Freitag, 15. September 2017

SETTE PISTOLE PER UN MASSACRO (1967)














ADIÒS, HOMBRE (Alternativtitel)
DAS TODESLIED VON LARAMIE
EINEN WHISKEY ALS KOPFGELD (Fernsehtitel)

Italien 1967
Regie: Mario Caiano
DarstellerInnen: Craig Hill, Giulia Rubini, Piero Lulli, Eduardo Fajardo, Nazzareno Zamperla, Jacques Herlin, Nello Pazzafini, Eleonora Vargas u.a.


Inhalt:
Will Flaherty kehrt nach zehn Jahren Gefängnis zu seiner Peggy, einer selbstbewussten Barbesitzerin, zurück. Die Wiedersehensfreude ist etwas getrübt, denn Will hat seine Strafe noch nicht ganz abgesessen. Er ist ausgebrochen und plant, seine Unschuld zu beweisen. Was für eine göttliche Fügung, dass just eine Verbrecherbande das Dorf okkupiert, die BewohnerInnen als Geiseln nimmt und auf die Ankunft einer Postkutsche wartet. Einer der Schurken hat Will nämlich damals mit seiner falschen Zeugenaussage hinter Gitter gebracht...


Charismatisch: Craig Hill


Die vampireske Rubini und der böse Fajardo


Die Geschichte von "Das Todeslied von Laramie" ist, gemessen an anderen Italowestern, eher simpel und die Charaktere, sogar die Figur des "Helden" Will (Craig Hill), etwas eindimensional. Der gute Will bekleckert sich zunächst auch nicht gerade mit Ruhm – während die Verbrecher unschuldige BürgerInnen im Saloon terrorisieren versteckt er sich auf dem Dachboden.
Doch als er mitanhört wie Peggy von Oberschurke Tiny (großartig: Eduardo Fajardo) bedrängt wird, gibt es für ihn kein Halten mehr. Zumindest so lange bis er von der Bande überwältigt, brutal verprügelt und gefangen genommen wird. Einen beträchtlichen Teil der weiteren Filmlaufzeit muss er dann gefesselt im Stall verbringen während die Ladies im Saloon bei einer Schlägerei mit der bösen Bande so richtig die Sau rauslassen.

Die wahren Helden in das "Todeslied von Laramie" sind (etwas Western-untypisch) nämlich Heldinnen. Da wäre einerseits Peggy (Giulia Rubini). Ihr gehört der Saloon, in dem sich ein Großteil der Handlung abspielt. Nicht nur pro forma, sie hat hier tatsächlich das Sagen.
Sie lässt sich von den Bösewichten nicht einschüchtern und auch von ihrem über Will lästernden Bruder nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Peggy ist es auch, die die Cancan Ladies für ihren Befreiungsplan engagiert.
Rubini, die zuvor schon in einigen Italowestern mitspielte, hat in diesem Film ein besonders markantes Make Up. Mit ihren krass definierten Augenbrauen, dunklen Haaren und der extrem blassen Haut sieht sie aus, als käme sie gerade direkt vom Set eines Vampirfilms aus dem Hause Hammer. Vielleicht hatte sie aber auch nur denselben Maskenbildner wie Mark Damon...
Die Cancan Tanzgruppe, die einen Zwischenstopp im Saloon macht, will den Terror der Bande ebenfalls nicht widerstandslos akzeptieren und unterstützt Peggy tat- und schlagkräftig bei ihrem Plan, Will aus dem Stall zu befreien. Die Frauen zetteln eine Saloon Schlägerei an, bei der sie nicht nur die anwesenden Männer geschickt gegeneinander aufbringen, sondern auch selbst kräftig mitmischen. Und sie haben sichtlich Spaß dabei. Dabei gibt es Füße in hochhackigen Stiefeln ins Gesicht, Flaschen über den Kopf und so kräftige Faustschläge, dass sogar der riesige Nello Pazzafini sich auf dem Absatz dreht.
Das Ganze ist kein heilloses Durcheinander, sondern hervorragend inszeniert. Da sitzen nicht nur die Fausthiebe.


Die Schurken (links: Lulli in Leder)


Neben Rubini, den Cancan-Ladies und dem charismatischen Craig Hill, dessen Rolle leider ein wenig blass ist, stapft ein grummeliger und fieser Piero Lulli in stylischer schwarzer Lederjacke durch die Kulissen. Wer schon mehr als einen Italowestern gesehen hat, sollte mit dem rothaarigen Paradeschurken vertraut sein.

Der einprägsame, leicht melancholische Soundtrack, starke Frauen mit besonderem Make Up und charismatische Darsteller wie Craig Hill, Piero Lulli und Eduardo Fajardo entschädigen für die recht fantasielose Geschichte und die wenig differenziert dargestellten ProtagonistInnen.
Zumindest Fans des Genres dürfte dieser schnuckelige Italowestern Vergnügen bereiten.