Sonntag, 14. Juli 2019

LINK (1986)














LINK, DER BUTLER

GB, USA 1986
Regie: Richard Franklin
DarstellerInnen: Elisabeth Shue, Terence Stamp, Steven Pinner, Richard Garnett, David O'Hara, Joe Belcher, Linus Roache u.a.

Inhalt:
Die amerikanische Zoologiestudentin Jane macht fernab der Zivilisation ein Praktikum bei Professor Dr. Phillip, der auf seinem schottischen Landsitz Studien über Affen betreibt. Als der gute Professor von einem Moment auf den anderen spurlos verschwindet und der sich gerne als Hausbutler und Familienmitglied präsentierende Affe Link zunehmend bedrohlich verhält, gerät Jane in Panik...


Link, wenn er nicht gut drauf ist


Exzentrischer Prof (Stamp) und naive Studentin (Shue)


Es gibt einige Filme, die seit meiner frühen Kindheit zu treuen cineastischen Begleitern durch mein Leben geworden sind und bei denen meine Texte unweigerlich autobiographische Züge annehmen.
Wenn ich "Link, der Butler" ansehe, fühle ich mich manchmal wieder wie das kleine Mädchen von damals, das mit seinem Großvater auf der Couch sitzt und den Nervenkitzel, den der Film hervorruft, genießt.
Mein lieber Opa, der mich einige Zeit auch bei meiner cineastischen Sozialisation begleitete, handhabte es immer so, dass er einen Film für seine gruselfanatische Enkelin aussuchte und auf Video aufnahm. Dann schaute er ihn zuerst allein an, um zu entscheiden, ob er mir gewisse Szenen zumuten wollte oder konnte.
Diese Praxis führte unter Anderem dazu, dass ich eine Aufnahme von "American Werewolf" auf Kassette hatte, in der man sowohl bei der Dusch-Sex-Szene von David und der Krankenschwester Alex als auch bei der Szene im Pornokino nur den Ton (Stöhnen und Musik) hörte, aber kein Bild sehen konnte. Alles mit Blut, die Zerfleischungsszenen oder wie der Werwolf dem Kommissar den Kopf abbeißt, war aber ungekürzt. Diese Absurdität amüsiert mich heute noch manchmal.
"Link" war zusammen mit Hitchcocks "Die Vögel" mein etwa zeitgleich stattfindender erster Ausflug in die Welt des Tier-Horrors, bei dem ich irgendwas zwischen 8 und 10 Jahre alt gewesen sein dürfte.
Wie ich heute weiß, gibt es sogar eine Verbindung zwischen den beiden Filmen. Denn sowohl beim Affen-Thriller als auch beim Vogel-Horror war Ray Berwick, einer der herausragendsten Dresseure Hollywoods, für die bzw. mit den animalischen ProtagonistInnen im Einsatz.

Nachdem mein Großvater nun also entschieden hatte, ob der Film für mich geeignet ist (glücklicherweise traute er mir immer viel Abstraktionsvermögen zu), folgte eine gemeinsame Sichtung, bei der er (wie ich erst später verstanden habe) meine Reaktion auf das Gezeigte genau beobachtete. Dabei erläuterte er mir ab und an auch interessante (lebenspraktische) Dinge, von denen ich damals nebst vielen banalen Infos am spannendsten fand wie man einen Molotow Cocktail baut und woher der Name stammt (anhand "Critters – sie sind da") oder dass man mit einer Schrotflinte tatsächlich durch eine Holztür schießen kann (in "Link, der Butler" zu sehen). Praxiswissen eines ehemaligen Fremdenlegionärs eben.

Wenn mir etwas gefällt, werde ich zur Wiederholungstäterin, weswegen ich einige meiner Lieblings-Genrefilme aus dieser Zeit heute noch zu weiten Teilen auswendig kann.
Durch die nostalgisch getönte Brille betrachtet, ist "Link, der Butler" immer noch ein bemerkenswert guter Thriller.
Terence Stamp mimt den kauzigen Professor, der von seiner Familie verlassen wurde und seine Zeit in erster Linie in der abgelegenen Wildnis Schottlands mit dressierten Affen verbringt, ebenso enthusiastisch und authentisch wie Elizabeth Shue die etwas einfach gestrickte Amerikanerin Jane Chase.
Unsere liebe Janie, die zwar Zoologie studiert, doch Dr. Phillip auf seine Frage, ob sie kochen und putzen kann allen Ernstes und mit ehrlicher Entrüstung antwortet, das sei ihr als Frau doch in die Wiege gelegt und die der Meinung ist, dass man den Schimpansen Imp (trotz klaren Anweisungen und Verhaltensregeln des Profs) wie ihre Babysitting-Schützlinge behandeln muss, ist für meinen Geschmack das größte Manko an der Geschichte.


