Geisterdorf

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Italien März 17

Sonntag, 16. März 2014

NON SI DEVE PROFANARE IL SONNO DEI MORTI (1974)














DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN
INVASION DER ZOMBIES (Wiederaufführungstitel)
Italien, Spanien 1974
Regie: Jorge Grau
DarstellerInnen: Cristina Galbó, Ray Lovelock, Arthur Kennedy, Aldo Massasso, Jeannine Mestre u.a.


Inhalt
Der sympathische Hippie George trifft bei einer Motorradfahrt durchs Land an einer Tankstelle auf die leicht reizbare Edna, die ihre Schwester in deren Landhaus besuchen möchte.
Da Edna durch unkonzentriertes Rücksetzen an der Zapfsäule das Motorrad von George verkehrsuntauglich gemacht hat, nimmt sie den jungen Mann als Entschädigung mit.
Als die beiden unterwegs Halt machen, um nach dem Weg zu fragen, erleben sie Wundersames:
George trifft auf einen Bauern, der mithilfe einer neuartigen Maschine, die Hochfrequenz-Schallwellen ausstrahlt, Schädlingsbekämpfung betreibt.
Die Strahlung soll auf das Zentralnervensystem der Insekten wirken, die nach der "Behandlung" dem Kannibalismus verfallen.
Edna wird beim Warten auf George im Auto von einem vor Nässe triefenden Landstreicher mit blassem Gesicht und roten Augen angegriffen und kann gerade noch entkommen.
Als Edna und George endlich bei Edna's heroinsüchtiger Schwester und deren Mann, die mitten in der Einöde leben, ankommen, finden sie ein grausiges Szenario vor:
Ednas Schwester befindet sich in einem hysterischen Schockzustand und ist unfähig, das Geschehene zu verbalisieren, Ednas Schwager wurde bestialisch ermordet.
Die Polizei trifft nur wenig später am Ort des Geschehens ein.
Der besserwisserische Inspektor hat sogleich den Verdacht, dass George der Täter und Edna wahrscheinlich seine Komplizin ist.
Während George und Edna versuchen, ihre Unschuld zu beweisen, finden sie höchst Seltsames heraus:
Der Landstreicher, von dem Edna attackiert wurde, soll eigentlich bereits vor einer Woche ertrunken sein, in einem Krankenhaus kämpfen Ärzte gegen aggressive und beißwütige Neugeborene, Leichen verschwinden aus ihren Gräbern,...






Der ansonsten sehr schnuckelige Ray Lovelock (bekannt aus Poliziottesci wie z.B. "Der Berserker" und anderen italienischen Genreproduktionen der 70er) spielt den bärtigen Hippie George, der nicht nur die Ursache der Zombie-Invasion herausfindet (kann man sich -abhängig von der gewählten Synchro aussuchen, ob es ein neuartiges Insektengift, das nicht unweit des Leichenschauhauses getestet wird oder ein Gerät, das zur Bekämpfung von Ungeziefer radioaktive Strahlung in die Atmosphäre verteilt), sondern auch zum mutigen Kämpfer und Helden des Films wird.
Seine Hauptrollen-Partnerin Cristina Galbó (ua. bekannt aus dem genialen Giallo "Das Geheimnis der grünen Stecknadel") glänzt zwar weniger durch Heldinnentum, spielt aber die vom Drehbuchautor der Frauenrolle zugeschriebenen hysterischen Anfälle glaubwürdig.
Was wäre denn ein Horrorfilm ohne überforderte, schutzbedürftige, hysterisch kreischende Frauen?
Aber das ist wieder ein anderes Thema...

Über Arthur Kennedy wurde in Reviews zu "Das Leichenhaus der lebenden Toten" bereits viel philosophiert, zumal Jorge Grau im Interview erwähnt, dass der alternde Star unverkennbar charakterliche Parallelen zum verbitterten, radikalen und jähzornigen Kommissar aufzuweisen hatte...

Neben den gruseligen ZombiedarstellerInnen mit hohem Wiedererkennungswert  (besonders "uaaah": die alte Frau in der Gruft) sollte unbedingt Jeannine Mestre, die die heroinabhängige Schwester von Edna spielt, lobend erwähnt werden.
Frau Mestre, die glatt als Cousine oder verloren gegangene Zwillingsschwester von Peter Bark aus "Rückkehr der Zombies" durchgeht (oder war es doch Peter Bark himself mit Perücke?), spielt ihre Rolle hingebungsvoll und wirkt in jeder Szene wie von Dämonen besessen, was dem Film neben den bissigen Säuglingen in der Kinderstation eine sympathische Trash-Note verleiht.



Ednas Schwester
Peter Bark


Alles in allem ist "Das Leichenhaus der lebenden Toten" ein von vielen verkanntes Meisterwerk auf dem Gebiet der Zombiefilme, der vor allem durch seine einzigartige, unverwechselbare Optik und Stimmung besticht: grüne Hügellandschaften Englands, ein antiker Friedhof, Nebel, Umweltthematik und Generationenkonflikt.

Die von Romero-Fans und selbsternannten Zombiefilm-Experten häufig als Erklärung bemühte und gerne interpretierte "Gesellschaftskritik", kann natürlich auch hier als Rechtfertigung für die Vorliebe für das Genre herangezogen werden.
Obgleich etwas sparsam an Gore-Effekten, wurde der Film in Deutschland beschlagnahmt - glücklicherweise hat Blue Underground eine qualitativ gute und ungeschnittene 2-Disc-Special Edition und eine Blu Ray-Disc herausgebracht.
(Nachtrag: inzwischen auch von den Labels Edition Tonfilm und XT-Video erhältlich.)




Foto: DVD Anchor Bay UK, Blu Ray v. Blue Underground und XT VÖ:





Foto: der deutsche Kinoaushangsatz findet sich in dieser Ausgabe der Creepy Images




Soundtrack







Trailer (aus der Archiv von Italo-Cinema)