Geisterdorf

Geisterdorf
Italien März 17

Samstag, 31. Mai 2014

LA POLIZIA STA A GUARDARE (1973)














DER UNERBITTLICHE VOLLSTRECKER
Italien, Frankreich 1973
Regie: Roberto Infascelli
DarstellerInnen: Enrico Maria Salerno, Lee J. Cobb, Luciana Paluzzi, Jean Sorel, Laura Belli, Ezio Sancrotti u.a.


Inhalt
Inspektor Cardone wird als Nachfolger des Polizeipräsidenten Iovine nach Mailand beordert. In den letzten Monaten wurde die Stadt von professionellen Entführern terrorisiert, die sich auf das Kidnapping von spätpubertierenden Söhnen und Töchtern reicher Eltern spezialisiert haben.
Um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden, war die bisherige Taktik von Staatsanwalt und Polizei, nicht einzugreifen. Das Lösegeld wurde bezahlt und die Kinderchen brav freigelassen.
Nicht so mit Cardone!
Er ist ein Mann mit Prinzipien und keinesfalls bereit, mit Verbrechern zu verhandeln.
Mit dieser Einstellung gefährdet er nicht nur das Leben von Geiseln, sondern macht sich auch gleich zu Anfang seiner Amtszeit beim Staatsanwalt, der Presse und der Bevölkerung unbeliebt.
Als nach einer medialen Kampfansage an die Kidnapper sein eigener geliebter Sohn entführt wird, muss Bertone sich entscheiden, ob er seiner Linie treu bleibt oder mit den Entführern verhandelt...


Cardone mit seiner typisch verbissenen Mimik


Cardone und der Staatsanwalt


"La polizia sta a guardare", versehen mit dem weniger passenden deutschen Titel "Der unerbittliche Vollstrecker" (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Sonny Chiba Film) entstand 1973, ein Jahr später als "Das Syndikat", und wird als dessen inoffizielles Sequel gehandelt.

Roberto Infascelli, vermutlich beflügelt vom Erfolg von "Das Syndikat", in dem er noch als Produzent fungierte, setzte sich kurzerhand selbst in den Regiestuhl, um mit dem seriös wirkenden Enrico Maria Salerno einen weiteren Poliziottesco zu drehen.

Salerno ist es auch (wieder einmal), der den Film quasi trägt und alle anderen Darsteller an die Wand spielt. Selbst der routinierte Jean Sorel, in der Rolle des Staatsanwalts, wirkt blass neben Salerno alias Polizeipräsident Cardone, der wie ein Berserker durch die Unterwelt Mailands wütet und ein für alle Mal aufräumen will mit dem erpresserischen Gesindel.

Cardone ist ein Polizist mit Leib und Seele, der sich der Gerechtigkeit und weniger der strengen Auslegung von Gesetzen verpflichtet fühlt. Dass das Abhören von Telefonaten einer Genehmigung seitens des Staatsanwalts bedarf, kann im Eifer des Gefechts ganz leicht einmal "übersehen" werden, oder?
Die bis zu seiner Ankunft von der Mailänder Polizei an den Tag gelegte Lethargie und von der Bevölkerung kritisierte Machtlosigkeit gegenüber den Gangstern, scheint Bertone noch mehr zu motivieren, die Lösegeld-Erpresser dingfest zu machen und ihn in seiner Radikalität zu bestärken.

Als sein eigener Sohn Massimo entführt wird, ist es umso schwieriger für den gewissenhaften Vollblut-Polizisten, das Ruder wieder zurückzudrehen und seinen bisher strikt verfolgten Grundsatz, sich niemals auf die Forderungen von Kriminellen einzulassen, abzulegen.

Das Hauptthema in "Der unerbittliche Vollstrecker" ist -wie bei anderen italienischen Polizeifilmen dieser Zeit- geprägt von der Hoffnungslosigkeit, der Gewalt auf Italiens Straßen überhaupt noch Einhalt gebieten zu können.

Salerno verkörpert mit seiner Rolle, was der Großteil der italienischen Bevölkerung in den Siebzigern von Staat und Exekutive forderten: hartes Durchgreifen und einen schonungslosen Umgang mit Verbrechern.
Als sein eigener Sohn Massimo entführt wird und Bertone sich beinahe von Furcht und Sentimentalität dazu hinreißen lässt, seine Ansichten über Bord zu werfen, ist es Massimo, der ihn anfleht, es nicht zu tun.

Er bittet in aufopfernder Art und Weise seinen Vater am Telefon, nicht nur an seinen eigenen Sohn zu denken, sondern an die Zukunft aller jungen Menschen im Land.
Massimo ist quasi bereit -zum Wohl der Gesellschaft und der kommenden Generationen- den Märtyrertod zu sterben.
Mit dieser Thematik hat "Der unerbittliche Vollstrecker" sicherlich den Nerv des damaligen italienischen Zielpublikums getroffen.
Er funktioniert aber auch beim heutigen Publikum, wenn auch mehr auf der Ebene der Unterhaltung als der der Moral oder Gesellschaftskritik.

