag, 12. Oktober 2014

LA POLIZIA E' SCONFITTA (1977)














SONDERKOMMANDO INS JENSEITS
Italien 1977
Regie: Domenico Paolella
DarstellerInnen: Marcel Bozzuffi, Vittoria Mezzogiorno, Riccardo Salvino, Nello Pazzafini, Ivana Novak u.a.


Inhalt:
Üble Zeitgenossen treiben ihr Unwesen in Bologna. Allen voran der Ganove Valli, der mit seinen Männern Schutzgelderpressung betreibt und zahlungsunwillige Geschäftsmänner samt KundInnen in die Luft sprengt.
Kommissar Grifi sieht sich angesichts des organisierten Verbrechens nicht mehr in der Lage die Stadt zu beschützen und stellt mit dem Sanktus seines Vorgesetzten eine Spezialeinheit zusammen.
Der Krieg zwischen der Polizei auf der einen Seite und Valli und seinen Schergen auf der anderen Seite ist schnell entfacht und fordert zahlreiche Opfer.
Ist der skrupellose Valli zu stoppen?


Valli - stets freizügig


Training im Steinbruch: Das Sonderkommando


Die Handlung von "Sonderkommando ins Jenseits" (wenn man den Film kennt, fällt auf: der deutsche Titel ist eigentlich gar nicht so unpassend, aber verdammt zynisch) ist schnell erzählt.
Es geht um den Kampf der Polizei gegen das organisierte Verbrechen, insbesondere den psychopathischen Oberbösewicht Valli, gespielt von Vittorio Mezzogiorno (auch gut in: "Die letzte Rechnung schreibt der Tod").
Letzterer kann sich in Punkto Bösartigkeit sogar mit Psycho Nanni Vitale (Rolle Helmut Bergers in "Der Tollwütige") messen. Er hat einen nicht zu verleugnenden Hang zum Sadismus und wirkt wie der Lehrbuch-Soziopath schlechthin.
Vallis Erscheinungsbild ist unverkennbar, nicht nur wegen seines kantigen Gesichts, sondern auch wegen seinem speziellen Markenzeichen: er trägt kein T-Shirt.
Klingt lustig. Ist es auch. Die gesamte Filmlaufzeit über ist der sonnengebräunte Valli lediglich mit einer weißen Jacke, deren Reißverschluss bis wenige Zentimeter über dem Hosenbund offen ist, bekleidet. Und wenn er die Jacke gerade mal nicht am Leib trägt, stellt er seinen Oberkörper ungeniert zur Schau.


Nello schaut nach "seinen Mädchen"

Nello Pazzafini erweist sich wie immer als exzellente Besetzung für zwielichtige Gestalten. Diesmal spielt er einen unglückseligen Zuhälter, der zuerst Schwierigkeiten mit der Polizei bekommt und dann in die Fänge von Vallis Gang gerät. Sein Schicksal wird mir wohl in Erinnerung bleiben, wenn andere Szenen schon längst in Vergessenheit geraten sind.

"Wie gefällt dir der Film?"
"Lustig. Aber brutal." (Mauritia)


Dieser kurze Dialog fand so tatsächlich während meiner gestrigen Erstsichtung von "Sonderkommando ins Jenseits" statt.
Im Unterschied zum sehr ähnlichen "Kaliber 38", in dem Marcel Bozzuffi ("Das Syndikat des Grauens") ebenfalls den Kommissar und Gründer der Spezialeinheit und Riccardo Salvino ebenfalls ein Mitglied seiner kampflustigen Truppe spielt, ist "Sonderkommando ins Jenseits" wesentlich härter.
In drastischen Bildern, die erstaunlich realistisch aussehen (manche sind sogar real, man erinnere sich an die "Verbrechens-Diashow" des Kommissars) wird der Terror des Rackets und der Drogenmafia in Bologna auf die Leinwand projiziert.
Mit Blut wurde definitiv nicht gegeizt, weshalb in Deutschland die FSK den Film auf den Index gesetzt hat.

Neben vielen und heftigen Gewalttätigkeiten (u.a. ein heftiger Messer-Mord, der jedem Giallo Konkurrenz macht) liegt der Schwerpunkt auf den gezeigten Stunts. Wilde Verfolgungsjagden, manche davon aus Motorradfahrer-Perspektive gefilmt, explodierende Autos und Schusswechsel während der Fahrt halten die etwas dünne Story ordentlich auf Trab.
Die in Filmen wie "Die Banditen von Mailand" oder "Das Syndikat" immanente Sozial- bzw. Systemkritik bleibt außen vor, man kann sich entspannt zurücklehnen und dem wilden Spektakel, das auch wild tanzende halb nackte Frauen mit einschließt, beiwohnen.

"La polizia è sconfitta" (in etwa: "Die Polizei ist besiegt") - Der Name ist Programm!


Die Elitetruppe von Kommissar Grifi trainiert gefühlt wochenlang in einem verlassenen Steinbruch, lernt schießen wie Django, wird im Nahkampf und der Motorrad-Akrobatik trainiert.
Und dennoch stinken sie gegen Valli nacheinander ab. Nach dem 10 kleine Negerlein Prinzip wird die Sondereinheit der Polizei kontinuierlich dezimiert und Kommissar Grifi zunehmend jähzorniger.
Es hilft alles nichts – er muss selbst ran. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Valli ihm die persönliche Feindschaft erklärt hat und ihn offen attackiert.

Der spektakuläre Showdown ist konsequent und passt zum Muster des vorangegangenen Treibens. Doch warum nur gehen mir diese Assoziationen zur Zombie-Apokalypse nicht aus dem Kopf?
Seht selbst!
Langeweile – Fehlanzeige. Doch Achtung: wer es gerne etwas tiefgründiger und weniger brutal mag, tut sich mit diesem Poliziottesco keinen Gefallen.




Foto: italienische DVD von Cecchi Gori und die Blu Ray von Raro Video