Geisterdorf

Geisterdorf
Italien März 17

Montag, 24. März 2014

SPECIAL: FANTASY FILMFEST NIGHTS 2014














22. & 23. März 2014
Stuttgart, Kino: Metropol


TAG 1

Kommen am 22. März gegen Mittag in Stuttgart an und entdecken ein leckeres asiatisches Restaurant.
Da gab's Ente und mal was zu trinken...




Dann weiter ins Kino,





Dauerkarten (in extra grusligem Pink) abholen und los geht's mit


WOLF CREEK 2
Australien 2013
Regie: Greg Mclean

Während ich mich für den ersten Teil nie wirklich begeistern konnte, da gute zwei Drittel des Films rein gar nichts passiert und diese dann auch noch gefühlte 90 Minuten dauern, muss ich eingestehen, dass Teil 2 um Einiges temporeicher und lustiger ist als sein Vorgänger.
Nicht nur die Redneck-Polizisten, die sich gleich zu Beginn schon mit unserem Psychopathen anlegen (und dies natürlich umgehend bereuen), sondern auch die lustigen deutschen Touris Rutger (!) und Katarina (die mit einem befremdlichen Akzent sprechen) und der derbe Humor des Bösewichts sind für den ein oder anderen Schmunzler gut.
Besonders sympathisch: der Final-Boy. Ein Engländer, der nicht nur sehr leidensfähig, sondern auch recht schlau ist und unserem bösen Killer das ein oder andere Schnippchen schlägt.
Über die CGI-Känguruhs mal milde hinweg gesehen sind die Effekte gar nicht so schlecht und erstaunlich kompromisslos.
Kann man sich mal ansehen, als Festival-Einstieg ganz nett, gekauft wird er nicht.


LAS BRUCHAS DE ZUGARRAMURDI
(Witching and Bitching)
Spanien, Frankreich 2013
Regie: Álex de la Iglesia

Der Titel verrät es bereits: es geht in Álex de la Iglesias' Film um Frauen. Diese sind in den Augen des Regisseurs entweder Witches oder Bitches.
Was optisch recht skurril, temporeich und vielversprechend beginnt, artet zu einer Abrechnung Iglesias' mit der Frauenwelt aus.
Denn diese sind im Film ohne Ausnahme Männer bevormundende, herrschsüchtige Biester (auch die ohne Zauberkräfte). Die Protagonisten haben allesamt Angst vor ihren Frauen und können sich ihnen gegenüber nicht durchsetzen.
Ein gebildeter Mann hat mir mal erklärt, dass viele misogyne Männer sich in Wirklichkeit vor Frauen fürchten, weil sie als Kind in punkto Überleben naturgemäß auf die Mutter angewiesen waren und diese Abhängigkeit bei manchen ein nachhaltiges Trauma bzw. eine Angst auslöst, die sie später durch Frauenfeindlichkeit zu kompensieren versuchen. Irgendwie ist mir das am Ende des Films wieder eingefallen.
Schon im Vorspann werden mächtige Frauen (u.a. Frau Merkel) dämonisiert bzw. lächerlich gemacht.
Was man "W&B" abgesehen davon noch ankreiden kann: Er ist stellenweise langatmig und zu bemüht (aber nicht gekonnt) "over-the-top".
Aber wer sich am Anblick "der größten Hängetitten seit Braindead" (Zitat aus dem Filmmagazin "deadline") erfreuen möchte, wird diesen Film wohl recht vergnüglich finden.


THE GREEN INFERNO
USA 2013
Regie: Eli Roth

Ein Haufen unsympathischer, verwöhnter und weltfremd-idealistischer Ami-StudentInnen fliegt nach Peru, um sich dort ein bisschen wichtig zu machen.
Ihr Wortführer und zugleich Organisator des Trips möchte einen Eingeborenen-Stamm vor den bösen imperialistisch-kapitalistischen Plänen einer Baufirma retten.
Weil sich Regisseur Eli Roth wohl auch gerne ein bisschen wichtig macht, wurden wir im Kinosaal von Popcorn-schmatzenden Securities beäugt (offizielle Begründung: es soll in den USA nun doch noch eine Kino-Veröffentlichung des Films geben und deswegen diese streng vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen...).
Wäre aber auch schlimm, wenn jemand (Ironie-Modus an) dieses Meisterwerk an subtilem Humor und kompromisslosem Splatter mit seinem Handy mitfilmt... (Ironie-Modus aus)
Was bleibt:
Ein weichgespülter Kannibalenfilm für das junge Massenpublikum, das sich bereits an Hostel und anderen Machwerken von Roth ergötzt hat.


