Freitag, 17. Juli 2015

IL TEMPO DEGLI ASSASSINI (1975)














DIE WILDE MEUTE
Italien 1975
Regie: Marcello Andrei
DarstellerInnen: Joe Dallesandro, Martin Balsam, Magali Noel, Rossano Brazzi, Guido Leontini, Cinzia Mambretti, Gianluca Farnese u.a.


Inhalt:
Piero und seine Bande verdingen sich mit Einbruchdiebstählen. Wenn sie nicht gerade in Sachen Geldbeschaffung unterwegs sind, leben sie locker in den Tag hinein und machen anderen Menschen das Leben schwer. Manchmal vergnügen sie sich wie unschuldige spätpubertierende Jugendliche am Strand, an anderen Tagen zerren sie eine Frau aus dem Auto, um sie zu vergewaltigen.
Vor allem Piero hat es offenbar satt, sich an irgendwelche Regeln zu halten und durch seine sich steigernde kriminelle Energie und seine Brutalität gerät er immer mehr außer Kontrolle...


Immer cool auf der Leinwand - Dallesandro


Herumalbern am Strand


Unser kleiner Joe Dallesandro (als Piero) mit seinem amerikanischen Waschbrettbauch, den durchtrainierten Schenkeln und der schönen, symmetrischen Nase, mimt wieder mal den Schurken.
Man muss ihn einfach überzeugend finden in so einer Rolle, denn die Darstellung von Brutalität und Gefühlskälte gelingt ihm jedes Mal aufs Neue ausgezeichnet. Und seine Biographie lässt erahnen, dass er sich für diese Rollen nicht allzu heftig verbiegen musste. Immerhin ist er in den gefährlichen Ecken von Brooklyn aufgewachsen und sammelte bereits als Jugendlicher Knast-Erfahrung.
Ein schlimmer Finger, doch die Leinwand liebt ihn.
Wer Joey etwas abgewinnen kann, wird sich auch sicher diesen Film gerne bis zum Ende ansehen.
Mit der Besetzung der Hauptrolle hat Regisseur Andrei schon mal etwas richtig gemacht. Allzu viele Highlights bietet "Die wilde Meute" im weiteren Verlauf leider nicht.

Die Erzählung dümpelt ohne großartige Ausreißer nach oben oder nach unten irgendwie vor sich hin, ohne zu langweilen, ohne zu begeistern. Das Potential der Gesellschaftskritik und des emotionalen Aufwühlens durch die Gewaltspitzen wurde eben so wenig ausgeschöpft wie das unseres Joey.
In dem viele Parallelen zu "Die wilde Meute" aufweisenden hervorragenden "Fango Bollente" wirkt das kleine Muskelpaket wesentlich eindringlicher, in "Toy" skrupelloser und schmieriger.
Die Rolle des Polizisten (Martin Balsam), der gegen die Verbrecherbande ermittelt, verläuft ebenso ins Leere wie die bestimmt gut gemeinte Rolle des Priesters.
Und die kleine schüchtern-naive Sandra, die von ihrer durchtriebenen Freundin Marisa in die Verbrecher-Clique eingeführt wird, erscheint ebenso lustlos heruntergekurbelt wie die unnötige Rolle der einsamen Mutter von Pieros Kind.
Zu wenig Charaktertiefe kann oft durch ambitionierten Drehbuch-Übermut und heftigen Sleaze ausgeglichen werden. Doch es scheint fast so, als ob Andrei einen Film mit ernsthafteren Untertönen als Konzept gehabt hätte und dieses Kunstwerk ist ihm leider nicht gelungen.
Ein weitaus eleganteres und nachdenklich stimmenderes Werk mit ähnlicher Thematik hat in dieser Hinsicht Leopoldo Savona mit seinem 1959 entstandenen "Die Nächte sind voller Gefahren" vorgelegt.

"Die wilde Meute" ist in meinen Augen ein eher halbgares Filmchen, das man sich als Genrefan natürlich ansehen kann und soll.
Weil Joe Dallesandro und seine Kumpanen coole enge Schlaghosen tragen, weil er in Rom gedreht wurde und eine Seite der italienischen Gesellschaft der Vororte zeigt, die zeitgeschichtlich interessant ist und (zwar wenig ausgefeilte, aber) durchaus interessante sozialpolitische Ansätze bietet.
Mit etwas heruntergeschraubten Erwartungen einen Blick wert.




Foto: VÖ von Subkultur