Mittwoch, 2. April 2014

PRINCE OF DARKNESS (1987)














DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT
USA 1987
Regie: John Carpenter
DarstellerInnen: Donald Pleasance, Jameson Parker, Victor Wong, Lisa Blount, Dennis Dun, Susan Blanchard, Alice Cooper u.a.


Inhalt
Der charismatische und bei seinen Studierenden beliebte Professor Birack erhält von einem kirchlichen Würdenträger den Auftrag, ein ominöses Gefäß, gefüllt mit einer rotierenden grünen Flüssigkeit, zu untersuchen.
Besagtes Behältnis wurde seit Jahrtausenden von einer Sekte namens "Bruderschaft des Schlafes" bewacht und befindet sich im Keller einer geschlossenen Kirche.
Birack trommelt kurzerhand eine Gruppe von Studentinnen und Studenten aus den Bereichen Physik, Biochemie und Linguistik zusammen und quartiert sich mit ihnen über's Wochenende in der verlassenen Kirche in einer abgelegenen Gegend ein, um das Mysterium rund um den zähflüssigen grünen Schleim zu erforschen.
Doch dieser scheint schon rasch ein bösartiges Eigenleben zu entwickeln und es häufen sich die Anzeichen, dass es die WissenschaftlerInnen mit einer dämonischen bzw. satanischen Macht zu tun haben, die sich in der Welt zu manifestieren beginnt...


Besagte Kirche


Professor Birack


Nach seinen kommerziellen Gehversuchen im Dschungel von Hollywood und dem mäßigen Erfolg mit "Big Trouble in little China" kehrte Ausnahmeregisseur John Carpenter (u.a. verantwortlich für die Klassiker "Assault - Anschlag bei Nacht", "Halloween", "The Fog" oder "Das Ding aus einer anderen Welt") dem Mainstream den Rücken, unterschrieb einen Vertrag bei "Alive!" und schuf "Die Fürsten der Dunkelheit".

Über viel Budget konnte er damals (leider - oder zum Glück?) nicht verfügen. Dafür hatte Carpenter seitens der Produktionsfirma das Zugeständnis, über jegliche Freiheiten bei der Auslebung seiner Kreativität zu verfügen, was zur Folge hatte, dass sowohl das Drehbuch als auch der Soundtrack aus der Feder des talentierten Regisseurs stammen.

"Die Fürsten der Dunkelheit" ist einer der Filme, den ich bereits in meiner frühen Jugend kennen lernen durfte und der im Gegensatz zu anderen Streifen aus dieser Zeit für mich nie an Bedeutung verloren hat.
Eher das Gegenteil ist der Fall: bei jedem Ansehen steigert sich in meinen Augen der künstlerische Aspekt dieses Films und heute wage ich getrost zu behaupten, dass "Die Fürsten der Dunkelheit" absolut zu Unrecht kaum oder nur geringe Bedeutung im Horror-Genre hat.

Der Film ist, wenn man sich wirklich darauf einlässt, einfach verdammt effektiv.
Und zwar nicht wegen besonders zahlreicher blutrünstiger Szenen oder seiner spektakulären Aufmachung.
Sondern weil er einen ganz subtilen Horror erzeugt, der in erster Linie über Bilder vermittelt wird und schon ganz zu Beginn seine Wirkung entfaltet.
Bereits in den ersten Minuten entwickelt sich durch das Einsetzen des beklemmenden düsteren Synthie-Soundtracks eine akribisch inszenierte morbide Atmosphäre, die wahrlich ihresgleichen sucht.
Um diese Stimmung bereits in den ersten Filmsequenzen zu erzeugen, benötigt "Die Fürsten..." weder explizite Szenen noch eine aufgebauschte Geschichte.

Carpenter lässt Bilder sprechen, Charaktere aufeinander treffen und zeigt Konstellationen und Entwicklungen auf, ohne dass diese mit Worten benannt werden.
Wenn Professor Birack auf den Pater trifft, von dem er den Untersuchungsauftrag erhält, findet kein hörbarer Dialog statt. Wir sehen, wie die beiden offensichtlich, aber tonlos, miteinander sprechen.
Im Vordergrund steht hier allein die Musik, die sich nahtlos einreiht in die Reihe von Carpenters innovativen, einzigartigen und zeitlosen Kompositionen wie z.B. der Melodie von "Assault", "Halloween" oder "The Fog".
Der mit Musik unterlegte Vorspann, der wiederholt von Szenen, die die Handlung vorantreiben, unterbrochenen wird, ist übrigens manchen Quellen zufolge der längste der Filmgeschichte.