Der Film bietet eine von der ersten bis zur letzten Minute fesselnde Geschichte und beeindruckt nicht nur durch halsbrecherische Verfolgungsjagden, sondern auch durch den treibenden Score aus der Feder von Stelvio Cipriani, ohne den manche Szenen nur halb so dramatisch wirken würden.
(Wem der Soundtrack bekannt vorkommen sollte: Die Musik erinnert an "Das Syndikat" und musste auch für den später entstandenen "Der Tod trägt schwarzes Leder" und Tarantinos "Death Proof" herhalten.)

Bezüglich Intensität kann "La polizia sta a guardare" seinem inoffiziellen Vorgänger zwar nicht ganz das Wasser reichen. Dennoch spielt er locker in derselben - nämlich der obersten - Liga der Poliziotteschi.
Bislang ist vom Film leider nur die italienische DVD des Labels Alan Young erhältlich.
Eine deutsche Videokassette gibt es - also alle die Daumen drücken für ein "Siebziger-Bullenfilm-Revival" und auf eine deutsche Veröffentlichung hoffen!


Das nicht ganz so hübsche
deutsche VHS-Cover

Foto: DVD vom Label Alan Young



Sonntag, 18. Mai 2014

SPECIAL: SCHLOSS BALSORANO

Das "Castello Piccolomini di Balsorano", auch bekannt als "Schloss Balsorano" wurde im 15. Jahrhundert erbaut und liegt in den schönen Abruzzen.
Es befindet sich in Privatbesitz. In den 60ern und 70ern wurden dort einige mehr (unter Genrefans) oder weniger bekannte Filme gedreht.
Eine paar Sehenswerte:

  • Ein Toter hing am Glockenseil (1964)
  • Scarletto - Schloß des Blutes (1965)
  • Das lüsterne Quartett (1970)
  • Riti, magie nere e segrete orge nel trecento (1973)
  • Il plenilunio delle vergini (1973)
  • La sanguisuga conduce la danza (1975)
  • Die Nonne und das Biest (1977)
  • Malabimba - Komm und mach's mit mir (1979)


Wir hatten bei unserem Besuch (im Sommer 2012) das Glück, dass der Hausverwalter gerade mit ein paar Helfern mit der Gartenarbeit beschäftigt war und so kamen wir nach Bezahlung eines kleinen Unkostenbeitrags in den Genuss einer privaten Führung durch das Schloss.
Er zeigte uns Geheimgänge, das Verlies, erzählte davon, wie in dieser Gegend im Winter oft meterhoch Schnee liegt und dass die Erhaltung des Schlosses recht kostenintensiv ist.
Er (ich glaube, Mario war sein Name) erwähnte, dass die Besitzer sehr verärgert waren, dass die schöne Schlosskulisse irgendwann nur noch für Sexfilme verwendet wurde.
Angeblich habe Dario Argento seinen Film "Dracula 3D" auch hier drehen wollen. Es kam dann aber doch nicht zustande.
Die von uns erwähnten Filme kannte Mario natürlich nicht.
Ab und zu werden hier noch Feste gefeiert (ein paar Überbleibsel davon waren auch zu sehen) und es gibt im unteren Teil des Gartens bzw. Parks einen Swimmingpool.

Gerne präsentiere ich euch eine kleine Auswahl meiner Fotos:



Kulisse von unten

















Der Gang, durch den Rosalba Neri  und Co. wandelten



Hier hängte Mickey Hargitay als "crimson
executioner" seine Strumpfhose zum
Trocknen auf



Innenhof



Kamin



Kamin mit Geheimgang



Kapelle



Aussicht aus dem Fenster im oberen Stock



Verlies



Klassisch-schöne Spinnweben



Decke im Verlies

Samstag, 17. Mai 2014

LA FIGLIA DI FRANKENSTEIN (1971)


LADY FRANKENSTEIN
Italien 1971
Regie: Mel Welles, Aureliano Luppo
DarstellerInnen: Rosalba Neri, Joseph Cotten, Paul Muller, Paul Whiteman, Herbert Fux, Joshua Sinclair, Romano Puppo u.a.


Inhalt
Doktor Frankensteins Tochter Tania, seit Kurzem promovierte Ärztin (mit Fachgebiet Chirurgie), besucht ihren Vater auf dessen illustrem Schloss.
Nachdem des Vaters lange gehütetes Geheimnis, sein ehrgeiziges Experiment, mithilfe seines Freundes Dr. Charles Marshall endlich gelingt, wähnt er sich am Ziel seiner Träume.
Dr. Frankenstein hat ein Wesen aus menschlichen Ersatzteilen geschaffen. Nun wird ihn niemand mehr auslachen und als Exzentriker abtun (glaubt er...).
Doch leider ist das Wesen mit dem Hirn eines Mörders, das zudem noch einen organischen Schaden aufweist, ausgestattet und setzt sein Tun da fort, wo sein Spender zu Lebzeiten aufgehört hat.
Sein erstes Opfer ist sein Schöpfer und schon bald mehren sich die Morde im Dorf...