RETORNADOS
(The Returned)
Kanada, Spanien 2013
Regie: Manuel Carballo

Ahja, wieder mal ein Zombie-Film. Seit Zombies mit Serien wie "Walking Dead" Mainstream geworden sind, gab es ja nicht mehr viel an Innovationen im Genre.
Schon bei der Ankündigung, dass man Taschentücher bereithalten soll, wurde ich ein bisschen skeptisch.
Aber worum geht es?
Eine junge, in der Kindheit traumatisierte Ärztin (verlor beim Ausbruch der Zombie-Seuche ihre Eltern *schnief*) liebt einen netten Musiklehrer und Ex-Zombie, der durch tägliche Injektionen mit einem virenhemmenden Medikament vor einer Verwandlung abgehalten wird.
Doch als das Medikament knapp wird und die Gesellschaft gegenüber den "Returned" immer feindseliger und paranoider wird, bekommt ihr junges Glück einen negativen Beigeschmack.

Ich gestehe, ich habe es versucht. Aber ich habe es nicht geschafft. Ich wollte, aber es ging nicht.
Statt mir anzuschauen, was aus dem Paar wird und welche schicksalshaften Wendungen der Film nimmt, bin ich die Treppe runter,




und weiter ins Starbucks, wo es leckeren Kaffee gab.
Zum Abschluss des Abends kamen wir noch in den Genuss von


SNOWPIERCER
Südkorea, USA, Frankreich 2013
Regie: Joon-ho Bong

Die Geschichte ist wirklich gut (ja ok, die ist vom Comic übernommen, aber trotzdem). Besonders hervorzuheben ist die bitterböse Ironie des Schicksals: beim Versuch, die Menschheit vor der globalen Erderwärmung zu retten, wird durch Einsatz chemischer Bomben beinahe die gesamte Erdbevölkerung ausgelöscht.
Es tritt nämlich ein nicht beabsichtigter Effekt auf und die Menschen finden sich in einer von ihnen selbst verursachten Eiszeit wieder.
Ein Hi-Tech-Zug, der als eine Art Arche auf einem gigantischen Schienennetz im Kreis fährt, beherbergt die letzten Überlebenden der Katastrophe.
Diese fristen ihr Dasein zusammengerottet in den ihnen zugeteilten Waggons und machen - wie sollte es auch anders sein- sich nun dort gegenseitig das Leben schwer.
Es gibt benachteiligte und privilegierte, hungernde und im Überfluss lebende, sadistische und altruistische Charaktere und solche, denen alles egal ist.
Neben den fabelhaften SchauspielerInnen (die göttliche Tilda Swinton, der charismatische John Hurt, Paradebösewicht John Harris und dem coolen, aus "The Host" bekannten Song Kang-ho) besticht dieser Fantasy Film durch skurrile Wendungen (Stichwort: Ostereier) und eine ansprechende düstere Optik.
Schöner Abschluss des Abends.


TAG 2

Nach einem Frühstück (fettes Steak mit Ofenkartoffel und Speckbohnen) im Maredo geht's die Treppe rauf




und vorbei an Horden von kleinen Kindern, die mit ihren Eltern die Sonntagsnachmittags-Vorstellung besuchen, rein in den Saal 1, wo wir begrüßt werden mit


IN FEAR
England 2013
Regie: Jeremy Lovering

Wie hieß der Film nochmal? Ich kann mir den Titel partout nicht merken und werde mir vermutlich auch die Handlung nicht langfristig merken können. Aber vielleicht den Namen des Regisseurs. Wer heißt schon wie ein Sexspielzeug?
Die Idee ist ja nicht schlecht. Vor allem Leute, die wie ich in Zeiten bevor es Navigationssysteme für's Auto gab, schon öfters stundenlang (verzweifelt) in einer abgelegenen Gegend auf unbeleuchteten Straßen und Waldwegen nach einem Lokal gesucht haben, können sich rasch in die Protagonisten (ein junges Paar) hineinversetzen, die auf der Suche nach einem Hotel in die Irre geführt werden.                      
Nach stundenlanger Suche und unheimlichen Vorfällen liegen bei den Beiden die Nerven blank - dementsprechend gehen sie auch miteinander um.
Leider funktioniert das psychologische Kammerspiel nur bedingt, der Film zieht sich und zieht sich wie Kaugummi und der unvermeidlich aus der Dunkelheit auftauchende Psychopath wirkt irgendwie etwas unmotiviert.
Die bildhafte Umsetzung bzw. Dramaturgie hält leider nicht, was sie anfangs verspricht und ein dünnes Drehbuch ist am Ende halt doch unverzeihlich.
Schade.