Unterschiedliche Persönlichkeiten, die auf engsten Raum und isoliert von der Außenwelt (hier: in einer Kirche) um's nackte Überleben kämpfen, ist ein typisches Carpenter-Thema und funktioniert immer wieder sehr gut.
Im Fall von "Fürsten..." fügte Carpenter aber eine inhaltliche Steigerungsstufe ein:

Im Gegensatz zu seinen anderen Filmen mit ähnlichem Thema ("Assault", "Das Ding...") existiert die Bedrohung zugleich außerhalb und innerhalb des Raums, in dem sich die ProtagonistInnen aufhalten.



außerhalb
innerhalb


Diese spezielle Dynamik lässt sich am ehesten mit der in "Die Klapperschlange" vergleichen, in der die tödliche Bedrohung außerhalb und innerhalb des Körpers des Hauptprotagonisten schwelt.

Die jungen WissenschaftlerInnen werden konfrontiert mit dem ultimativen Bösen, mit einer satanischen Macht, die dazu auserkoren wurde, die Menschheit zu vernichten.
Dabei spaltet sich die Gruppe in zwei Lager: auf der einen Seite diejenigen, die ausschließlich an die Errungenschaften moderner Technik und Wissenschaft glauben (wollen) und auf der anderen Seite diejenigen, die sich auf ihre Ängste und ihr Bauchgefühl verlassen.
Obwohl sie meinen geistigen Horizont wohl übersteigen, faszinieren mich die Theorien der Quantenphysik, mit denen Carpenter sich im Vorfeld der Entstehung von "Fürsten..." beschäftigt hat und die schlussendlich auch Eingang ins Drehbuch gefunden haben.

Es gibt in diesem Film einige Schlüsselszenen und besonders bemerkenswerte Bilder.
Neben der von Fans häufig erwähnten "Tauben-Szene" und dem ein oder anderen Effekt der härteren Kategorie ist für mich die herausragendste Sequenz die, in der der einzige (farbige) Wissenschaftler, der sich nicht vom Bösen versklaven lassen möchte, die Treppe hochgeht und am Rande der Verzweiflung "Amazing Grace" intoniert.
An dieser Stelle bekomme ich immer Gänsehaut.

Natürlich könnte man meinen Lobhudeleien entgegenhalten, dass die damals verwendete Technik mittlerweile veraltet ist, dass das Drehbuch viele Fragen unbeantwortet lässt und die denkbar merkwürdige Begebenheit, dass sich niemand großartig über die an der Fensterscheibe klebenden Würmer zu wundern scheint, etwas abstrus wirkt.
Wer in jeglichen Handlungssträngen gerne nach Logik sucht, soll sich bitte einen Gefallen tun und tunlichst die Finger bzw. Augen von dem Film lassen.

Ich für meinen Teil kann die Begeisterung für "Fürsten der Dunkelheit" schlecht verbergen.
Für mich ist er einer der intensivsten Horrorfilme und nicht nur ein Beweis für Carpenters Genialität, sondern auch ein Beispiel dafür, dass man mit passender musikalischer Untermalung und einer bewusst gewählten Simplizität einen wirkungsvollen und stimmigen Film produzieren kann.
Für alle, die der englischen Sprache mächtig sind, empfehle ich dringend die Originalversion!

Und allen, die eine andere Meinung zum Film vertreten, sei gesagt:
Alice Cooper soll euch holen!

Oder:
"You will not be saved by the Holy Ghost. You will not be saved by the God Plutonium.
In fact, YOU WILL NOT BE SAVED!"





Tipp: Die Blu Ray vom Label "Studio Canal" ist in punkto Bild-und Tonqualität eine wahre Freude und zeigt den Film in einer bisher noch nie dagewesenen Feinheit. Ein Augenschmaus!


Foto: Blu Ray von Studio Canal




Foto Soundtrack: