Geisterdorf

Geisterdorf
Italien März 17

Samstag, 17. Mai 2014

LA FIGLIA DI FRANKENSTEIN (1971)


LADY FRANKENSTEIN
Italien 1971
Regie: Mel Welles, Aureliano Luppo
DarstellerInnen: Rosalba Neri, Joseph Cotten, Paul Muller, Paul Whiteman, Herbert Fux, Joshua Sinclair, Romano Puppo u.a.


Inhalt
Doktor Frankensteins Tochter Tania, seit Kurzem promovierte Ärztin (mit Fachgebiet Chirurgie), besucht ihren Vater auf dessen illustrem Schloss.
Nachdem des Vaters lange gehütetes Geheimnis, sein ehrgeiziges Experiment, mithilfe seines Freundes Dr. Charles Marshall endlich gelingt, wähnt er sich am Ziel seiner Träume.
Dr. Frankenstein hat ein Wesen aus menschlichen Ersatzteilen geschaffen. Nun wird ihn niemand mehr auslachen und als Exzentriker abtun (glaubt er...).
Doch leider ist das Wesen mit dem Hirn eines Mörders, das zudem noch einen organischen Schaden aufweist, ausgestattet und setzt sein Tun da fort, wo sein Spender zu Lebzeiten aufgehört hat.
Sein erstes Opfer ist sein Schöpfer und schon bald mehren sich die Morde im Dorf...


Dr. Marshall (links) und Dr. Frankenstein


Das ungleiche Paar


Die leicht überdrehte Handlung liest sich etwas skurril:
Ojeh! Tanias verehrter Vater ist tot. Um die Schmach der Schande, die sich über den Familiennamen legen könnte, wenn die Kunde von Dr. Frankensteins unethischen Experimenten an die Öffentlichkeit gelangt, in Grenzen zu halten, entschließt sich Tania, die Identität des Mörders gegenüber der Polizei nicht preis zu geben.
Das mordende Monster mit dem Wasserkopf und dem entstellten Gesicht entfleucht aus dem Schloss und wandelt derweil desorientiert im Dorf herum, wo es wahllos Menschen meuchelt.
Aber die bedauernswerte, schöne Tania hat ein noch viel gewichtigeres Problem.
Was tut eine Frau, die einen Mann begehrt, der zwar schön und stark, aber entsetzlich dumm ist? Vor dieser herausfordernden Fragestellung steht nämlich Frau Frankenstein (gespielt von der faszinierenden Rosalba Neri).
Doch zum Glück ist sie nicht irgendeine Frau, sondern Ärztin, genauer gesagt Chirurgin. Und offensichtlich ausgestattet mit dem Irrsinn-Gen ihres Vaters Dr. Frankenstein.
Also wird das Gehirn des intelligenten Dr. Marshall, der schon seit vielen Jahren scharf auf die schöne Tochter seines Freundes war (und der sich logischerweise ohne mit der Wimper zu zucken und aus freien Stücken bereit erklärt mitzumachen - aus Liebe!), kurzerhand in den Körper des minderbemittelten Stalljungen Thomas verpflanzt und - voilà - es lebe der perfekte Mann.
Der Dorfkommissar, der Tania nicht über den Weg traut, wittert, dass sie in Wahrheit sehr wohl in der Lage wäre, den Mord an ihrem Vater aufzuklären und geht ihr auf den Geist, so oft er nur kann.
Im Dorf beginnt sich währenddessen der Mob, gegen das Monster zu formieren und zieht mit Fackeln zum Schloss Frankenstein...


Frankensteins Schöpfung - nicht mal von hinten ansehnlich


Warum sieht man sich so einen Film an? Wohl nicht wegen der Story. Auch nicht wegen der Effekte, die zwar für die damalige Zeit recht passabel, aber nicht wirklich überzeugend sind. "Lady Frankenstein" ist auch ganz sicher kein ernst zu nehmender Gruselfilm.
Der Versuch einer Erklärung:
Weil Romano Puppo ("Racket", "La Pistola", "Ein Bürger setzt sich zur Wehr" u.a.) einfach verdammt cool aussah mit seinen Koteletten.
Weil Rosalba Neri eine schöne Frau mit faszinierender Ausstrahlung war und verschiedene sehr stilvoll ausstaffierte Kleider trägt.
Weil die ganze Atmosphäre so typisch ist für das italienische Kino der Siebziger Jahre.
Weil man fast alle wichtigen DarstellerInnen kennt und sich über das Wiedersehen mit ihnen freut. Weil Herbert Fux (u.a. bekannt aus "Hexen bis aufs Blut gequält), Joseph Cotten ("Baron Blood" oder "Das Leichenhaus der lebenden Toten") und Co. einfach klasse Darsteller waren.


Romano - cool


"Lady Frankenstein" vereint, was italienisches Kino zu seinen besten Zeiten alles zu bieten hatte: ein bisschen politische Unkorrektheit, ein Hauch Trash, eine nicht zu verachtende Dosis (S)-Exploitation, gotische Kulissen und ein Quäntchen Splatter.
Die "Wer braucht schon eine gute Geschichte"-Attitüde vieler italienischer Produktionen fasziniert und belustigt mich immer wieder auf's Neue.




Foto: DVD von "84"




Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)