Dr. Marshall (links) und Dr. Frankenstein


Das ungleiche Paar


Die leicht überdrehte Handlung liest sich etwas skurril:
Ojeh! Tanias verehrter Vater ist tot. Um die Schmach der Schande, die sich über den Familiennamen legen könnte, wenn die Kunde von Dr. Frankensteins unethischen Experimenten an die Öffentlichkeit gelangt, in Grenzen zu halten, entschließt sich Tania, die Identität des Mörders gegenüber der Polizei nicht preis zu geben.
Das mordende Monster mit dem Wasserkopf und dem entstellten Gesicht entfleucht aus dem Schloss und wandelt derweil desorientiert im Dorf herum, wo es wahllos Menschen meuchelt.
Aber die bedauernswerte, schöne Tania hat ein noch viel gewichtigeres Problem.
Was tut eine Frau, die einen Mann begehrt, der zwar schön und stark, aber entsetzlich dumm ist? Vor dieser herausfordernden Fragestellung steht nämlich Frau Frankenstein (gespielt von der faszinierenden Rosalba Neri).
Doch zum Glück ist sie nicht irgendeine Frau, sondern Ärztin, genauer gesagt Chirurgin. Und offensichtlich ausgestattet mit dem Irrsinn-Gen ihres Vaters Dr. Frankenstein.
Also wird das Gehirn des intelligenten Dr. Marshall, der schon seit vielen Jahren scharf auf die schöne Tochter seines Freundes war (und der sich logischerweise ohne mit der Wimper zu zucken und aus freien Stücken bereit erklärt mitzumachen - aus Liebe!), kurzerhand in den Körper des minderbemittelten Stalljungen Thomas verpflanzt und - voilà - es lebe der perfekte Mann.
Der Dorfkommissar, der Tania nicht über den Weg traut, wittert, dass sie in Wahrheit sehr wohl in der Lage wäre, den Mord an ihrem Vater aufzuklären und geht ihr auf den Geist, so oft er nur kann.
Im Dorf beginnt sich währenddessen der Mob, gegen das Monster zu formieren und zieht mit Fackeln zum Schloss Frankenstein...


Frankensteins Schöpfung - nicht mal von hinten ansehnlich


Warum sieht man sich so einen Film an? Wohl nicht wegen der Story. Auch nicht wegen der Effekte, die zwar für die damalige Zeit recht passabel, aber nicht wirklich überzeugend sind. "Lady Frankenstein" ist auch ganz sicher kein ernst zu nehmender Gruselfilm.
Der Versuch einer Erklärung:
Weil Romano Puppo ("Racket", "La Pistola", "Ein Bürger setzt sich zur Wehr" u.a.) einfach verdammt cool aussah mit seinen Koteletten.
Weil Rosalba Neri eine schöne Frau mit faszinierender Ausstrahlung war und verschiedene sehr stilvoll ausstaffierte Kleider trägt.
Weil die ganze Atmosphäre so typisch ist für das italienische Kino der Siebziger Jahre.
Weil man fast alle wichtigen DarstellerInnen kennt und sich über das Wiedersehen mit ihnen freut. Weil Herbert Fux (u.a. bekannt aus "Hexen bis aufs Blut gequält), Joseph Cotten ("Baron Blood" oder "Das Leichenhaus der lebenden Toten") und Co. einfach klasse Darsteller waren.


Romano - cool


"Lady Frankenstein" vereint, was italienisches Kino zu seinen besten Zeiten alles zu bieten hatte: ein bisschen politische Unkorrektheit, ein Hauch Trash, eine nicht zu verachtende Dosis (S)-Exploitation, gotische Kulissen und ein Quäntchen Splatter.
Die "Wer braucht schon eine gute Geschichte"-Attitüde vieler italienischer Produktionen fasziniert und belustigt mich immer wieder auf's Neue.




Foto: DVD von "84"




Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)



Donnerstag, 15. Mai 2014

ROMA VIOLENTA (1975)














VERDAMMTE, HEILIGE STADT (Kino)
GEWALT RAST DURCH DIE STADT (Video)
Italien 1975
Regie: Marino Girolami
DarstellerInnen: Maurizio Merli, Richard Conte, Ray Lovelock, John Steiner, Luciano Rossi, Daniela Giordano u.a.


Inhalt
Kommissar Berti (im Original: Commissario Betti) ist ein ehrgeiziger Polizist, der für seinen Beruf lebt und beinahe rund um die Uhr im Dienst ist.
Bei seinem Chef und der Staatsanwaltschaft fällt er meist durch riskante Brachialaktionen negativ auf. Eines Tages wird Berti (wegen unnötig eingesetzter Gewalt) vom Dienst suspendiert.
In Ermangelung beruflicher Alternativen und anderer Interessen schließt er sich schon bald einer Bürgermiliz rund um den charismatischen Rechtsanwalt Sartori an und macht da weiter, wo er als Polizist aufgehört hat:
Verbrecher prügeln und anschließend der Polizei übergeben.
Nur hat er nicht bedacht, dass sein Tun ohne die gesetzliche Legitimation eines Polizeibeamten von der Unterwelt gar nicht gerne gesehen wird und die Bekämpfung des Verbrechens in eine persönliche Fehde ausartet, die alle in seinem Umfeld in Gefahr bringt...


Na warte, Bürschchen!


