LINK, DER BUTLER
GB, USA 1986
Regie: Richard Franklin
DarstellerInnen: Elisabeth Shue,
Terence Stamp, Steven Pinner, Richard Garnett, David O'Hara, Joe
Belcher, Linus Roache u.a.
Inhalt:
Die amerikanische Zoologiestudentin
Jane macht fernab der Zivilisation ein Praktikum bei Professor Dr.
Phillip, der auf seinem schottischen Landsitz Studien über Affen
betreibt. Als der gute Professor von einem Moment auf den anderen
spurlos verschwindet und der sich gerne als Hausbutler und
Familienmitglied präsentierende Affe Link zunehmend
bedrohlich verhält, gerät Jane in Panik...
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Link, wenn er nicht gut drauf ist |
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Exzentrischer Prof (Stamp) und naive Studentin (Shue) |
Es gibt einige Filme, die seit meiner
frühen Kindheit zu treuen cineastischen Begleitern durch mein Leben geworden sind und
bei denen meine Texte unweigerlich autobiographische Züge annehmen.
Wenn ich "Link, der Butler" ansehe,
fühle ich mich manchmal wieder wie das kleine Mädchen von damals,
das mit seinem Großvater auf der Couch sitzt und den Nervenkitzel,
den der Film hervorruft, genießt.
Mein lieber Opa, der mich einige Zeit auch bei meiner cineastischen Sozialisation begleitete, handhabte es immer so, dass er einen Film für seine gruselfanatische Enkelin aussuchte und auf Video aufnahm. Dann schaute er ihn zuerst allein an, um zu entscheiden, ob er mir gewisse Szenen zumuten wollte oder konnte.
Diese Praxis führte unter Anderem dazu, dass ich eine Aufnahme von American Werewolf auf Kassette hatte, in der man sowohl bei der Dusch-Sex-Szene von David und der Krankenschwester Alex als auch bei der Szene im Pornokino nur den Ton (Stöhnen und Musik) hörte, aber kein Bild sehen konnte. Alles mit Blut, die Zerfleischungsszenen oder wie der Werwolf dem Kommissar den Kopf abbeißt, war aber ungekürzt. Diese Absurdität amüsiert mich heute noch manchmal.
Mein lieber Opa, der mich einige Zeit auch bei meiner cineastischen Sozialisation begleitete, handhabte es immer so, dass er einen Film für seine gruselfanatische Enkelin aussuchte und auf Video aufnahm. Dann schaute er ihn zuerst allein an, um zu entscheiden, ob er mir gewisse Szenen zumuten wollte oder konnte.
Diese Praxis führte unter Anderem dazu, dass ich eine Aufnahme von American Werewolf auf Kassette hatte, in der man sowohl bei der Dusch-Sex-Szene von David und der Krankenschwester Alex als auch bei der Szene im Pornokino nur den Ton (Stöhnen und Musik) hörte, aber kein Bild sehen konnte. Alles mit Blut, die Zerfleischungsszenen oder wie der Werwolf dem Kommissar den Kopf abbeißt, war aber ungekürzt. Diese Absurdität amüsiert mich heute noch manchmal.
"Link" war zusammen mit Hitchcocks "Die Vögel" mein etwa zeitgleich stattfindender erster Ausflug in die Welt des Tier-Horrors, bei dem ich irgendwas zwischen 8 und 10 Jahre alt gewesen sein dürfte.
Wie ich heute weiß, gibt es sogar eine Verbindung zwischen den beiden Filmen. Denn sowohl beim Affen-Thriller als auch beim Vogel-Horror war Ray Berwick, einer der herausragendsten Dresseure Hollywoods, für die bzw. mit den animalischen ProtagonistInnen im Einsatz.
Wie ich heute weiß, gibt es sogar eine Verbindung zwischen den beiden Filmen. Denn sowohl beim Affen-Thriller als auch beim Vogel-Horror war Ray Berwick, einer der herausragendsten Dresseure Hollywoods, für die bzw. mit den animalischen ProtagonistInnen im Einsatz.
Nachdem mein Großvater nun also entschieden
hatte, ob der Film für mich geeignet ist (glücklicherweise traute
er mir immer viel Abstraktionsvermögen zu), folgte eine gemeinsame Sichtung,
bei der er (wie ich erst später verstanden habe) meine Reaktion auf
das Gezeigte genau beobachtete. Dabei erläuterte er mir ab und an auch interessante (lebenspraktische) Dinge, von denen ich damals nebst vielen banalen Infos am spannendsten fand wie man einen Molotow Cocktail baut und woher der Name stammt (anhand "Critters
– sie sind da") oder dass man mit einer Schrotflinte tatsächlich
durch eine Holztür schießen kann (in "Link, der Butler" zu
sehen). Praxiswissen eines ehemaligen Fremdenlegionärs eben.
Wenn mir etwas gefällt, werde ich zur
Wiederholungstäterin, weswegen ich einige meiner
Lieblings-Genrefilme aus dieser Zeit heute noch zu weiten Teilen auswendig
kann.
Durch die nostalgisch getönte Brille
betrachtet, ist "Link, der Butler" immer noch ein bemerkenswert
guter Thriller.
Terence Stamp mimt den kauzigen
Professor, der von seiner Familie verlassen wurde und seine Zeit in
erster Linie in der abgelegenen Wildnis Schottlands mit dressierten
Affen verbringt, ebenso enthusiastisch und authentisch wie Elizabeth Shue die etwas
einfach gestrickte Amerikanerin Jane Chase.
