Dienstag, 12. November 2019

AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON (1981)














AMERICAN WEREWOLF

GB, USA 1981
Regie: John Landis
DarstellerInnen: David Naughton, Jenny Agutter, Griffin Dunne, John Woodvine, Brian Glover, Sydney Bromley

Inhalt:
Die befreundeten Amerikaner David Kessler und Jack Goodman werden auf ihrer England Reise im Moor von einem Werwolf angegriffen. Jack wird zerfleischt und David überlebt leicht verletzt, muss aber fürchten, dass er sich beim nächsten Vollmond selbst in eine blutrünstige Bestie verwandelt. Jack, der nun unter den Untoten weilt und seinem Freund manchmal erscheint, versucht David zu überreden, seinem Leben rechtzeitig ein Ende zu setzen und dadurch die Blutlinie des Werwolfs zu unterbrechen...


Jack (Dunne) und David (David ) zu guten Zeiten


Was für ein schönes Logo für ein Pub


"American Werewolf" zählt ebenso wie Poltergeist und "Nightmare – Mörderische Träume" zu den Horrorfilmen aus meiner bescheidenen Video-Sammlung, die ich als Kind wohl am häufigsten gesehen und auch heute noch zum Großteil auswendig mitsprechen kann.
Anlässlich des diesjährigen Halloween Wochenendes habe ich "American Werewolf" zum ersten Mal in O-Ton angeschaut und bin ehrlich entsetzt.
Und zwar über die deutsche Synchronisation, die mir jahrzehntelang vorgegaukelt hat, dass David Kessler ein Doofi ist, der in beinahe jeder Situation halblustige flapsige Scherze macht, dass oft irgendwelche der Situation unangemessene zotige Sprüche geklopft werden, dass sich Krankenschwester Alex eher wie ein naives Mädchen als eine erwachsene Frau verhält und dass viele Charaktere (besonders weibliche) extrem unsympathisch klingen und/oder nervtötende Stimmen haben.
Das alles hat mich bis zur gestrigen Sichtung nicht sonderlich gestört. Ich unterlag nämlich der irrigen Annahme, dass es so sein muss und dass auch die Originalversion einen stärkeren Komödien-Charakter hat. Weit gefehlt. Sprüche über schlechtes Wetter wie "Da verbiegt sich einem ja die Nudel" oder angesichts drohender Gefahr im Moor "Mann, ich scheiß mir vor Angst fast in die Hose" oder wie David dem Kind im Zoo erklärt, er gibt ihm Geld für die Luftballons, weil "ich so viel Kleingeld in der Tasche habe" (während er mit beiden Händen seine Genitalien bedeckt) sucht man im Original vergeblich.
Der jüngere Kommissar von Scotland Yard, der sich unsicher verhält und etwas tolpatschig ist, wird mithilfe der Synchronisation als vollkommener Idiot dargestellt. Auch die Mentalitäts-Unterschiede zwischen Amerikanern und Engländern, die etwas augenzwinkernd angedeutet werden, kommen in der originalen Version viel besser zur Geltung.
In englischer Sprache ist der Film ernsthafter, düsterer und in der Gesamtschau schlichtweg harmonischer.

„American Werwolf“ ist Kult und nach wie vor einer meiner Lieblingsfilme, der mich immer noch fasziniert und zudem immer an Video Nachmittage mit meinem geliebten Opa (der für mich diese Filme aufnahm und mit dem ich viel darüber sprach) erinnert. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich ihn eines Tages noch mehr zu schätzen weiß als bisher. Ab dem heutigen Tag gelobe ich feierlich, ihn nie wieder mit deutscher Synchronisation sehen zu wollen. Auch nicht aus nostalgischen Gründen. Er wird der Intention von John Landis einfach nicht gerecht.
Apropos Alter – die Szene, in der David in der Londoner U-Bahn zwischen einigen finster dreinblickenden Punks zur Belustigung von Alex Grimassen schneidet – ich stelle heute amüsiert fest, dass die Punks gar keine gefährlich aussehenden Erwachsenen, sondern ein paar Jugendliche sind.

"American Werewolf" ist einer der Horrorfilme aus den Achtzigern, dessen Effekte auch in HD auf Leinwand immer noch top aussehen. Die Arbeit von Maskenbildner Rick Baker (der wie alle Fans wissen, stunden- und tagelang Haare von Hand einzeln auf den sich verwandelnden Werwolf appliziert hat), beeindruckt damals wie heute.


David träumt, er ist ein Monster


Davids Alpträume, einerseits Versuch der Trauma-Verarbeitung, andererseits erste Vorzeichen für seine Verwandlung in ein blutrünstiges Tier, haben bis heute kein bisschen von ihrer Intensität eingebüßt.
Songs wie "Blue Moon" oder "Bad Moon Rising" sind für jeden, der "American Werewolf" jemals gesehen hat, untrennbar verbunden mit den entsprechenden Szenen.
Apropos untrennbar verbunden (was für eine schöne Überleitung) – an dieser Stelle bedanke ich mich sehr herzlich bei meiner lieben treuen Freundin Sabine.
Danke, dass du damals (2003 war das... Wahnsinn, schon so lange her...) Verständnis gezeigt hast für deine nervtötende Begleitung, die am Piccadilly Circus und bei der U-Bahn Station Tottenham Court Road permanent von "American Werewolf" erzählt und dir alle Szenen bis ins kleinste Detail erklärt hat.
Damals konnte ich mir noch keine Digitalkamera leisten und mein alter Fotoapparat war kaputt. Wir haben daher nur wenige Fotos gemacht.
Aber sollte es mich wieder mal nach London verschlagen, werde ich bestimmt ein oder mehrere schöne Drehort-Specials machen...


Hier habe ich die Szene, in der David zuhause anruft, nachgestellt

David telefoniert mit seiner Schwester




Foto: Blu Ray von Universal und Arrow Video (mit Schuber)




Aushangfotos

Foto: Die erste Actionfigur, die ich vor 20 Jahren im Comicladen in Wien gekauft habe - Ein Nazimonster aus Davids Alptraum