Auch in zivil ne coole Socke


"Verdammte, heilige Stadt" ist ein klassischer Poliziottesco mit einem einzelgängerischen Kommissar, skrupellosen Verbrechern und kontinuierlich über die Polizeiarbeit nörgelnder Zivilbevölkerung.
Maurizio Merli (alias Kommissar Berti) mimt wie in den meisten Poliziotteschi, in denen er die Hauptrolle innehat, einen Superbullen ohne Privatleben, ohne Angst oder Skrupel.
Nie zweifelt er an der Richtigkeit seiner Vorgehensweise. Unbeirrbar setzt er sein individuelles Verständnis von Gerechtigkeit durch. Bertis Methoden kommen bei seinem Vorgesetzten und der Staatsanwaltschaft erwartungsgemäß nicht gut an. Wenn er zwielichte Gestalten unter fadenscheinigen Begründungen und ohne eindeutige Beweise festnimmt oder Informationen aus Delinquenten im wahrsten Sinne des Wortes heraus prügelt, hält er sich nicht gerade an die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Ermittlungsarbeit.

Seine Suspendierung kommt für ihn überraschend und ist für den Kommissar vollkommen unverständlich. Nur, weil er im Anflug eines kleinen Blutrauschs ein paar Kugeln zu viel auf einen Bankräuber abgefeuert hat. Tot ist tot. Und immerhin war der Räuber ein fieser Bursche, der sogar unschuldige Passanten auf dem Gewissen hatte.
Hätte Berti statt des Revolvers das Gesetzbuch ziehen sollen? (Anmerkung: Die letzte Frage ist tatsächlich ein indirektes Zitat aus dem Film.)
Da kommt ihm das Angebot von Rechtsanwalt Sartori gerade recht und so nutzt er fortan jede Gelegenheit, kleinere und größere Schurken windelweich zu klopfen.

Merli schauspielert in der für ihn typischen, über-engagierten, hektischen Art und Weise. Wer ein paar seiner Filme kennt, den sollte es nicht besonders überraschen, dass der gute Mann im realen Leben im Alter von 49 Jahren auf einem Tennisplatz einem Herzinfarkt erlegen ist.
Dennoch erkennt man in "Verdammte, heilige Stadt" einige leise Untertöne und auch die andeutungsweise emotionale Involviertheit des Kommissars in das Geschehen, die man bei anderen "Hau-drauf-Merli-Filmen" sonst wie die Stecknadel im Heuhaufen sucht.
Berti ist nicht nur mit vielen kleinen Ganoven auf "du und du", sondern zeigt auch mehrfach, dass ihn das Schicksal seiner Beamten oder das von zivilen Verbrechensopfern nicht kalt lässt. Im Gegenteil. Er lässt sich durch die miterlebte Gewalt seinerseits zu mehr Brutalität gegenüber den Verbrechern hinreißen, weshalb er schlussendlich auch seinen Job verliert. Und auch seine Vorgeschichte (der Bruder des Kommissars wurde von Gangstern erschossen) gibt einen Hinweis auf die Ursache seiner Radikalität.

Deutlich hebt Marino Girolami in seinem Film das Thema Gewaltspirale hervor. Gewalt, die mit Gewalt nicht zu bekämpfen ist, sondern sie lediglich noch schürt.

Merli in seiner besten Rolle. Nicht nur wegen dem Ansatz von Menschlichkeit, sondern auch weil er in seinem dunklen Mantel (im letzten Drittel des Films) verdammt cool aussieht.
Als er eine Gruppe von Bankräubern verfolgt, die einen seiner Männer angeschossen und eine Geisel genommen haben, dreht er vollends am Rad. Er entledigt sich seiner durch Schüsse demolierten Windschutzscheibe während der turbulenten Fahrt mit ein paar hektischen Fußtritten und rast, als ob alles in bester Ordnung wäre, weiter durch die verdammte, heilige Stadt.
Das muss man gesehen haben!

In den Nebenrollen dürfen wir uns über einige bekannte Gesichter freuen: der sympathische Ray Lovelock (ua. im sehenswerten Klassiker "Die Banditen von Mailand" oder in der Genre-Granate "Der Berserker") als verdeckter Ermittler.
Richard Conte (auch klasse in: "Il poliziotto è marcio" oder in "Der Teufel führt Regie") in der Rolle des konservativen, etwas narzisstischen Rechtsanwalt Sartori und auch Parade-Bösewicht Luciano Rossi, der in gefühlt jedem dritten italienischen Bullenfilm einen Ganoven verkörpert, hat seinen großen Auftritt.
Ebenfalls zu sehen in einer kleinen Rolle: John Steiner ("Goodbye und Amen", "Tenebrae") als starker Widersacher von Kommissar Berti.

Maurizio Merli war in der Tat kein besonders großartiger Charakterdarsteller, faszinierte aber trotz seiner kaum wahrnehmbaren Mimik wie kaum ein anderer (außer vielleicht Henry Silva) durch sein Charisma und seine imposante Erscheinung.
Er verkörperte immer den härtesten aller Kommissare. Er war "Commissario Ferro" (Kommissar Eisen), der jedem Verdächtigen zuerst ein paar Mal ordentlich seine rechte Faust ins Gesicht oder andere Körperteile jagte, um den malträtierten Gaunern erst im Anschluss daran ein paar Fragen zu stellen (wenn er sie sich bis dahin nicht ohnehin schon selbst beantwortet hat.)

