Geisterdorf

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Italien März 17

Mittwoch, 30. April 2014

L'ARCANO INCANTATORE (1996)














ARCANE SORCERER
Italien 1996
Regie: Pupi Avati
DarstellerInnen: Carlo Cecchi, Stefano Dionisi, Arnaldo Ninchi, Andrea Scorzoni, Elena De Chirico u.a.


Inhalt
Wir schreiben das Jahr 1750. Priesteranwärter Giacomo Videtti, der ein Mädchen geschwängert und dann zur Abtreibung gezwungen hat, flieht aus Bologna. Schutz und Zuflucht vor Bestrafung durch ein Tribunal verspricht ihm eine mysteriöse alte Dame, mit der er einen diabolischen Blut-Pakt besiegelt.
Er findet Asyl in der ländlichen Idylle bei einem aufgrund seinem Hang zum Okkultismus von der Kirche verstoßenen Priester und betätigt sich dort als dessen Assistent.
Giacomos Vorgänger, der soeben erst verstorbene Nerio, ist im nahe gelegenen Kloster dafür bekannt, dass er satanische Beschwörungen praktizierte. Die Gerüchte um seine Person besagen, dass er für das Verschwinden zweier Nonnen aus dem nahen Konvent verantwortlich sein soll. Einige äußern die Befürchtung, dass Nerio imstande ist, von den Toten aufzuerstehen und alsbald mehren sich die mysteriösen Vorkommnisse in Giacomos Unterkunft...


Giacomo auf der Flucht


Giacomo in der Bibliothek seines neuen Herrn


Der italienische Regisseur Pupi Avati und seine Werke lassen sich nur schwer kategorisieren. Im Allgemeinen sind seine Filme inhaltlich nicht so leicht zugänglich. Das dürfte auch der Grund sein, warum nur wenige "Avatis" überhaupt den Weg zu CineastInnen außerhalb Italiens gefunden haben.
Im deutschsprachigen Raum sind eingefleischten Eurocult-Fans am ehesten noch "Das Haus der lachenden Fenster" aus dem Jahr 1976 und "Zeder - Denn Tote kehren wieder" aus dem Jahr 1983 ein Begriff.

Völlig zu Unrecht fristet "L'arcano incantatore" sein Dasein in der Versenkung. Zugegebenermaßen haben bis auf ganz wenige Ausnahmen (z.B. Michele Soavis "The Sect" und "Dellamorte Dellamore") seit etwa Mitte der Achtziger kaum bis gar keine guten Horrorfilme die Grenzen von Bella Italia passiert.
Im Fall von "L'Arcano Incantatore" ist es für mich besonders unverständlich. Dieser ist nämlich ein zeitlos wirkendes ästhetisches Kleinod des Gotikhorrorfilms in der Tradition der Altmeister wie Mario Bava, Antonio Margheriti oder Riccardo Freda.

Die Erzählung beginnt mit dem Besuch eines Priesters bei Giacomo, der sich allerdings im Dunkeln verbirgt und durch Gebete versucht, der bösen Mächte, die seiner habhaft geworden sind, zu entsagen. Er lässt sich darauf ein, seinem Besucher (und uns) im Austausch für die Erlösung seiner Seele von seiner Vergangenheit zu erzählen.
Seine Geschichte beginnt mit der Flucht aus Bologna.

"L'arcano..." verzaubert und fesselt bereits zu Beginn durch das Auftauchen mysteriöser Figuren und rätselhafter Begegnungen. Sei es die alte Dame, die ihr Antlitz hinter der Wand mit dem Eulenbild verbirgt und dem verzweifelten Giacomo den Schwur entlockt oder das Mädchen, das schwer krank war und angeblich von den Toten zurückgekehrt ist, das dem verdutzten Giacomo eine Warnung aus dem Jenseits übermittelt.


Die Dame hinter der Eule


"Ich habe eine Botschaft für dich."


Avati macht von den ersten Minuten an keinen Hehl daraus, dass hier diabolische Mächte am Werk sind. Dieser Eindruck verstärkt sich alsbald, wenn Giacomo in der Behausung des alten dahinsiechenden Priesters die ersten paranormalen Ereignisse bezeugt.
Je mehr Giacomo bemüht ist, das Geheimnis des signore, dem er untergeben ist, zu lüften, umso größer wird die Gefahr, die nicht nur seinem Leben, sondern auch seiner Seele droht.

Besonders reizvoll an "L'arcano..." sind neben den bereits erwähnten Aspekten die Landschaft der Emilia-Romagna und die Abendstimmungen, die jede einzeln für sich aussehen wie ein düsteres Gemälde. Viele Szenen, besonders die Sonnenuntergänge, sind dermaßen ästhetisch fotografiert, dass man den Eindruck hat, Avati hätte irgendwelche Filter verwendet.


Ästhetik pur


"Rosa di rose,
fiore di ogni fiori,
donna di donne,
signora di signore."

Diese Zeilen werden eingangs von der alten Frau und weiteren lebenden (und geisterhaften) Gestalten, denen Giacomo begegnet, gesungen. Eine treffendere Beschreibung wäre wohl "gewispert".
Pino Donnagio, sozusagen der Komponist des Vertrauens von Brian De Palma (siehe auch "Schwarzer Engel"), hat das unaufdringliche musikalische Hauptthema zu "L'arcano..." beigesteuert.

Der in Italien als Theaterschauspieler bekannte Carlo Cecchi war die perfekte Besetzung für den zwielichtigen ehemaligen Priester, der immer noch schwarzmagischen Ritualen frönt.
Er wirkt sehr authentisch mit seinem leichten Anflug von Überheblichkeit, gepaart mit mühevoll unterdrücktem Wahnsinn und exzentrischer Geheimniskrämerei.
Auch wenn er bisweilen alt und schwach wirkt, hat er dennoch etwas subtil-Bedrohliches an sich.


Ein Beispiel für Cecchis Leinwandpräsenz


Der Signore verspeist eine rohe Schnecke


Und auch Stefano Dionisi als etwas naiver und zunehmend verängstigter Giacomo muss hier lobend erwähnt werden.
Der Film steckt voller Symbolik und dezenten Andeutungen, die auf verschiedene Weise interpretiert werden könn(t)en. An dieser Stelle soll aber Avati selbst zu Wort kommen:

"Sometimes I read things about my movies that I find unbelievable, but if the writer can proove his theories are valid, great. Isn't that what true art is all about?"
Entnommen aus "Jones, Alan: Out of the darkness with Pupi Avati" im Buch "Eyeball Compendium"

Aufgrund des gemächlichen Erzähltempos Avatis und vieler Szenen, die lediglich durch Kerzenlicht erhellt werden, sei der Genuss dieses Filmes eher an einem verregneten Vormittag oder frühen Nachmittag empfohlen.
Bislang ist "L'arcano..." leider nur vom Label "Filmauro/Medusa" in Italien ohne Untertitel erschienen. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass sich ein deutsches oder zumindest amerikanisches Label dieses kleinen Kunstwerks annimmt!


Foto: italienische DVD von Filmauro