Geisterdorf

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Italien März 17

Samstag, 14. November 2015

IL MONDO DI YOR (1983)














EINER GEGEN DAS IMPERIUM
Frankreich, Italien, Türkei 1983
Regie: Antonio Margheriti
DarstellerInnen: Reb Brown, Corinne Cléry, John Steiner, Carole André, Luciano Pigozzi, Nello Pazzafini (uncredited), u.a.


Inhalt:
Der unerschrockene Kämpfer Yor ist auf der Suche nach seinen familiären Wurzeln. Zwischen Dinosauriern, Affen-Menschen und seltsamen Stämmen fühlt sich das blonde Muskelpaket augenscheinlich nicht zugehörig. Doch wo ist sein Stamm?
Die schöne Ka-Laa und ihr Vertrauter Pag begleiten und unterstützen ihn.
Das, was das Trio auf ihrer Odyssee noch erwarten wird, können weder sie noch wir uns vorstellen...


Kaa-Laa (Cléry) bezirzt Yor beim Bauchtanz


Dafür legt Yor fast seinen Fleischbrocken aus der Hand...
... und Pag (Pigozzi) säubert sich die Zähne


Der Regisseur und drei Namen (Cléry, Steiner, Pigozzi) haben mich überzeugt, dass ich "Einer gegen das Imperium" sehen muss. Ich habe es nicht bereut.
Was für ein Kracher von einem Film!
Reb Brown, der mich auf absurde Art und Weise an eine Kreuzung zwischen Dawson (aus der Serie "Dawson's Creek") und dem in meiner Kindheit verehrten blonden Muskelpaket He-Man erinnert, rockt die Leinwand.
Ich behaupte, dass ich nie einen Superhelden mit einer unpassenderen Föhn-Frisur gesehen habe.
Bereits die ersten Szenen des Films sind ungemein erheiternd und wenn Yor kämpft oder über Hindernisse hüpft, gibt sein braunes Schürzchen doch tatsächlich wiederholt einen Blick auf seinen blanken Allerwertesten frei.
Aber nicht nur das bringt einen zum Schmunzeln.
Die ganze Story des Films ist dermaßen unglaublich, dass man aus dem Staunen kaum mehr raus kommt.
Allen geschichtlichen Überlieferungen und Forschung zum Trotz erschuf Margheriti eine Art Fantasiewelt, vielleicht auch eine andere Dimension, in der selbst die Gesetze der Physik nicht dieselben sind wie auf unserem Planeten.
Vielleicht ist dies auch der Schlüssel zum tieferen Verständnis (Achtung Ironie) des Plots. Wahrscheinlich handelt es sich bei der Welt, in der unser tapferer Yor kämpft und Frauen betört, um einen fernen Planeten einer anderen Galaxie.
Denn spätestens als der Oberfiesling, der von allen nur als der "Overlord" (John Steiner) bezeichnet wird, die Bildfläche betritt, erklärt sich so Manches.

Theorie:


Dawson plus...



He-Man












...ist gleich Yor!? :)


Das herrlich Spaßige an "Einer gegen das Imperium" ist nicht nur die krude Mischung zwischen "Am Anfang war das Feuer", Barbarenfilm und Science Fiction, sondern auch die Naivität der Hauptcharaktere.
Allen voran die schöne Corinne Cléry, die mich in "Wenn du krepierst - lebe ich" in Verzücken versetzte, in der Rolle der Ka-Laa.
Ka-Laa lässt mit ihrem steinzeitlichen Outfit natürlich auch tief blicken und bekanntermaßen konnte sich Frau Cléry ja durchaus sehen lassen. Sie ist ein Naivchen wie es im Buch steht und total verknallt in Yor, der es mit Treue scheinbar nicht so genau nimmt.
Zum Glück befinden sie sich in einer Welt, in der es normal ist, dass ein Mann mehrere Frauen hat (wie uns Pag aka Luciano Pigozzi aufklärt). Yor scheint für Frauen so anziehend zu sein wie das Licht für die Motten und lässt keine Gelegenheit aus.
An dieser Stelle sei auch noch am Rande erwähnt, dass in Yor's Welt auch die Regel gilt, dass entführte Frauen automatisch in den rechtmäßigen Besitz des Kidnapper-Stammes übergehen und daher nicht zurückgeholt werden dürfen!!??!
Nach dem Tod seiner Zweitfrau scheint Yor sich irgendwie für Dummchen Ka-Laa entschieden zu haben, die ihn permanent mit herzerweichenden Dackelblicken taxiert und über das ganze Gesicht strahlt, wenn er ihr erlaubt, ihn irgendwohin zu begleiten.
Für Cléry, die ja bereits in "Die Geschichte der O." das devote Frauchen gab, war es sicher ein Leichtes, in diese Rolle zu schlüpfen.

Charakterkopf Luciano Pigozzi aka Alan Collins, dessen Antlitz uns in unzähligen italienischen Genre-Filmen (u.a. "Knie nieder und friss Staub", "Die Farben der Nacht" oder "Baron Blood") begegnet, befand sich zur Zeit der Produktion wohl auf dem „Höhepunkt“ seiner Filmkarriere. Der gemeinhin als Peter Lorre des italienischen Kinos bezeichnete Darsteller hatte in "Einer gegen das Imperium" endlich einmal eine richtige Hauptrolle und (in Anbetracht der im Film allgemein vorherrschenden Wortkargheit) sogar viel zu sagen.
Ob der damals bärtige 56-Jährige, der in seinem Fell-Outfit wie ein Bahnhofs-Penner im Karneval wirkte, das selbst auch so sah, bleibt dahingestellt.

Overlord John Steiner ("Goodbye und Amen", "Shock") kommt zwar richtig böse rüber, aber irgendwie fehlte mir bei ihm der Wiedererkennungswert. Sein Gesicht wird von einer Kapuze beschattet und sein Bart wirkt auch gewöhnungsbedürftig.
Freunde kam auch beim Anblick von Lord Helmchen (erlangte später Bekanntheit durch "Spaceballs") und einigen herzigen Star Wars-Androiden auf.

"Einer gegen das Imperium" hat mich von der ersten bis zur letzten Minute bestens unterhalten. Nicht zuletzt wegen den hanebüchenen Wendungen des Drehbuchs, doch auch die Action-Szenen sind nicht von schlechten Eltern.
Kämpfe gegen affenartige Menschen, deren Gesichter und Extremitäten blau-violett eingefärbt sind sind genau so lustig wie die Begegnung mit den Zombie-bzw- Mumien-artigen Menschen in einer Eishöhle (die sich im Übrigen mitten in einer Wüstenlandschaft befindet... alles klar?).
Die Kämpfe gegen diverse Dinos sind toll inszeniert und wenn Yor einen Flugsaurier als Paragleiter verwendet und begleitet von typischer De-Angelis-80er Mucke ("Yor,'s world! He's the man!") durch die Lüfte schwebt, dann weiß man: Margheriti hat das Maximum aus der Geschichte rausgeholt und hier wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um das Publikum zu unterhalten.
Auch euch?

Für alle, die von Yor nicht genug bekommen können: Es gibt übrigens eine 200 Minuten-Fassung von diesem Klassiker des Science Fiction Films. Mir persönlich erscheint die gekürzte Version allerdings als vollkommen ausreichend.




Foto: DVD von EMS




Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)