Der Schauspieler Maurizio Merli war auch wie kein anderer Darsteller im Poliziottesco-Genre mit Vorwürfen hinsichtlich einer faschistoiden und reaktionären Gesinnung konfrontiert.
Das war nicht nur seinem ernsthaften Fanatismus geschuldet, sondern lag in besonderem Maße an dem Umstand, dass diverse Regisseure keine Gelegenheit ausließen, sich über ihren Hauptdarsteller lustig zu machen.
Das, was sie humoristisch und absichtlich überzogen verstanden haben wollten, nahm der gute Maurizio nämlich immer sehr sehr ernst.

Generell verwundern mich aber die allgemeinen Faschismus-Vorwürfe gegenüber dem Genre allerdings immer wieder auf's Neue. Wenn man sich umfassend mit den Poliziotteschi und den wichtigen Regisseuren dieser Art von Film auseinandersetzt, fällt nämlich Folgendes auf:
Inhaltlich kommt die "Gefahr" allzu oft aus dem politisch rechten Lager (siehe "Das Syndikat") oder von korrupten Polizisten (wie in "Der Teufel führt Regie"), von einer militanten Gruppierung, die das Gesetz in die eigene Hand nehmen möchte ("L' uomo della strada fa giustizia"), von Reichen, die der Polizei nicht vertrauen und ihren Schutz selbst organisieren. Oder von gelangweilten Söhnchen und Töchterchen reicher Eltern, denen es lediglich um den Kick des Verbotenen geht (vgl. thrill-kills, ua. thematisiert im knallharten "Fango Bollente").

Selbstjustiz wird nicht glorifiziert oder gar als Alternative zur Judikatur angepriesen, sondern in einer recht nihilistischen Fasson, resultierend aus tiefer Verzweiflung und Aussichtslosigkeit eines vom Schicksal gebeutelten Menschen, dargestellt.
Rache erscheint als Verzweiflungstat, die nicht den erhofften Befreiungs-Effekt hat, sondern unweigerlich in Selbstzerstörung resultiert.

Einer der bedeutendsten Regisseure des Genres, Fernando di Leo ("Milano Kaliber 9", "Note 7 - Die Jungen der Gewalt"), war politisch links und umso mehr verwundert (und wohl auch gekränkt, da er diesen Umstand in Interviews immer wieder auf's Neue thematisierte) über die Faschismus-Stigmatisierung der Presse.
Die Kritiker waren vielleicht manchmal etwas übereifrig bei der Interpretation vieler Poliziotteschi.
Es gibt einige Filme, die gesellschaftspolitische Aspekte thematisieren, aber auch viele, die in erster Linie auf der Erfolgswelle des Genres mitschwimmen wollten und schlichtweg der trivialen Unterhaltung (ihr wisst schon: Spannung, Spaß, Action, ein bisschen Zeitvertreib eben) des Publikums dienen sollten.
Ich halte es für überzogen, jedem Actionfilm gleich eine eindeutige politische Motivation unterschieben zu wollen, ohne sich damit auseinanderzusetzen, wer der Regisseur ist und was er zu sagen hat.

Aber noch mal zurück zu Maurizio und warum man sich diesen Klassiker unbedingt ansehen sollte:

"Merli setzte allein durch die Verkörperung des rauhbeinigen Polizei-Einzelgängers Maßstäbe. Der aus gegenwärtiger Sicht politisch unkorrekte Stil, seine übertriebenen, schon comicartigen Charaktere, sowie der krude direkte Ton, faszinieren gerade heute ein Publikum, welches sich schon immer gern abseits gängiger Marktmechanismen wohl fühlte."
Karsten Thurau in "Der Terror führt Regie"

"Verdammte, heilige Stadt" ist ein Poliziottesco mit italienischem Charme, ultrabösen Buben und einem unvergleichlich fanatischen und kompromisslosen Kommissar, wie ihn nur Maurizio Merli verkörpern konnte.
Er verfügt aber auch über einen dem Thema angemessenen Ernst, verfeinert mit der nötigen Prise Humor, um gut zu unterhalten und verdient deshalb zu Recht einen ehrenwerten Platz unter den Top-Filmen des Genres.




Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)



Sonntag, 11. Mai 2014

IL DEMONIO (1963)














THE DEMON
Italien, Frankreich 1963
Regie: Brunello Rondi
DarstellerInnen: Daliah Lavi, Frank Wolff, Anna María Aveta, Tiziana Casetti u.a.


Inhalt
Wir befinden uns im südlichen Italien, in der Gegend um den Golf von Tarent.
Purificazione, genannt Purif, ist ein ungewöhnliches Mädchen. Sie ist nicht sehr schlau und auch ihr Sozialverhalten erscheint etwas eigen. Außerdem bekennt sie sich zu Praktiken der schwarzen Magie und der Beschwörung Satans und anderer Dämonen.
Und sie ist unglücklich verliebt, in Antonio, der sie als Liebhaberin fallen gelassen hat und nun im Begriff ist, eine andere zu heiraten.
Purif verflucht ihren Antó mehrfach, auch in der Öffentlichkeit. Als sich unheimliche und unerklärbare Ereignisse im Dorf mehren, ist für die Bevölkerung klar, dass die Hexe Purif die Ursache allen Übels ist. Die Lage spitzt sich immer mehr zu und bringt das naive Mädchen in Lebensgefahr...


Ein Omen?