Unsere liebe Janie, die zwar Zoologie studiert, doch
Dr. Phillip auf seine Frage, ob sie kochen und putzen kann allen
Ernstes und mit ehrlicher Entrüstung antwortet, das sei ihr als Frau
doch in die Wiege gelegt und die der Meinung ist, dass man den
Schimpansen Imp (trotz klaren Anweisungen und Verhaltensregeln des
Profs) wie ihre Babysitting-Schützlinge behandeln muss, ist für
meinen Geschmack das größte Manko an der Geschichte.
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Das Anwesen Dr. Phillips |
Das Grundgerüst des Thrillers baut auf
die Abgeschiedenheit von der menschlichen Zivilisation, das
Zusammenleben mit unberechenbaren und potentiell gefährlichen Tieren
und einem ebenso unberechenbaren verrückten Akademiker.
Alle Aufnahmen mit den nicht
menschlichen Stars dieses Films mussten im Studio nachgedreht werden
und zum Leidwesen von Regisseur Franklin bis zum Erbrechen wiederholt
werden, damit schlussendlich ausreichend gutes Material für die Schnitte zur Verfügung stand. Der Dreh selbst soll einigen Zitaten von Mitwirkenden zufolge niemandem
besonders Spaß gemacht haben, wobei ich von den Affen nirgendwo ein
Statement finden konnte. Und wenn die sich äußern könnten, würden sie bestimmt auch kundtun, dass sie nicht besonders erpicht auf ihre Rollen waren.
Der Orang-Utan Locke, der Link spielte, musste bestimmt Einiges über sich ergehen lassen, damit man ihm mit seinem rasierten und gefärbten Fell und den Ohr-Prothesen ein schimpansenartiges Aussehen verleihen konnte.
Der Orang-Utan Locke, der Link spielte, musste bestimmt Einiges über sich ergehen lassen, damit man ihm mit seinem rasierten und gefärbten Fell und den Ohr-Prothesen ein schimpansenartiges Aussehen verleihen konnte.
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Janie denkt, Affen behandelt man am besten wie Babies |
Die Gefahren von Verniedlichung und
Vermenschlichung von Tieren, auch wenn sie uns in manchen Dingen
ähnlich sind und unsere Verhaltensweisen imitieren sowie die Frage
von artgerechter Tierhaltung und Tierversuchen werden leider nur
oberflächlich angekratzt.
Das kritische und philosophische Potential
des Films rückt zugunsten der Actionszenen deutlich in den Hintergrund.
Auch der chronologische Ablauf mancher Sequenzen erweckt bisweilen den Anschein, als
hätten sich die Verantwortlichen ab und an irgendwie verzettelt.
Dennoch ist "Link, der Butler" ungemein kurzweilig und unterhaltsam. Natürlich wegen des titelgebenden Orang-Utans Link. Link, der Meister des Feuers, ist ein ehemaliger Zirkusaffe, der schon lange beim
Professor lebt, angeblich gerne Butler Kleidung trägt und gelernt
hat, wie man Streichhölzer anzündet und Zigarren raucht.
Er, der jüngere Schimpanse Imp ("Er
liebt Katzen." "Warum kaufen Sie ihm keine?" "Weil er sie frisst."), der sein Kindchen Schema sehr gut zu nutzen weiß, es in Wirklichkeit aber faustdick hinter den Ohren hat und die schwer kontrollierbare
Schimpansin Voodoo sind die eigentlichen Attraktionen und Stars des
Films.
Doch ohne den fulminanten Soundtrack
des Oscar prämierten Meisterkomponisten Jerry Goldsmith (Das Omen, Poltergeist) wäre "Link, der Butler" nur halb so
effektiv. Meiner Meinung nach gehören auch die Stücke für diesen Film zu
dem Besten, was Goldsmith je komponiert hat.
Da "Link, der Butler" jedoch nie einen höheren
Bekanntheitsgrad erlangte, wurde seine Leistung auch nicht
entsprechend honoriert.
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Schöne schottische Landschaft |
Die für mich untrennbar mit dem Film
verknüpfte deutsche Synchronisation ist im direkten Vergleich mit dem Original äußerst lebendig und stimmig und sogar etwas humorvoller und
dramatischer als der Originalton. Doch leider existiert bis dato
keine deutschsprachige Veröffentlichung in guter Qualität, weshalb
ich nun auf die Blu Ray von Kino Lorber zurückgreifen musste.
Mit der schönen Bildqualität kommen
nicht nur die ästhetischen Landschaftsaufnahmen, sondern auch die
kunstvollen Kamerafahrten und nicht zuletzt die Linsen, die für die
Aufnahmen aus "Affen-Perspektive" gewählt wurden, hervorragend
zur Geltung.
Und auch die allerletzte Einstellung
des Films, die dem vermeintlichen Happy End eine zynische und zugleich augenzwinkernde Nuance verleiht, ist endlich ganz deutlich
erkennbar.
"Link, der Butler" ist meiner Meinung nach ein zeitloser und immer noch zu wenig gewürdigter Klassiker des sich tendenziell in B- und C-Movie
Gefielden dümpelnden Tierhorror Genres, von dem er sich aufgrund
seiner hervorragenden stilistischen Qualität und Ästhetik
und dem virtuosen Soundtrack deutlich abhebt.
Foto: Blu Ray von Studio Canal (deutsch)