RIGOR MORTIS
(Goeng si)
Hongkong 2013
Regie: Juno Mak

Einer dieser mühsamen asiatischen Filme ohne Handlung in Computerspiel-Optik. Eine Mischung zwischen Haunted-House-Grusel und Vampirjägergeschichte.
Wir schleichen uns raus. Zeit für eine Kaffeepause...


ENEMY
Kanada, Spanien 2013
Regie: Denis (kein Tippfehler) Villeneuve

Ein junger Geschichteprofessor trifft auf seinen (bösen) Doppelgänger und macht sich mit ihm bekannt.
Ein Fehler...
Die Handlung basiert auf dem Roman "Der Doppelgänger" von Jose Saramago, der auch "Die Stadt der Blinden" geschrieben hat.
Die Welt ist gelb. Zumindest in diesem Film, denn viele Szenen wirken wie mit einem geblichen Filter überzogen. Dies verstärkt die Empfindung von purem Surrealismus, der durch die Handlung bereits vorgegeben ist.
Ein sehenswerter, eigenartiger Film, der in nicht unwesentlichem Maße auch von seinen SchauspielerInnen (Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent) lebt. Wie man es bereits von Saramago gewohnt ist, gibt es keine eindeutige Auflösung. Viele Fragen am Ende, die den Film im Gedächtnis lebendig halten.


DØD SNØ 2
(Dead Snow: Red vs. Dead)
Norwegen 2014
Regie: Tommy Wirkola

Nachdem der erste Teil bei mir nicht wirklich gezündet hat, war ich absolut positiv überrascht über das Sequel von "Dead Snow".
Ein witziger und unterhaltsamer Splatter-Film (und das bestimmt nicht nur auf norwegisch) mit originellen Charakteren wie zum Beispiel eine selbsternannte amerikanische "Zombie-Squad", bestehend aus drei Nerds, oder dem artigen und bemitleidenswerten "Helfer-Zombie" auf der Seite derjenigen, die gegen die bösen Nazi-Zombies kämpfen.
Es ist natürlich kein zweiter "Braindead" (der meiner Meinung nach bis dato unerreicht ist und vermutlich auch bleiben wird), aber ein lustiger Guts-and-Gore-Film, den man sich zwischendurch mal ansehen kann.
(Außer man ist die Frau neben mir, die so aufgeregt war, dass sie permanent laut mit ihrem Freund quatschen musste.)


THE SACRAMENT
USA 2013
Regie: Ti West

Ähnlich wie damals bei "We need to talk about Kevin" enden die FFF-Nights mit einem ordentlichen Downer.
Der auf wahren Begebenheiten beruhende Film über eine Sektengemeinde, die sich für ein autarkes Leben im Dschungel und Isolation von der Gesellschaft entschieden hat, ist wirklich harter Stoff.
Regisseur Ti West bemühte sich offensichtlich um eine sehr realistische Darstellung. Und so werden wir (mehr oder minder unvorbereitet) ZeugInnen eines tragischen Ereignisses, das uns wie angewurzelt im Sessel kleben lässt, während der Abspann an unseren Augen vorbeizieht...


FAZIT

Das Programm war jetzt nicht so der Knaller wie im letzten Jahr, aber das Festivalgefühl, das Publikum (das bis auf ganz wenige Ausnahmen sehr diszipliniert und ruhig war), der Kino-Marathon und das Erlebnis, einen Film in Originalfassung (mit oder ohne Untertitel) zu sehen, der in dieser Form (ungeschnitten) wahrscheinlich nie ins Kino kommen wird, auf einer großen Leinwand zu sehen, ist immer wieder ein Erlebnis.

FFF 2015? Da simma dabei :)