Bitte um Aufmerksamkeit vom Ex


Ich schreibe heute - etwas ausführlicher - über einen meiner Lieblingsfilme, dessen Genre-Zugehörigkeit sich nicht ganz einfach kategorisieren lässt. Irgendetwas zwischen Dokumentation, Drama und Horrorfilm - oder doch ein Sozialdrama? Oder schlicht ein bisschen was von Allem? 
Vielleicht ist die nicht ganz klar eingrenzbare Klassifizierung auch ein Hinweis auf die inhaltliche und stilistische Qualität von "Il demonio", der seiner Zeit erstaunlich weit voraus war.

Der Film beginnt mit dem Hinweis, dass die dargestellten Riten in dieser Form tatsächlich in ländlichen Gegenden Italiens (aber auch anderer Länder dieser Welt) praktiziert werden und dass die Geschichte auf einem nicht lange zurückliegenden wahren Ereignis beruht.

"Il demonio" ist ein Film mit einer verstörenden Aura, der sich nicht nur auf die Grusel-Elemente und paranormale Ereignisse konzentriert, sondern auch (für die damalige Zeit heftige) Kritik an der katholischen Kirche und ihren Riten, dem Aberglauben und den Traditionen des gemeinen Volkes und der Gesellschaft im Allgemeinen übt.

Regisseur Brunello Rondi lässt - vermutlich bewusst - offen, welche Geschehnisse zufällig und welche tatsächlich durch Beschwörungen Purificaziones hervorgerufen sind.
Als ZuschauerIn findet man sich immer wieder in der zweifelnden Position und fragt sich, was man bereit und willens ist zu glauben und was auf Angst oder Einbildung zurückzuführen ist.
Es gibt heute noch genug unterschiedliche Theorien zum Thema Besessenheit und Teufelsaustreibung wie beispielsweise am Fall Anneliese Michel deutlich wird.
Welche Phänomene können psychologisch oder gar neuronal erklärt werden und welche nicht? Genau mit dieser Verunsicherung spielt Rondi.


Was ist mit dem Mädchen los?


Tochter und beunruhigte Mutter


Vielleicht würde man Purif heutzutage als Medium bezeichnen. Immerhin scheint sie einen besonderen Draht zum Totenreich zu haben, was deutlich wird, als sie mit einem kleinen Jungen am Fluss spricht, von dem sich kurze Zeit später herausstellt, dass er just an diesem Morgen in Wahrheit seiner schweren Erkrankung erlegen ist.

Lässt man die paranormalen Aspekte weg, ist Purif ein bemitleidenswertes Mädchen.
Sie wird vom Vater verprügelt (auch schon mal mit dem Gürtel), von den Dorfbewohnern beschimpft und ausgegrenzt und sexuell ausgebeutet. Zio Giuseppe, den die Familie Purifs um eine Teufelsaustreibung bittet, vergewaltigt das Mädchen. Ebenso ein Schäfer, der sie inmitten seiner Herde auffindet.
Für jemanden wie sie gelten keine Gesetze, sie ist der "Outlaw", an ihr können sich alle ungestraft abreagieren. So auch die Mutter des verstorbenen Jungen, die mit anderen Frauen über Purif herfällt, als diese auf dem Begräbnis auftaucht und erzählt, sie habe den Kleinen heute am Fluss getroffen.


Der fragwürdige Zio (Onkel) Giuseppe


Purifs Sicht auf die Trauergemeinde


Purif trägt nämlich für alles Schlechte die Verantwortung. Sie hat "die Luft vergiftet", wie der Dorfpfarrer sagt, und sie ist die Urheberin der eigenartigen Erkrankung Antonios.
Der Zorn gegen sie schaukelt sich bis zum Äußersten auf, als sie bei einem Wetter-Ritual in einem nahen Baum sitzend gesehen wird.
Natürlich hat sie das Ritual verdorben und die Wolke heraufbeschworen.
Das nach Hause flüchtende Mädchen wird nicht nur mit Steinen beworfen. Der wütende Mob unternimmt sogar den Versuch, das Haus der Familie anzuzünden.

Nachdenklich stimmt auch die Szene, in der sich alle nach einer Prozession auf dem Dorfplatz versammeln und um die Vergebung ihrer Sünden bitten.
Da werden unterschiedliche Verbrechen vorgebracht mit teils deutlich niedrigen Motiven (ein Vater gesteht beispielsweise, dass er seine minderjährige Tochter missbraucht hat).
Daneben erscheint das Geständnis von Purif, sie habe mit Dämonen gesprochen, beinahe als Bagatelle und macht die Doppelmoral der ehrbaren Bürger und Bürgerinnen des Dorfes umso deutlicher.

Purif, die Hexe


Purificazione ist ihren Mitmenschen nicht ganz zu Unrecht ein Dorn im Auge.
Das etwas zurückgebliebene Mädchen gibt sich recht widerspenstig und zelebriert ihre Unangepasstheit ohne auch nur ansatzweise davon abzuweichen. Sie hält an ihren satanischen Ritualen fest, auch in der Öffentlichkeit.
Wenn sie in der Hochzeitsnacht Antonios vor seinem Haus auftaucht und den Bewachern eine tote Katze mit den Worten "Das Kind, das aus dieser Verbindung entsteht, soll genau so geboren werden" entgegen schleudert oder sie Antó mehrfach erklärt, sie habe ihn verhext, ist das ihrem Ruf natürlich nicht förderlich.
Oder ist sie bereits willenloses Werkzeug satanischer Mächte?