Das Anwesen Dr. Phillips


Das Grundgerüst des Thrillers baut auf die Abgeschiedenheit von der menschlichen Zivilisation, das Zusammenleben mit unberechenbaren und potentiell gefährlichen Tieren und einem ebenso unberechenbaren verrückten Akademiker.
Alle Aufnahmen mit den nicht menschlichen Stars dieses Films mussten im Studio nachgedreht werden und zum Leidwesen von Regisseur Franklin bis zum Erbrechen wiederholt werden, damit schlussendlich ausreichend gutes Material für die Schnitte zur Verfügung stand. Der Dreh selbst soll einigen Zitaten von Mitwirkenden zufolge niemandem besonders Spaß gemacht haben, wobei ich von den Affen nirgendwo ein Statement finden konnte. Und wenn die sich äußern könnten, würden sie bestimmt auch kundtun, dass sie nicht besonders erpicht auf ihre Rollen waren.
Der Orang-Utan Locke, der Link spielte, musste bestimmt Einiges über sich ergehen lassen, damit man ihm mit seinem rasierten und gefärbten Fell und den Ohr-Prothesen ein schimpansenartiges Aussehen verleihen konnte.


Janie denkt, Affen behandelt man am besten wie Babies


Die Gefahren von Verniedlichung und Vermenschlichung von Tieren, auch wenn sie uns in manchen Dingen ähnlich sind und unsere Verhaltensweisen imitieren sowie die Frage von artgerechter Tierhaltung und Tierversuchen werden leider nur oberflächlich angekratzt.
Das kritische und philosophische Potential des Films rückt zugunsten der Actionszenen deutlich in den Hintergrund. Auch der chronologische Ablauf mancher Sequenzen erweckt bisweilen den Anschein, als hätten sich die Verantwortlichen ab und an irgendwie verzettelt.

Dennoch ist "Link, der Butler" ungemein kurzweilig und unterhaltsam. Natürlich wegen des titelgebenden Orang-Utans Link. Link, der Meister des Feuers, ist ein ehemaliger Zirkusaffe, der schon lange beim Professor lebt, angeblich gerne Butler Kleidung trägt und gelernt hat, wie man Streichhölzer anzündet und Zigarren raucht.
Er, der jüngere Schimpanse Imp ("Er liebt Katzen." "Warum kaufen Sie ihm keine?" "Weil er sie frisst."), der sein Kindchen Schema sehr gut zu nutzen weiß, es in Wirklichkeit aber faustdick hinter den Ohren hat und die schwer kontrollierbare Schimpansin Voodoo sind die eigentlichen Attraktionen und Stars des Films.
Doch ohne den fulminanten Soundtrack des Oscar prämierten Meisterkomponisten Jerry Goldsmith ("Das Omen", "Poltergeist") wäre "Link, der Butler" nur halb so effektiv. Meiner Meinung nach gehören auch die Stücke für diesen Film zu dem Besten, was Goldsmith je komponiert hat.
Da "Link, der Butler" jedoch nie einen höheren Bekanntheitsgrad erlangte, wurde seine Leistung auch nicht entsprechend honoriert.


Schöne schottische Landschaft


Die für mich untrennbar mit dem Film verknüpfte deutsche Synchronisation ist im direkten Vergleich mit dem Original äußerst lebendig und stimmig und sogar etwas humorvoller und dramatischer als der Originalton. Doch leider existiert bis dato keine deutschsprachige Veröffentlichung in guter Qualität, weshalb ich nun auf die Blu Ray von Kino Lorber zurückgreifen musste.
Mit der schönen Bildqualität kommen nicht nur die ästhetischen Landschaftsaufnahmen, sondern auch die kunstvollen Kamerafahrten und nicht zuletzt die Linsen, die für die Aufnahmen aus "Affen-Perspektive" gewählt wurden, hervorragend zur Geltung.
Und auch die allerletzte Einstellung des Films, die dem vermeintlichen Happy End eine zynische und zugleich augenzwinkernde Nuance verleiht, ist endlich ganz deutlich erkennbar.

"Link, der Butler" ist meiner Meinung nach ein zeitloser und immer noch zu wenig gewürdigter Klassiker des sich tendenziell in B- und C-Movie Gefielden dümpelnden Tierhorror Genres, von dem er sich aufgrund seiner hervorragenden stilistischen Qualität und Ästhetik und dem virtuosen Soundtrack deutlich abhebt.




Foto: Blu Ray von Kino Lorber