Der "Katzen-Fluch"


Als Purif sich eines Nachts wild schreiend im Bett hin und her wirft und tiefe Kratzspuren an Händen und auf ihrer Schulter wie aus dem Nichts erscheinen, wird sie von ihrer Familie zum Pfarrer in die Kirche gebracht, der einen Exorzismus vornehmen soll.
Was während dieses Rituals passiert, nimmt bereits einige Szenen von Friedkins "Der Exorzist" vorweg.
Nicht nur, dass das augenscheinlich von Dämonen gepeinigte Mädchen den Pfarrer anspuckt, gegenüber dem Kreuz obszöne Gesten macht und in fremden Sprachen spricht - nein, Purif beginnt auch noch, sich auf allen vieren zu bewegen - mit dem Kopf nach unten.
Man erinnere sich an die "Spiderwalk-Szene" in "Der Exorzist".






Ich frage mich, wie das gedreht wurde bzw. wie trainiert und beweglich Daliah Lavi wohl gewesen sein muss. (Um ehrlich zu sein, ich habe mal testweise versucht, meinen Körper in eine ähnliche Position zu bringen, bin aber bereits im ersten Ansatz kläglich gescheitert.)
Jedenfalls ist diese Szene sehr beunruhigend und beängstigend.
Allein schon, dass sich Lavi minutenlang in dieser Körperhaltung bewegt und dabei auch noch ihre Mimik absolut kontrolliert und weiter schauspielert, lässt mich ehrfürchtig werden.







Daliah Lavi (auch schön in Mario Bavas "Der Dämon und die Jungfrau") hat in einem Interview mit Tim Lucas einmal gesagt, dass "Il demonio" ihr Lieblingsfilm ist, weil sie findet, dass sie hier die stärkste schauspielerische Leistung ihrer Karriere dargeboten hat.
Ich kenne zwar nicht alle ihre Filme, aber das will ich ihr mal so glauben.
Ihr Ausdruck von Schmerz, Verzweiflung, aber auch Besessenheit ist von ungeheurer Intensität. Was die damals einundzwanzig Jahre alte israelische Schauspielerin und Musikerin in der Rolle als Purif geleistet hat, würde heute nicht nur Applaus und Bewunderung auslösen, sondern bestimmt auch durch entsprechende Auszeichnungen honoriert werden.

Frank Wolff, der uns als Darsteller immer wieder in Poliziotteschi (z.B. "Milano Kaliber 9") oder Gialli (z.B. "Das Grauen kam aus dem Nebel") begegnet, ist ebenfalls eine Erwähnung wert und überzeugt als misstrauischer und ängstlicher Antonio, dem Purif zwar für eine Affäre gut genug war, der aber lieber einen soliden Weg, nämlich die Familiengründung mit einer anständigen Frau, einschlägt.


Antonio und seine anständige Braut


Bemerkenswert sind auch die von Rondi eingesetzten Laiendarsteller, sprich: die Dorfbewohner aus Süditalien, die verhärmt und abgearbeitet aussehen. Die teilweise nahezu zahnlosen Gesichter sind von Wind und Wetter tief gefurcht.
Auch wenn Purif im Gegensatz zu den anderen Protagonisten deutlich größer und Antonio sogar hünenhaft erscheint, ist die Auswahl der Nebencharaktere in hohem Maß für die besondere Authentizität des Films verantwortlich. Allein mit professionellen SchauspielerInnen würde "Il demonio" bestimmt nicht so gut funktionieren.

Die Filmografie des Regisseurs Brunello Rondi beläuft sich auf nicht einmal ein Dutzend Filme.
"Il demonio" ist sein zweites Werk, im Anschluss drehte er den interessanten Gotik-Giallo "Piu tardi Claire, piu tardi" (in dem er wohl mit der Rolle der Außenseiterin Ruth eine Hommage an Purificazione beabsichtigt hatte) und schließlich widmete er sich in den Siebziger Jahren filmischen "Schweinereien" wie beispielsweise "Frauen im Zuchthaus".
Seine Karriere im Filmgeschäft begann er übrigens als Regieassistent und Artdirector, des Weiteren schrieb er Drehbücher, u.a. für Federico Fellini.

Die Martino-Brüder Luciano und Sergio waren ebenfalls an der Produktion beteiligt. Sergio als Regieassistent, Luciano als mitwirkender Produzent und als Drehbuchautoren (in Zusammenarbeit mit Rondi).

Die Grundthematik des Films wird übrigens in ähnlicher Weise in Lucio Fulcis herausragendem Giallo "Non si sevizia un paperino" verwendet. Die Charaktere und Handlungen der Außenseiterin im Dorf (dargestellt von Florinda Bolkan) erinnern stark an die ebenfalls zwiespältig dargestellte Purif.

"Il demonio" ist absolut ästhetisch fotografiert. Die Landschaftsaufnahmen (als Kulisse diente die Stadt Matera, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt), das Spiel zwischen Licht und Schatten und das altertümliche Dorf deuten auf einen Hang zur Perfektion des Regisseurs hin.


Purifs Blick auf die Stadt


Außerdem regt "Il demonio" zum Nachdenken an, stellt tradierte Rituale und Wertvorstellungen in Frage und deutet auf die Doppelmoral der Gesellschaft hin.

Warum diese Filmperle angesichts der grandiosen schauspielerischen Leistung Daliah Lavis und der Tatsache, dass Rondi im Entstehungsjahr des Films in Venedig für sein Werk prämiert wurde, ausschließlich auf dem italienischen Markt (DVD vom Label Medusa) erhältlich ist und nicht einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird, ist mir unverständlich.
Oder vielleicht auch nicht ganz. Denn so ein Film ist natürlich eher schlecht kommerziell vermarktbar.
Peccato!


Einen Bildvergleich der Locations aus dem Jahr 1963 und 2015 gibt es hier.


Foto: DVD vom Label Medusa



Freitag, 9. Mai 2014

YELLOW: LE CUGINE (1969)














DIE MÜHLE DER JUNGFRAUEN
Italien 1969
Regie: Gianfranco Baldanello
DarstellerInnen: Lisa Seagram, Maurizio Bonuglia, Caterina Barbero, Franco Ricci u.a.


Inhalt
Anlässlich der Beerdigung ihres Großvaters treffen die unterschiedlichen Cousinen Valentina und Marta aufeinander. Valentina reist mit ihrem französischen Dandy-Ehemann gerade noch rechtzeitig an, um dem Begräbnis beiwohnen zu können. Während Valentina sich gerne öffentlich mit ihrem Gatten Pierre vergnügt, Drogen- und Sexparties feiert und mit Vorliebe Miniröcke trägt, gibt sich Marta äußerst steif und zugeknöpft, um nicht zu sagen: lustfeindlich.
Dennoch scheint Pierre von der prüden Cousine fasziniert zu sein und testet seine Verführungskünste an ihr.
Dies bleibt Valentina nicht verborgen und es kommt zum Streit zwischen den Eheleuten.
Am nächsten Tag wird die Leiche Valentinas bei einer Mühle, die zum Gut der Familie gehört, aufgefunden. Sie war erst 23 Jahre alt...
(Anmerkung: Dieser Text wurde - bis auf den letzten Satz - von Ascot Elite für ihre Veröffentlichung verwendet. Ohne Anfrage oder meine Zustimmung. Eine Antwort auf mein diesbezügliches höfliches Email erschien der Firma offenbar - genauso wie das Verfassen einer eigenen Inhaltsangabe - zu viel Mühe.)


Cousine Valentina nähert sich dem Musiker


"Leicht" verkrampft: Cousine Marta beim Klavierspiel


Dieser frühe und sehr rare Giallo ist genau so, wie ich das Genre mag.
Ein bisschen Swinging Sixties, Party-Exzesse und reiche Leute, die herumschnöseln und sich vor lauter Dekadenz und Geldgier irgendwann gegenseitig killen.
Inhaltlich gibt es keine großartigen Überraschungen, aber mein zuweilen einfaches Gemüt erfreut sich an dieser charmanten Vorhersehbarkeit solcher Filme.
Der Soundtrack ist überraschend gut und besonders die Party-Szene mit dem (erotischen) Zitar-Spiel ist wirklich bemerkenswert frivol inszeniert.
Überhaupt ist der Film für sein Entstehungsjahr ziemlich "versext".

Zunächst wiegen Marta und der früh verwitwete Pierre sich noch in Sicherheit, da der ortsansässige Maresciallo, geblendet vom Namen und guten Ruf der Familie Martas, (nett ausgedrückt) nicht sonderlich kreativ ist, was seine Ermittlungstaktik betrifft und den Fall schnell zu den Akten legt.
Sie sind der Meinung, das perfekte Verbrechen begangen zu haben, wobei bis zum Schluss nicht ganz klar ist, wer von den beiden den Mord tatsächlich durchgeführt hat bzw. wer in welcher Weise beteiligt war.

Kurze Zeit später erscheint allerdings Kommissar Saccara auf der Bildfläche, der fortan wie ein Gespenst immer wieder wie aus dem Nichts auf dem Gehöft auftaucht und mal da, mal dort seine Nase reinsteckt.
Marta und Pierre werden zunehmend nervös und begehen Fehler.
Der arme ältliche Hausangestellte Romolo, der das blutgetränkte Oberteil der verstorbenen Valentina entdeckt, wird von Marta aufgefordert, alles zu vergessen, wenn er ihr Angestellter bleiben will.
Und Romolo schweigt, aus Angst und aus Respekt. Ebenso die Haushälterin, die angeblich nichts von dem lautstarken Streit des jungen Ehepaars gehört haben will.
Das suspekte Verhalten der Hausangestellten bestärkt Saccara schließlich, an dem Fall dranzubleiben.


Der heiß begehrte Pierre (Bonuglia)

Das Gesicht Maurizio Bonuglias dürfte manchen bekannt vorkommen, etwa aus dem Giallo "Die Waffe, die Stunde, das Motiv" oder aus "Ein schwarzer Tag für den Widder".
Und auch Bruno Mattei, der hier laut den Credits für den Schnitt verantwortlich war, ist für Italo-Fans kein Unbekannter.

Alles in allem versprechen "Die Cousinen" solide, wenn auch nicht sehr originelle Unterhaltung, sofern man das Genre nicht einzig durch "stylische Lederhandschuh-Fetisch-Morde" definiert.




Foto: VÖ von Ascot Elite